Eisiges Naturschauspiel auf Usedom fasziniert tausende Besucher
Die Ostseeinsel Usedom befindet sich noch immer im festen Griff des Winters – ein faszinierendes Naturspektakel, das tausende Einheimische und Urlauber anzieht. Am gesamten Strandabschnitt der Insel türmen sich meterhohe Eisberge auf, aus denen kreative Besucher sogar Iglus errichten. Dieses außergewöhnliche Winterwunder verwandelt die Küstenlandschaft in eine surreal anmutende Eiswelt, die ihresgleichen sucht.
Bis zu 50 Zentimeter dicke Eisschicht auf der Ostsee
Von den bekannten Kaiserbädern Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin bis hin zu den zahlreichen kleineren Ostseebädern erstreckt sich das eisige Phänomen über die gesamte Insel. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) bestätigt für den Bodden vor Usedom eine beeindruckende Eisdecke von 30 bis 50 Zentimetern Stärke. Diese massive Vereisung hat sogar die Schifffahrt zum Erliegen gebracht und drei junge Naturschützer auf der Forschungsinsel Greifswalder Oie wochenlang festgesetzt.
Die Besucherströme sind enorm: „Bei einem Blick auf den Strand sieht man viele interessierte Gäste und Einheimische, die sich dieses Schauspiel ansehen“, berichtet eine Sprecherin der Kaiserbäder. Man gehe davon aus, dass zahlreiche Menschen extra angereist seien, um dieses Naturspektakel nicht zu verpassen. Diese Entwicklung setzt einen Trend fort, denn bereits in den vergangenen Jahren verzeichnete Usedom steigende Tourismuszahlen im Februar.
Riskante Ausflüge trotz offizieller Verbote
Während alle Seebrücken auf Usedom mittlerweile wieder geöffnet sind – lediglich während des Eisregens waren sie aus Sicherheitsgründen gesperrt –, herrscht am Greifswalder Bodden in Lubmin striktes Betretungsverbot. Die Gemeinde hat sogar Zäune und Warnschilder aufgestellt, um Menschen vom Betreten der gefährlichen Eisflächen abzuhalten. Doch viele Besucher ignorieren diese Vorsichtsmaßnahmen.
Frederick, ein Urlauber aus Rostock, der seine Oma an der vorpommerschen Ostseeküste besucht, ist bis auf die halbe Höhe der Seebrücke auf das Eis hinausgelaufen. „Bis dahin war das Eis auch relativ dick. Ich glaube nicht, dass wir eingebrochen wären, auch wenn wir etwas mehr wiegen würden“, erklärt der Wagemutige. Er ist bei Weitem nicht der Einzige, der die Gefahr unterschätzt.
Kinder erobern die Eislandschaft spielerisch
Familie Kühr aus Süddeutschland hat sich in Koserow ebenfalls weit aufs Eis hinaus gewagt und ist bis an das Ende der Seebrücke gelangt, wo sich die Eisberge aus zusammengeschobenen Eisschollen teilweise bis zu fünf Meter hoch auftürmen. „Das ist einfach ein einmaliges Erlebnis“, schwärmt die Mutter. Ihre beiden Kinder haben sichtlich Spaß daran, in Schneeanzügen kleinere Eishügel von zwei bis drei Metern Höhe hinunterzurutschen.
In Zempin erreichen die Eisformationen ihre spektakulärste Ausprägung. Aus etwa 20 Zentimeter dicken Eisschollen, die dort an den Strand gespült wurden, haben findige Besucher mittlerweile sogar Iglus errichtet, die die Massen begeistern. Die einheimische Rentnerin Ursula K. kann sich eigenen Angaben nach kaum noch an das letzte Mal erinnern, als die Ostsee derart stark gefroren war.
Das Ende des Eiszaubers könnte nahen
„Es ist einfach traumhaft schön. Und wenn die Menschen dann hierherkommen, Spaß haben und sogar Iglus bauen, dann freut mich das richtig“, erzählt die begeisterte Usedomerin. Sie wünscht sich, dass das Eis noch eine ganze Weile lang bleiben werde. Doch dieser Wunsch könnte angesichts der aktuellen Wettervorhersagen unerfüllt bleiben.
Für die kommenden Wochen sind frühlingshafte Temperaturen von bis zu 11 Grad Celsius angesagt. Und so schnell, wie das Eis gekommen ist, so schnell könnte die wunderschöne Eislandschaft auch wieder verschwinden. Das faszinierende Wintermärchen auf Usedom steht somit möglicherweise vor seinem abrupten Ende, während die Erinnerungen an meterhohe Eisberge, spielende Kinder auf Eishügeln und kunstvolle Iglus noch lange nachhallen werden.



