Gutshaus Eickelberg: Ein Heimkehrer schreibt mit der neuen Besitzerin Geschichte
Im beschaulichen Eickelberg bei Güstrow vollzieht sich eine bemerkenswerte Wiederbelebung. Das historische Gutshaus, das Krieg, Enteignung und DDR-Zeit überstanden hat, erhält durch die engagierte Besitzerin Anja Kannenberg und einen besonderen Unterstützer eine neue Zukunft. Jürgen Tack, der 1947 in diesem Haus geboren wurde und dort seine Kindheit verbrachte, kehrt nun zurück, um bei der Rettung des Denkmals mitzuwirken.
Der Altan wird wieder zum Wintergarten
Ein zentrales Projekt der laufenden Sanierung ist die Wiederherstellung des um 1920 angebauten Altans. Dieser offene Umgang, der im Sommer angenehm, im Winter jedoch zugig war, wird nun mit Unterstützung von Sponsoren und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in einen windgeschützten Wintergarten verwandelt. „Die großen Fenster und die restaurierte Eingangstür werden durch die Tischlerei Rossnagel aus Bützow wieder eingebaut“, erläutert Anja Kannenberg. Die Arbeiten orientieren sich an historischen Fotografien, um den ursprünglichen Charakter zu bewahren.
Die Fertigstellung dieses Bauabschnitts soll am Freitag, dem 27. März, mit einer feierlichen Andacht zur Wiedereinweihung begangen werden. Eingeladen sind neben Vertretern des Denkmalschutzes und der Jugendbauhütte auch die Dorfgemeinschaft, ehemalige Bewohner und ihre Familien sowie Gutsherren der Nachbarschaft.
Jürgen Tack: Das wandelnde Ortsgeschichtsbuch
Jürgen Tack, der bis 1954 im Gutshaus aufwuchs, gilt als wandelndes Ortsgeschichtsbuch und hat sogar eine Chronik über Eickelberg verfasst. „Wenn einer Eickelberg kennt, dann bin ich das“, sagt er selbstbewusst. Seine Familie, darunter Tochter und Enkelin, unterstützt die Sanierungsarbeiten aktiv. „Sie haben schon viel geleistet, um es wieder zum Leben zu erwecken. Ich finde das total schön, und es ist auch das Besondere an diesem Gutshaus, dass sich die Menschen hier so sehr damit identifizieren“, betont Kannenberg.
Tacks Verbindung zum Haus ist tief verwurzelt. Sein Großvater war Dorfschullehrer und Küster und wurde 1945 von den Russen als Bürgermeister eingesetzt. Sein Vater, der Landwirtschaft gelernt hatte, arbeitete als Inspektor bei benachbarten Gutsherren. Die Kriegszeit war hart: Pferde mussten abgegeben werden, das Gutshaus-Mobiliar wurde für Tierarztkosten veräußert. Nach einer Odyssee, die ihn bis nach Stalingrad führte, kehrte der Vater zurück und fand im überfüllten Gutshaus, in dem auch Umsiedler untergebracht waren, eine Bleibe.
Von der Vergangenheit zur Zukunft
Das Gutshaus hat eine bewegte Geschichte: Nach dem Tod des letzten Gutsherrn aus der Familie von Lützow, der einen Treppensturz nicht überlebte, diente es in der DDR-Zeit unter anderem als Jugendwerkhof. Anja Kannenberg, die das mehrfach umgebaute Gebäude vor einigen Jahren erwarb, sieht in der Rettung eine Herzensaufgabe. „Weil dieses Haus an diesem schönen Ort einfach gerettet werden muss“, erklärt sie ihre Motivation.
Ihre Pläne für die Zukunft sind ambitioniert:
- Eine Dauerwohnung und mehrere Ferienwohnungen sollen entstehen.
- Gastronomie soll das Haus beleben, wobei Kerstin Hegermann-Basche vom Bützower Café Stine im Sommer ein Café betreiben möchte.
- Die Sanierung schreitet kontinuierlich voran, um das Gutshaus als lebendigen Ort zu erhalten.
Die Zusammenarbeit zwischen der neuen Besitzerin und dem gebürtigen Eickelberger symbolisiert eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Während Jürgen Tack mit seinem Wissen und seiner Verbundenheit die historische Identität bewahrt, treibt Anja Kannenberg mit Tatkraft und Visionen die Modernisierung voran. Gemeinsam schreiben sie ein neues Kapitel für das Gutshaus Eickelberg, das nun nicht nur als Denkmal, sondern auch als lebendiger Mittelpunkt der Gemeinschaft erstrahlt.



