Eisige Ostsee: Seenotrettungskreuzer weicht nach Warnemünde aus - Prerower Hafen vereist
Eisige Ostsee: Seenotrettungskreuzer weicht nach Warnemünde aus

Eisblockade an der Ostsee: Seenotrettungskreuzer findet Notliegeplatz in Warnemünde

Eine ungewöhnliche Szenerie bietet sich derzeit im Alten Strom von Warnemünde: Dort liegen nicht wie üblich nur der heimische Seenotrettungskreuzer Arkona, sondern seit gut anderthalb Wochen auch die Nis Randers, die eigentlich im Inselhafen Prerow stationiert ist. Grund für diese außergewöhnliche Verlegung ist die massive Vereisung der Ostsee vor der Halbinsel Darß.

Winterliche Herausforderung für die Seenotretter

„Wenn wir im Hafen liegen geblieben wären, und das Eis hätte den Inselhafen erreicht, dann wären wir wohl nicht mehr herausgekommen“, erklärt Martin Rakobrandt, zweiter Vormann auf der Nis Randers. Die Besatzung hatte die Eisbildung genau beobachtet und rechtzeitig die Entscheidung getroffen, den sicheren Hafen von Warnemünde anzusteuern. In der Nacht zum 4. Februar um 1 Uhr verließ das Schiff den zunehmend vereisten Inselhafen Prerow.

Die Fahrt über 31 Seemeilen dauerte etwa anderthalb bis zwei Stunden und führte das Rettungsschiff schließlich in den touristisch geprägten Hafen von Warnemünde. Rakobrandt betont: „In den vergangenen elf Jahren ist das so noch nicht vorgekommen mit dieser Masse an Eis.“ Zwar gehöre Eis zum Winter an der Ostsee dazu, doch das Ausmaß der Vereisung habe die Seenotretter überrascht.

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Zwei Rettungskreuzer im Alten Strom

Die aktuelle Situation bietet auch ungeplante Vorteile. Da nun zwei Seenotrettungseinheiten in Warnemünde liegen, nutzen die Besatzungen die Zeit für gemeinsame Übungen. „Es ist eine gute Gelegenheit, weil hier dann zwei Einheiten sind“, so Rakobrandt. Zudem bleibe immer genug Arbeit auf dem Schiff: Wartungsarbeiten, Pflege und Ausbildung füllen die Tage.

Im Vergleich zum abgelegenen Prerow, wo der Weg an Land über die 721 Meter lange Seebrücke führt, liegt die Nis Randers jetzt mitten im Trubel Warnemündes. Die Nähe zu Restaurants, Fischbrötchenbuden und Geschäften verkürzt die Wege für Besorgungen erheblich. Dennoch betont Rakobrandt: „Wir sind gerne hier, wir haben auch ein sehr gutes Verhältnis zu den Kollegen aus Warnemünde, aber letztlich ist unsere Station eben unsere Station.“

Einsatzbereitschaft trotz Eis

Bisher gab es während des Aufenthalts in Warnemünde noch keine Einsätze. Die Seenotretter bleiben jedoch ständig einsatzbereit. Die Scheiben des Schiffes sind beheizt, sodass kein mühsames Eiskratzen wie bei Autos notwendig ist. Allerdings muss das Eis an Deck regelmäßig entfernt werden, um die Bewegungsfreiheit und Einsatzfähigkeit zu gewährleisten.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), die sich ausschließlich über Spenden finanziert, übernimmt den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Küstengewässern. Die Nis Randers gehört zur 28-Meter-Klasse und ist für Einsätze in der viel befahrenen Kadetrinne vorgesehen.

Rückkehr ungewiss

Wann die Rückkehr nach Prerow möglich sein wird, hängt vollständig von den Witterungsbedingungen ab. Die Besatzung beobachtet die Situation im Heimat-hafen über Webcams und steht in Kontakt mit dem dortigen Hafenmeister. „Vielleicht schon in den nächsten Tagen“, spekuliert Rakobrandt, betont aber, dass dies von Temperaturen und Windrichtung abhänge.

Die Ostsee bei Prerow präsentiert sich derzeit als kilometerweite Eisfläche. Selbst die längste Seebrücke an der deutschen Ostseeküste ist komplett vom Eis umschlossen. Diese außergewöhnliche Wettersituation zeigt einmal mehr, wie wichtig die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Seenotretter ist, um ihre lebensrettende Aufgabe jederzeit erfüllen zu können.

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