Falknerei in Vorpommern: Vom Aussterben bedroht zur UNESCO-Anerkennung
Falknerei in Vorpommern: Vom Aussterben zur UNESCO-Anerkennung

Falknerei in Vorpommern: Eine traditionsreiche Jagdkunst erlebt ihre Renaissance

Die Falknerei, eine jahrhundertealte Jagdkunst, hat in Vorpommern eine bewegte Geschichte hinter sich. Gerd Borgwardt aus Demmin ist seit fünf Jahrzehnten leidenschaftlicher Falkner und blickt auf eine Zeit zurück, in der Falken in der DDR nahezu ausgestorben waren. Heute hält er auf seiner Anlage vier Wanderfalken, von denen zwei zur Jagd eingesetzt werden und zwei für die Zucht dienen. Seine Faszination für die Beizjagd, bei der Wild mit Hilfe von Greifvögeln erlegt wird, begann bereits 1976.

Von der Schliefanlage zur Leidenschaft für Greifvögel

Alles startete mit der Schliefanlage seines Schwiegervaters, einem unterirdischen Gangsystem zur Ausbildung von Jagdhunden. Hier lernte Borgwardt den Falkner Friedrich Jabs kennen, der mit Habichten jagte. „Ich war begeistert und entschied mich, mitzumachen“, erinnert sich Borgwardt. 1978 legte er sowohl die Jagd- als auch die Falknerprüfung ab. In der DDR spielten Falken jedoch eine untergeordnete Rolle, da sie fast verschwunden waren, sodass zunächst nur mit Habichten gejagt wurde.

Erst durch Kontakte zu westdeutschen Falknern bei Besuchen in Polen in den 1980er Jahren erweiterte sich sein Horizont. 1992 trat Borgwardt in den deutschen Falkenorden ein und erwarb ein Jahr später sein erstes Falkenweibchen. Diese Entwicklung markiert den Übergang von einer regional begrenzten Praxis zu einer wiederbelebten Tradition.

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Historische Wurzeln und moderne Herausforderungen

Die Falknerei blickt auf eine reiche Vergangenheit zurück. Kaiser Friedrich II. aus dem Adelsgeschlecht der Staufer war einer der bedeutendsten Falkner, und sein Werk „De arte venandi cum avibus“ gilt noch heute als wertvolles Nachschlagewerk. Interessanterweise wurde die Falknerei in der DDR nicht als feudalistisches Überbleibsel abgetan, sondern als Teil des nationalen Kulturerbes gepflegt.

Seit 2021 ist die Falknerei von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt worden, ein Antrag, an dem Länder von Marokko bis Südkorea beteiligt waren. In Mecklenburg-Vorpommern startet die Jagdsaison im September und dauert bis Mitte Januar. Borgwardts Revier erstreckt sich um die Tollense und angrenzende Gräben, wo seine Falken vor allem Stockenten jagen.

Aufwendiges Training und aktuelle Bedrohungen

Die Vorbereitung der Falken für die Jagd ist ein komplexer Prozess. Zunächst müssen die Vögel auf ihr ideales Jagdgewicht gebracht werden: 700 Gramm für den männlichen Terzel und 1000 Gramm für das weibliche Weib. Anschließend folgt das Training mit Lockschnur und Beuteattrappen, um die Reflexe zu schärfen. Bei den ersten Freiflügen wird ein Sender am Rücken des Falken angebracht, um ihn zu orten.

Neben seiner jagdlichen Tätigkeit engagiert sich Borgwardt auch im Artenschutz. Er ist in Horstsuche für Seeadler, Fischadler und Wanderfalken involviert und unterstützt Beringungsaktionen. „Die größten Gefahren für unsere Vogelwelt sind die Vogelgrippe und die mittlerweile große Zahl an Windrädern“, betont er. Diese Faktoren stellen erhebliche Risiken für die Greifvogelpopulation dar.

Persönliche Höhepunkte und zukünftige Perspektiven

Auf die Frage nach seinen schönsten Erlebnissen erzählt Borgwardt von der Auswilderung von Wanderfalken in Bäumen ab 1995 durch den Landesjagdverband. „Als ich dann im Jahr 2000 ein erstes baumbrütendes Falkenpaar in einem Kunsthorst beobachtete, schlug mein Herz schneller“, schwärmt der Rentner. Heute ist er einer von 37 Falknern in Mecklenburg-Vorpommern und fungiert als Prüfer für Neueinsteiger.

Die Falknerei in Vorpommern steht somit exemplarisch für die Bewahrung einer alten Tradition trotz historischer Widrigkeiten und moderner Umweltbedrohungen. Mit der UNESCO-Anerkennung erfährt diese Kunstform neue Wertschätzung, während Falkner wie Gerd Borgwardt dafür sorgen, dass das Wissen und die Leidenschaft für die Beizjagd an künftige Generationen weitergegeben werden.

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