Historische Wassertechnik in Bad Doberan: Zisterzienser-Wallbach meistert Schmelzwasser
Während Schmelzwassermassen in vielen Regionen Deutschlands am vergangenen Wochenende für zahlreiche Einsätze von Feuerwehren und dem Technischen Hilfswerk sorgten, offenbart sich in Bad Doberan ein faszinierendes historisches Phänomen. An der Backhausmühle des ehemaligen Zisterzienserklosters Doberan zeigt sich eindrucksvoll, wie klug die mittelalterlichen Mönche ihre Wassertechnik einrichteten.
Schmelzwasser macht historische Nutzung sichtbar
„Jetzt, wo der Stülower Bach voller Schmelzwasser ist, bekommt man mal ein Gefühl für das, was die Zisterzienser auf den 800 Metern vor der Wassermühle mit ihm taten“, erklärt Martin Dostal, Journalist und Betreiber der Website „Erstes Seebad – Sommerfrische seit 1793“. Die aktuellen Wassermassen machen die historische Funktionsweise der sogenannten Wallbach-Anlage besonders deutlich sichtbar.
Die Zisterzienser fassten den Bach nämlich in einen künstlichen Wall ein – daher auch der Name „Wallbach“. Diese Konstruktion ermöglichte es ihnen, das Wasser je nach Bedarf aufzustauen und so das Mühlenrad präzise zu regulieren. Interessanterweise ist diese historische Technik heute wieder voll funktionsfähig, wenn auch primär zu musealen Zwecken.
Mönche als Meister der Wasserwege
„Die Zisterzienser haben sich oft Niederungen für ihre Klöster gesucht“, erläutert Klostervereinsmitglied Sabine Krahn-Schulze. „Das waren oft Orte, an denen Wasser die Klöster durchspülen konnte.“ Die Mönche entwickelten sich zu wahren Experten der Wasserführung, deren Systeme mehrere Funktionen erfüllten.
Der künstlich angelegte Flusslauf diente nicht nur der Energiegewinnung für die Mühle, sondern auch der Frischwasserversorgung und der Hygiene innerhalb des Klosterkomplexes. „Das Wasser ist das eine gewesen, die Mühle das andere. Es ist ein Stück gelebte Geschichte“, betont Krahn-Schulze die Bedeutung dieser historischen Anlage.
Backhausmühle: Von regionaler Bedeutung zur musealen Attraktion
Die Backhausmühle des ehemaligen Zisterzienserklosters Doberan war als Wirtschaftshaus des Klosters von überregionaler Bedeutung. Sie beherbergte Speicher, Brauerei, Bäckerei und Mühle unter einem Dach und wurde etwa im Jahr 1280 errichtet. Nach einem teilweisen Brand im Jahr 1979 erfolgte 2016 eine umfassende Wiederherstellung am historischen Standort.
Mit Fördermitteln von Bund und Land richtete die Stadt Bad Doberan die Mühle neu ein, wobei besonderer Wert auf die originalgetreue Wiederherstellung der Wassertechnik gelegt wurde. Heute zeigt die Anlage nicht nur die handwerkliche Meisterschaft der Zisterzienser, sondern auch, wie nachhaltige Wasserführung bereits im Mittelalter praktiziert wurde.
Während moderne Hochwasserschutzsysteme oft mit technischem Aufwand verbunden sind, demonstriert die Wallbach-Anlage in Bad Doberan, dass kluge Planung und natürliche Prinzipien bereits vor Jahrhunderten effektive Lösungen ermöglichten – eine Erkenntnis, die in Zeiten des Klimawandels und zunehmender Wetterextreme besondere Relevanz besitzt.



