Ölkatastrophe droht: Russische Schattenflotte tickende Zeitbombe in der Ostsee
Ölkatastrophe droht: Russische Schattenflotte tickt in Ostsee

Russische Schattenflotte: Ölkatastrophe in der Ostsee droht unmittelbar

Seit über einem Jahr liegt der 270 Meter lange Öltanker „Eventin“ mit 100.000 Tonnen Öl an Bord vor der Küste Rügens fest. Das Schiff der russischen Schattenflotte war Anfang 2025 in Sichtweite der beliebten Urlaubsinsel havariert, nachdem alle Systeme auf der Fahrt von Russland nach Indien ausgefallen waren. Stundenlang trieb der manövrierunfähige Koloss in der Ostsee, bevor Rettungsteams Schleppverbindungen herstellen konnten. Ein juristisches Tauziehen hält das Schiff nun vor Rügen gefangen.

Greenpeace-Studie zeigt verheerende Szenarien für die gesamte Ostsee

Eine datenbankgestützte Simulationsstudie des Helmholtz-Zentrums Hereon im Auftrag von Greenpeace enthüllt das alarmierende Ausmaß der Bedrohung. Die Untersuchung simuliert Ölunfälle an acht verschiedenen Positionen entlang der Tankerroute vom russischen Ölhafen Primorsk bis zum dänischen Skagen. Dabei wurde berechnet, wie sich 48.000 Tonnen Öl der Sorte „Ural Crude“ über 30 Tage ausbreiten würden.

Die Ergebnisse sind erschütternd:

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram
  • Von Finnland über Schweden und Deutschland bis nach Dänemark wären Meeres- und Küstenschutzgebiete betroffen
  • Diese Gebiete sind entscheidend für das Überleben von Seevögeln, Meeressäugern und als Kinderstube vieler Fischbestände
  • Die beliebtesten Urlaubsgebiete an der Ostsee wären auf Jahre schwer belastet

„Straftat nach internationalem Seerecht“ – Greenpeace warnt vor Folgen

„Das Letzte, was die ohnehin schwer bedrohte Ostsee braucht, ist eine Ölpest. Die Simulationen zeigen, wie dadurch das Ökosystem für Jahrzehnte belastet wird“, betont Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. Besonders problematisch: Im Falle einer Ölpest würden deutsche Steuerzahler auf den Kosten sitzen bleiben. Sogenannte Geistertanker führen ohne Flaggenzugehörigkeit, wodurch jegliche Versicherung erlischt. Einige Tanker seien zudem ohne gültige Nummer der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation unterwegs – was illegal sei und eine Straftat nach internationalem Seerecht darstelle.

Politische Forderungen: Deutschland muss endlich handeln

Claudia Müller, Grüne-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2026 in Mecklenburg-Vorpommern, fordert entschlossenes Handeln: „Diese Studie zeigt, wie verheerend ein Tankerunfall für die Ostsee wäre. Deshalb muss Deutschland endlich konsequent handeln. Schiffe der Schattenflotte, die nicht korrekt beflaggt sind oder keine gültige IMO-Nummer haben, dürfen in unseren Gewässern nicht einfach weiterfahren.“

Die Bundestagsabgeordnete warnt: „Wer sich der eindeutigen Identifizierung entzieht, entzieht sich auch wirksamer Kontrolle, Haftung und Versicherungsschutz. Diese Tanker sind besonders gefährlich, ihr Zustand besonders schlecht. Diese Schiffe müssen kontrolliert und, wenn zentrale Angaben fehlen oder gefälscht sind, festgesetzt werden.“

Über 190 Schattenflotten-Tanker unterwegs – Russland umgeht Sanktionen

Allein auf einer Greenpeace-Liste von Ende 2024 stehen über 190 Schattenflotten-Tanker. 171 davon fuhren nach Recherchen der Umweltorganisation in den vergangenen Jahren einmal oder öfter durch die deutsche Ostsee und das Seegebiet der Schifffahrtsroute Kadetrinne in der Mecklenburger Bucht. Hinter der Schattenflotte steht Russlands Versuch, den von westlichen Unterstützern der Ukraine eingeführten Preisdeckel für russisches Öl zu umgehen.

Die oftmals veralteten und unterversicherten Schiffe stellen damit nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche und politische Herausforderung dar, die dringend einer Lösung bedarf, bevor es zu spät ist.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration