Spritpreis-Kontrolle in Rostock: Neue Regeln, aber Preisschraube dreht sich weiter
Rostock: Neue Spritpreis-Regeln, aber Preise steigen weiter

Spritpreis-Kontrolle in der Ostsee-Metropole: Vor 12 Uhr schossen die Beträge in die Höhe

Die teuren Spritpreise sollen mit neuen Regeln bekämpft werden. Am Mittwochmorgen, dem 1. April 2026, waren die Preise in Rostock zunächst noch unten, dann ging es rauf. Ein Erlebnisbericht aus der Hansestadt zeigt, wie die neue Gesetzgebung in der Praxis wirkt.

Neue Regeln, aber hohe Spritpreise bleiben

Es ist Mittwochmorgen, 1. April, gegen 9.45 Uhr in Rostock. Der Berufsverkehr ist durch, dennoch rollt der Verkehr über die Straße Richtung A19. Auch ich bin auf dem Weg in Richtung Hohe Düne, wo aktuell an einem neuen Parkhaus gebaut wird. Ein Blick auf die Preissäule auf dem Weg – denn hier gelten neue Regeln.

Wie in den vergangenen Wochen liegen die Spritpreise auch an diesem Mittwoch, wie sicherlich an fast allen Tankstellen, über zwei Euro. Doch mit dem 1. April verändert sich die Preisgestaltung an den Zapfsäulen grundlegend. Mineralölkonzerne dürfen nur noch einmal am Tag die Spritpreise nach oben schrauben, und zwar genau um 12 Uhr. Preissenkungen sind hingegen jederzeit möglich.

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Die Bundesregierung hat sich diese Regelung aus Österreich abgeguckt, ob sie am Ende wirklich zu Preissenkungen führt, ist jedoch umstritten. Innerhalb weniger Tage war das Gesetz durch den Bundestag und den Bundesrat gepeitscht worden. Seit 1. April gilt es nun – und das ist kein Aprilscherz.

Ein erster Blick auf die Preisanzeige

Um 9.46 Uhr scheint mir die Preistafel des Grauens, wie ich sie immer wieder nenne, leuchtend rot entgegen. Super (E5) liegt bei 2,219 Euro pro Liter, bei Diesel sind es 2,309 Euro und E10 gibt es für 2,159 Euro. Noch vor wenigen Wochen, kurz nach dem Beginn des Irankriegs, hatte ich vollgetankt – da waren es noch 1,799 Euro für den Liter Super E5.

Gelegentlich musste ich in den vergangenen Wochen im Land tanken, und manchmal unterhalte ich mich dann mit den Menschen hinter dem Tresen. Zuletzt wurde mir erzählt, dass manche Kunden aggressiver geworden seien. Einige denken, dass die Verkäufer selbst ein Rädchen für die Preise unter dem Tisch hätten. Doch die Preise für Benzin, Diesel und Super kommen direkt aus den Konzernzentralen.

Die Mitarbeiter vor Ort können gar nichts dafür, wie auch nicht für die Kriege, die alles so teuer machen, erzählen sie. Keine zwei Minuten später sinkt der Preis – auch das gibt es noch: Nun sind Diesel und Super immerhin wieder ein Cent günstiger.

Dann ist es 12 Uhr: Preiszeit!

Ich fahre weiter. Etwa zwei Stunden später bin ich zurück. Ein erster prüfender Blick um 11.54 Uhr auf die Preisanzeige zeigt: Super (E5) kostet jetzt 2,189 Euro, Diesel 2,299 Euro und E10 jetzt 2,129 Euro. Andere Tankstellenpreise sind mir unterwegs nicht aufgefallen.

Dann geht die Preisschrauberei los, und es sind noch fünf Minuten bis Mittag. Um 11.59 Uhr stehen die Preise offenbar fest: Acht Cent sind es wieder einmal mehr. Super (E5) klettert auf 2,269 Euro. Diesel kostet jetzt 2,379 Euro und für E10 müssen 2,209 Euro herausgerückt werden. Kurz zuvor war noch einiges an Betrieb an den Zapfsäulen – jetzt leert es sich spürbar.

Gespräch mit Rentner Roberto R.

Mit Rentner Roberto R. (69) komme ich abseits der Tankstelle länger ins Gespräch. Von der neuen Regelung ist er selbst nicht begeistert. „Wann hatten wir das letzte Mal 2,26 Euro?“ Das sei jetzt fast das Höchste, beklagt er.

Und er schiebt hinterher: „Warum können die Polen das besser? Und nicht wir. Deutschland war früher immer ein Vorzeigeland. Aber an diesem Punkt haben wir unsere deutschen Unternehmen hier, da wird erst einmal Kohle eingesammelt.“ Im Nachbarland Polen wurden die Steuern rund um den Sprit zuletzt massiv gesenkt, was zu niedrigeren Preisen führt.

„Ich meine, wenn wirklich der Krieg daran schuld sein sollte und trotzdem unsere Tanks überfüllt sind oder voll sind, also man könnte das auch auf 2,06 Euro heruntersetzen“, sagt er weiter. „Wir werden wahrscheinlich nie wieder 1,69 Euro kriegen.“

Es ist 12.39 Uhr, als ich weiterfahre. Die Spritpreise sind da noch nicht gesunken. Die einzige gute Nachricht an diesem Tag: Sie können nicht mehr steigen, nur noch sinken – zumindest bis zum nächsten Mittag.

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