Windräder im Wald gestrichen: Bürgerinitiative bleibt skeptisch trotz Planänderung
Windräder im Wald gestrichen - Bürgerinitiative skeptisch

Windvorranggebiet im Wald gestrichen: Planänderung in der Prignitz

Die umstrittenen Windräder im Waldgebiet bei Seetz, Mankmuß und Boberow in der Gemeinde Karstädt scheinen vorerst nicht mehr geplant zu sein. Die Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel hat das entsprechende Windvorranggebiet aus dem Entwurf des Regionalplanes Windenergienutzung 2024 gestrichen. Dieses Gebiet umfasste ursprünglich 245 Hektar, wovon der Großteil Waldfläche war. Trotz dieser bedeutenden Planänderung zeigt sich die örtliche Bürgerinitiative Gegenwind weiterhin skeptisch und wachsam.

Bürgerinitiative begrüßt Streichung, warnt vor Hintertüren

Sandra Kluge, Sprecherin der Bürgerinitiative Gegenwind, äußerte sich gegenüber unserer Redaktion: „Wir begrüßen ausdrücklich, dass das Vorranggebiet Seetz-Mankmuß aus dem Regionalplanentwurf gestrichen wurde. Dies zeigt deutlich: Wenn Fachbehörden wie das Landesamt für Umwelt erhebliche naturschutzfachliche Konflikte identifizieren, muss die Planung korrigiert werden.“ Gleichzeitig betonte sie, dass mit dieser Streichung nicht automatisch alle Probleme gelöst seien.

Die Bürgerinitiative kritisiert zwei wesentliche Punkte: Erstens können Windenergievorhaben je nach Konstellation weiterhin außerhalb der im Regionalplan vorgesehenen Gebiete vorangetrieben werden, beispielsweise durch sogenanntes Repowering bestehender Anlagen. Zweitens haben Kommunen durch Flächennutzungs- und Bebauungspläne die Möglichkeit, selbst festzulegen, wo Windenergiegebiete planungsrechtlich abgesichert werden sollen.

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Kommunale Planung als mögliche „Zusatzspur“

„Genau hier liegt unser zentraler Kritikpunkt“, so Sandra Kluge weiter. „Die Regionalplanung soll die Windenergie räumlich steuern, Konflikte minimieren und einen ‚Wildwuchs‘ verhindern. Wenn jedoch parallel über kommunale Planungen zusätzliche Flächen ausgewiesen werden, wird diese wichtige Steuerungswirkung in der Praxis erheblich abgeschwächt.“ Besonders problematisch sei, dass seit 2024 durch Änderungen im Baugesetzbuch zusätzliche kommunale Spielräume existieren, die eine Ausweisung von Windenergiegebieten erleichtern könnten.

Die Bürgerinitiative fordert daher eine transparente Darstellung der tatsächlichen Vorbelastung durch bestehende Windanlagen und deren faire Berücksichtigung in allen Planungsverfahren. Die kommunale Bauleitplanung darf nicht als ‚Zusatzspur‘ genutzt werden, um Windparks außerhalb der regional vorgesehenen Kulisse durchzusetzen, betonen die Aktivisten.

Transparenz und Beteiligung bleiben entscheidend

„Wir schauen nicht nur auf die Kartenfarben im Regionalplan, sondern vor allem darauf, was danach in den Gemeinden konkret passiert“, erklärte Sandra Kluge. „Welche Bauleitplanverfahren werden initiiert? Welche zusätzlichen Flächen werden vorgeschlagen? Wird die Vorbelastung ehrlich in die Abwägungen einbezogen?“ Eine erneute, wenn auch eingeschränkte, Beteiligung zu den Streichungen sei angekündigt worden – daher bleibe transparente Bürgerbeteiligung von entscheidender Bedeutung für die Akzeptanz und Legitimität der Planungsprozesse.

Die Entwicklung in der Prignitz zeigt exemplarisch die komplexen Abwägungen zwischen Klimaschutzzielen, Naturschutzbelangen und lokalen Interessen. Während die Streichung des Waldgebiets aus dem Regionalplan einen Erfolg für Naturschützer und Anwohner darstellt, bleiben die langfristigen Auswirkungen auf die Windenergieausbau in der Region ungewiss.

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