Gasexplosion auf Rügen: Schadensersatzprozess nach Zerstörung von Ferienhäusern beginnt
Fast drei Jahre nach einer schweren Gasexplosion in Putgarten auf der Insel Rügen, die bundesweit für Aufsehen sorgte, steht nun der Schadensersatzprozess vor dem Landgericht Stralsund an. Betroffene Hauseigentümer haben sowohl die Gasinstallationsfirma als auch den damals verantwortlichen Monteur verklagt, um Entschädigung für die entstandenen Schäden und Totalverluste zu erhalten.
Die verheerende Explosion vom Mai 2023
Die Katastrophe ereignete sich am 26. Mai 2023 in der Nähe des Kap Arkona. Ein Ferienhausbesitzer aus der Region Leipzig hatte vor seiner Anreise die Heizung per Fernbedienung eingeschaltet. Durch ein Gasleck trat Erdgas aus, was zu einer massiven Explosion führte. Das betroffene Gebäude wurde vollständig zerstört, und Trümmerteile flogen mehrere hundert Meter weit.
Die Folgen waren verheerend:
- Zwei moderne Ferienhäuser wurden total zerstört
- Mehr als zehn weitere Häuser auf dem Gelände erlitten erhebliche Beschädigungen
- Etliche parkende Autos wurden durch umherfliegende Trümmer beschädigt
- Ein mit Schilf gedecktes Nachbarhaus brannte bis auf die Grundmauern nieder
Erstaunlicherweise wurde bei dem Unglück niemand ernsthaft verletzt, was angesichts der Zerstörungskraft als glücklicher Zufall gewertet werden muss. Der Gesamtschaden wird von den Behörden auf rund drei Millionen Euro geschätzt.
Komplexe rechtliche Auseinandersetzung
Die rechtliche Aufarbeitung des Vorfalls gestaltet sich äußerst komplex. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft Stralsund gegen den Gasinstallateur einen Strafbefehl wegen „Herbeiführung einer Gasexplosion“ beantragt. Der Beschuldigte wehrte sich jedoch erfolgreich dagegen, woraufhin das Amtsgericht den Fall an die Staatsanwaltschaft zurückverwies.
Besonders problematisch: Mehrere Gutachten kamen zu teils widersprüchlichen Ergebnissen. Ein Gutachten hatte ursprünglich einen Montagefehler beim Gaszähler als Ursache für das Gasleck identifiziert, was auf einen Fehler des Monteurs hindeutete. Nach weiteren technischen Überprüfungen distanzierte sich die Anklagebehörde jedoch von dieser Einschätzung.
Letztlich stellte die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren im Jahr 2025 ein. Rechtsexperten betonen jedoch, dass der Ausgang des Strafverfahrens für das nachfolgende Zivilverfahren nicht entscheidend ist.
Der bevorstehende Zivilprozess
Der Zivilprozess ist derzeit für Ende Mai am Landgericht Stralsund geplant. Das Gericht hat den Streitwert bisher auf etwa 100.000 Euro geschätzt. Die Kläger hoffen auf eine umfassende Entschädigung für ihre Verluste.
Die kleine Gemeinde Putgarten mit ihren rund 180 Einwohnern ist traditionell ein beliebtes Ziel für Rügen-Touristen. Die Explosion hat nicht nur materielle Schäden verursacht, sondern auch das Vertrauen in die Sicherheit der Ferienunterkünfte erschüttert.
Der Prozess wird mit Spannung erwartet, da er klären soll, wer letztlich für den Millionenschaden verantwortlich ist und welche Konsequenzen sich daraus für die beteiligten Unternehmen ergeben.



