Rettungskräfte im Dauereinsatz: Wassermassen fluten Vorpommern nach Schneeschmelze und Regen
Eine gefährliche Wetterkombination aus einsetzender Schneeschmelze, anhaltenden Regenfällen und einem tiefgefrorenen Boden hat in der Region Vorpommern zu massiven Überschwemmungen geführt. Von Donnerstagabend bis weit in den Freitag hinein waren Rettungskräfte im Dauereinsatz, um Straßen, Häuser und kritische Infrastruktur wie Stromverteiler vor den Fluten zu schützen. Insgesamt verzeichnete der Landkreis Vorpommern-Greifswald 61 wetterbedingte Einsätze, die sämtliche Feuerwehren des Peenetal-Amtsbereiches sowie das Technische Hilfswerk (THW) forderten.
Kommunen im Peenetal stark betroffen
Amtswehrführer Marko Post berichtete, dass alle Kommunen im Bereich Peenetal/Loitz von den Überschwemmungen betroffen waren. In Düvier beispielsweise musste die Löschtruppe der Peenestadt einen Stromverteilerkasten mit Pumpen und Sandsäcken vor dem Abtauchen bewahren. Zudem wurde die Straße nach Zarnekla durch Überspülung unpassierbar, was mit Unterstützung der Feuerwehr aus Kandelin gemeistert werden konnte. In Kartlow verwandelte sich zeitweise ein Spielplatz in einen großen See, der auf benachbarte Wohngrundstücke überzuschwappen drohte.
THW-Einsätze in Passow und Zemmin
Besonders kritisch gestaltete sich die Lage am Passower Ortsausgang in Richtung Görmin, wo das Wasser im Chausseegraben so schnell anstieg, dass es benachbarte Eigenheime bedrohte. Nach anfänglicher Hilfe durch die Feuerwehr aus Sassen musste das THW aus Greifswald mit höherer Pumpleistung anrücken, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Erst am Freitagvormittag konnte hier Entwarnung gegeben werden. Parallel dazu agierten THW-Kollegen aus Demmin im Bentziner Ortsteil Zemmin, wo ein Stromverteilerkasten auf einer überfluteten Pferdekoppel zu versinken drohte. Der regionale Energieversorger konnte die Technik rechtzeitig abschalten, doch das THW und die Feuerwehr Tutow benötigten bis tief in die Nacht, um mit drei Pumpen und über 6000 Liter Förderleistung das Wasser in einen Dorfteich abzupumpen.
Überschwemmungen in Kruckow und Kartlow
Die Gemeindefeuerwehr Kruckow-Schmarsow war intensiv mit zwei Überschwemmungen in Kartlow beschäftigt. Eine davon ereignete sich nahe dem Spielplatz, wo Schmelz- und Regenwasser vom Acker zum Spielplatz und weiter zu einem Wohngrundstück floss. Die andere Überschwemmung trat an einer Kreisstraßenkurve auf, wo sich das Wasser vor einem Durchlass staute und in einen Heizungskeller vordrang. Wehrführer Ricardo Kobernuhs schilderte die Situation als „echt bedrohlich“, da das Wasser bis zu 60 Zentimeter hoch an Öltanks stand und kontinuierlich nachlief. Während dieser Einsatz bewältigt wurde, ging gegen 20 Uhr ein weiterer Alarm aus Kruckow ein, wo Oberflächenwasser von einem Acker auf ein Wohngrundstück drückte und den Keller bis zur Oberkante flutete, wodurch die Heizungsanlage beschädigt wurde.
Regionale Zusammenarbeit und Herausforderungen
Die Rettungskräfte zeigten beeindruckende regionale Zusammenarbeit: So halfen die Völschower Brandbekämpfer im benachbarten Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Bartow Pfalz, wo eine Ortstrafostation von Fluten umzingelt war. Nach sechsstündigem Einsatz übergaben sie das Feld an das THW aus Wolgast. Insgesamt verdeutlichten die Ereignisse die Herausforderungen durch den gefrorenen Boden, der das Versickern von Regen- und Schmelzwasser verhinderte und so zu schnellen Stauungen führte. Trotz des Einsatzes von Pumpen und Dämmen drückte das Wasser oft nach, was die Arbeiten der Feuerwehrleute und THW-Helfer verlängerte und ihre Ausdauer auf die Probe stellte.



