Drama um Buckelwal vor Poel: Geleitversuch gescheitert - Wal bleibt in flachem Gewässer
Buckelwal vor Poel: Geleitversuch gescheitert

Drama um Buckelwal vor Poel: Geleitversuch gescheitert - Wal bleibt in flachem Gewässer

Nach drei Wochen völliger Bewegungslosigkeit kam es am frühen Montagmorgen zu einer überraschenden Entwicklung: Der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal begann plötzlich bei steigendem Wasserstand von selbst zu schwimmen. Doch die Hoffnung auf eine selbstständige Rückkehr ins offene Meer währte nur kurz.

Kurze Bewegung, dann erneutes Liegenbleiben

Rund zwei Stunden lang mühten sich Helfer von Booten aus, den zwölf Meter langen und etwa zwölf Tonnen schweren Wal in die richtige Richtung zu treiben. Doch dann stoppte das Tier abrupt und blieb am Übergang des Kirchsees zur Wismarbucht liegen - genau an jener Stelle, die ihn letztlich in die Ostsee führen könnte. Mobilisierungsversuche durch nahes Heranfahren von Booten brachten bis zum Nachmittag keinen Erfolg.

Auf Livestreams war deutlich zu erkennen, wie der Wal nahe von Fahrwassertonnen auf Grund liegt. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte am frühen Mittag: „Er liegt nach vorliegenden Erkenntnissen nicht vollständig auf. Er könnte nach links ohne weiteres ausweichen, um dann in tiefes Fahrwasser zu kommen.“

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Zeit wird knapp: Sinkende Wasserstände drohen

Die Situation wird durch die erwarteten sinkenden Wasserstände zusätzlich verschärft. Ab Montagmittag bis Dienstag sollte der Wasserstand in der Lübecker Bucht wieder fallen. Meeresbiologe Boris Culik warnte vor den fatalen Folgen: „Wenn er jetzt gemütlich mit dem Bauch auf einer Sandbank liegt und oben guckt das Blasloch raus, alles gut. Aber wenn dann 50 Zentimeter weniger Wasser da sind, dann entwickelt er ein unheimliches Gewicht, das dann auf seinen inneren Organen lastet.“

Culik äußerte eine besorgniserregende Theorie: Der Wal könnte gezielt immer wieder flache Stellen angesteuert haben. Ein geschwächtes Tier könne durchaus gewollt stranden, wenn ihm dies das Atmen erleichtere. „Dass er in der Ostsee eine Sandbank aufsucht, um sich zu erholen, kann man sich schon vorstellen“, so der Experte.

Komplexe Rettungsoperation durchkreuzt

Der morgendliche Aufbruch des Wals durchkreuzte die eigentlichen Rettungspläne der privaten Initiative. Eigentlich war vorgesehen, unter den Wal eine zwischen Pontons befestigte Plane zu führen, um ihn aus dem flachen Bereich zu bergen und Richtung Nordsee zu bringen. Die Netzplane lag bereits im Wasser bereit.

Für den Fall, dass der Wal wegen der steigenden Wasserstände losschwimmen würde, sollte „Plan B“ greifen: Das Tier sollte von Booten geleitet werden. Doch auch dieser Notfallplan scheiterte. Der Wal änderte wiederholt seine Richtung, was Beobachter zu verschiedenen Vermutungen veranlasste:

  • Das Tier könnte so geschwächt sein, dass es versucht, in Küstennähe zu bleiben
  • Der Wal könnte so desorientiert sein, dass er den Weg zurück ins offene Meer nicht allein findet

Lange Leidensgeschichte des Wals

Die aktuelle Strandung ist bereits die fünfte in Folge für das Tier. Erste Sichtungen gab es bereits Anfang März, als der Buckelwal im Hafen von Wismar auftauchte und Schaulustige anlockte. In den folgenden Wochen wurde er vor der Ostseeküste Schleswig-Holsteins sowie Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet.

Das Tier hatte sich Experten zufolge wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit. Am 23. März strandete der Wal erstmals auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht. Nach umfangreichen Rettungsversuchen schwamm er schließlich selbst los, nur um wenige Tage später erneut zu stranden.

Technische Unterstützung geplant

Sollte sich die Gelegenheit bieten, plant das Schweriner Umweltministerium, den Wal mit einem Sender zu versehen. Damit ließe sich der Standort auch noch erkennen, sollte das Tier später in tieferem Gewässer abtauchen. Die technische Überwachung könnte entscheidend für den weiteren Rettungserfolg sein.

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Die geografischen Gegebenheiten erschweren die Rettung zusätzlich: Das Fahrwasser im Kirchsee ist etwa zweieinhalb bis drei Meter tief, während die Bucht ansonsten nur zwischen 90 und 110 Zentimeter tief ist. Deutlich tiefer ist das Fahrwasser der sich anschließenden Wismarbucht mit mehr als neun Metern. Doch selbst wenn der Wal diese Hürde überwindet, wäre er noch nicht in seinem natürlichen Lebensraum: Er müsste zurück in die Nordsee und weiter in den Atlantik gelangen.

Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die den privaten Bergungsversuch mitfinanziert, beschrieb die Situation treffend: „Es ist ein Nadelöhr, durch das er durch muss.“ Das Wasser außerhalb der Fahrrinne ist im Kirchsee vielerorts nur hüfttief, was die Bewegungsmöglichkeiten des großen Meeressäugers stark einschränkt.