Boizenburg startet Jahrhundertprojekt gegen Elbe-Hochwasser
In Boizenburg haben die umfangreichen Vorarbeiten für eines der größten Bauvorhaben Mecklenburg-Vorpommerns begonnen. Die Verlegung des Elbdeiches und der Bau eines neuen Hochwassersperrwerks an der Sude sollen die Überschwemmungsgefahr für die Stadt und ihre Ortsteile deutlich reduzieren. Bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung stellten das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt sowie das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe die Details des ambitionierten Projekts vor.
Hochwasser der Vergangenheit als Weckruf
Die wiederkehrenden Hochwasserereignisse der letzten 25 Jahre haben eindringlich gezeigt, dass die bisherigen Schutzmaßnahmen nicht mehr ausreichen, um Boizenburg und seine Bewohner wirksam vor den Fluten der Elbe zu schützen. „In Mecklenburg-Vorpommern sind in 25 Gemeinden 34 Ortschaften mit etwa 15.000 Einwohnern vom Hochwasser bedroht“, verdeutlicht der Landkreis Ludwigslust-Parchim die dramatische Gefahrenlage entlang des Flusses. Das neue Großprojekt soll diese Bedrohung nachhaltig minimieren.
Innovative Schutzmaßnahmen: Polderfläche und Sperrwerk
Kern des Projekts ist die Schaffung einer deutlich vergrößerten Polderfläche durch die Verlegung des bestehenden Deiches. Diese Fläche kann im Ernstfall enorme Wassermassen aufnehmen und so verhindern, dass der Pegelstand im Boizenburger Hafen gefährliche Höhen erreicht. Parallel entsteht an der Sude ein hochmodernes Hochwassersperrwerk mit doppelten Sperreinheiten, das selbst beim Ausfall einer Einheit voll funktionsfähig bleibt. Das Sperrwerk soll den Rückstau in die Nebenflüsse präzise steuern und unkontrollierte Überflutungen verhindern.
Sechs Bauphasen bis 2029
Die Arbeiten gliedern sich in insgesamt sechs sorgfältig geplante Bauphasen, die voraussichtlich bis Oktober 2029 andauern werden. Die erste echte Bauphase startet am 1. April 2026 und umfasst zunächst den Bau des Boizenburger Altstadtdeiches zwischen rechtem Sudedeich und Altendorfer Weg sowie die Vorbereitung des Baufeldes für die nördliche Deichtrasse. Zeitgleich beginnen die Arbeiten am neuen Sperrwerk, die sich über vier Phasen erstrecken und im November 2027 abgeschlossen sein sollen.
Rücksicht auf Natur und Verkehr
Das Bauvorhaben unterliegt strengen naturschutzrechtlichen Auflagen. Außerhalb der festgelegten Bauzeitfenster dient das Gebiet zahlreichen Zugvögeln als wichtiges Rastgebiet – eine Tatsache, die bei der Planung besondere Berücksichtigung findet. Spezielle Amphibienzäune sollen verhindern, dass geschützte Tiere auf die Baustellen gelangen. Auch für Radfahrer gibt es Einschränkungen: Der beliebte Elberadweg muss während der Bauarbeiten zeitweise umgeleitet werden. Diese Umleitungen werden vor Ort ausgeschildert und in verschiedenen Internetportalen kommuniziert.
Weitere Bauetappen im Detail
- In der zweiten Phase werden Hafendeich erhöht und Schöpfwerk ertüchtigt
- Die dritte Phase sieht den Neubau des nördlichen Abschnitts am Altstadtdeich vor
- Phase vier umfasst den Abtrag des rechten Sudedeiches auf acht Meter und Anpassungen am Altstadtdeich
- In den Phasen fünf und sechs folgen der Abtrag des Hafendeiches, der Bau eines Durchlassbauwerks sowie die Errichtung von Überlaufschwellen und Gräben im neuen Polder
Mit diesem umfassenden Maßnahmenpaket schafft Boizenburg nicht nur verbesserten Schutz vor Hochwasser, sondern setzt auch ein Zeichen für nachhaltige und naturverträgliche Infrastrukturprojekte in der Region.



