Spektakulärer Rettungsplan für Haus Seeblick: Villa soll vor Ostsee-Abrutschung bewahrt werden
Haus Seeblick: Villa soll vor Ostsee-Abrutschung gerettet werden

Nur fünf Meter vom Abgrund entfernt: Spektakulärer Rettungsplan für historisches Haus Seeblick

Das berühmte Haus Seeblick in Travemünde steht buchstäblich am Abgrund. Nur noch fünf Meter trennen das historische Gebäude von der steil abfallenden Küste der Ostsee. Während die Stadt Lübeck den Abriss der Villa fordert, wehrt sich der Eigentümer mit einem außergewöhnlichen Plan: Er will das gesamte Haus um 20 Meter landeinwärts verschieben.

Vom sicheren Abstand zur akuten Gefahr

Erbaut im Jahr 1932, lag das Haus ursprünglich mehr als 100 Meter vom Ufer entfernt. Doch die Naturgewalten der Ostsee haben über die Jahrzehnte ihr Werk verrichtet. Regen, Frost und heftige Sturmfluten ließen immer wieder Teile des Brodtener Steilufers abbrechen, sodass die Küstenlinie kontinuierlich näher an das Gebäude heranrückte. Der bisher letzte große Abbruch im Februar 2023 brachte die dramatische Situation: Seitdem stehen nur noch fünf Meter zwischen dem Haus und dem drohenden Absturz ins Meer. Eine Bewohnung ist längst nicht mehr möglich – die Gefahr ist zu groß.

Denkmalschutz versus Sicherheitsbedenken

Der ehemalige Eigentümer, der Förderverein der Falken e. V., ein Kinder- und Jugendverband, hatte die Immobilie im Landschaftsschutzgebiet eigentlich bewahren wollen, fand jedoch keine praktikable Lösung. Nach dem Verkauf an einen neuen Besitzer, der anonym bleiben möchte, obwohl ihm die Unbewohnbarkeit klar war, entstand der ambitionierte Rettungsplan. „Ich verfüge über eine Ende Januar ausgestellte denkmalrechtliche Genehmigung zur Versetzung von Haus Seeblick um etwa 20 Meter landeinwärts“, erklärt der Eigentümer. Diese Maßnahme würde dem Gebäude schätzungsweise dreißig Jahre Sicherheit vor weiterer Erosion verschaffen.

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Technische Meisterleistung: So soll die Versetzung gelingen

Die geplante Hausversetzung ist ein komplexes ingenieurtechnisches Unterfangen. Dipl.-Ing. Ralf Engel von der Spezialtiefbaufirma ERKA Pfahl GmbH erläutert das detaillierte Vorgehen: „Zuerst wird das Haus statisch gesichert und vom bestehenden Fundament getrennt. Massive Stahlträger werden unter die tragenden Wände geschoben und übernehmen das gesamte Gewicht.“ Anschließend heben Hydraulikpressen das Gebäude leicht an, um es auf vorbereitete Gleit- oder Rollbahnen zu setzen. Hydraulikzylinder bewegen das Haus dann in kleinen, kontrollierten Schritten zur neuen Position, wo es exakt ausgerichtet, abgesenkt und dauerhaft mit einem neuen Fundament verbunden wird. Die Kosten für diese spektakuläre Operation werden auf 80.000 bis 100.000 Euro geschätzt.

Rechtlicher Streit: Abrissforderung versus Rettungsversuch

Die Stadt Lübeck hat die Villa und ihre prekäre Lage als erheblich gefährlich eingestuft und den Eigentümer zum Abriss aufgefordert. In ihrer Begründung heißt es: „Da von dem Gebäude erhebliche Gefahren für Leben und Gesundheit von Personen ausgehen, ist ein weiterer Verzug nicht vertretbar.“ Sollte die Stadt den Abriss durchführen, würde sie dem Eigentümer die Rechnung präsentieren. Dieser legte jedoch Widerspruch ein und stellte letzten Donnerstag einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht, der die Bagger vorerst stoppte. Am Dienstagnachmittag folgte die ernüchternde Nachricht: Das Verwaltungsgericht lehnte den Eilantrag ab. Dem Hausbesitzer bleibt nun nur noch der Gang vor das Oberverwaltungsgericht, um seine ambitionierte Rettungsaktion doch noch durchsetzen zu können.

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