Babyklappen in Sachsen-Anhalt: Nur 56 Neugeborene in 25 Jahren anonym abgegeben
Babyklappen in Sachsen-Anhalt: 56 Neugeborene in 25 Jahren

Babyklappen in Sachsen-Anhalt: Seltene Nutzung über 25 Jahre

In Sachsen-Anhalt werden ungewollte Schwangerschaften und schwierige Lebenslagen nur äußerst selten dazu genutzt, Neugeborene anonym in Babyklappen abzulegen. Seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 2001 wurden bis Ende 2025 lediglich 56 Kinder auf diesem Weg abgegeben. In einigen Jahren blieben die Babyklappen sogar komplett ungenutzt, wie das Landesverwaltungsamt in Halle mitteilte.

Statistische Entwicklung und aktuelle Zahlen

Im Jahr 2024 und 2025 wurden jeweils drei Neugeborene in Babyklappen abgelegt. Der bisher höchste Wert wurde mit acht Säuglingen im Jahr 2010 registriert. Die Statistik basiert auf freiwilligen Angaben der Adoptionsvermittlungsstellen im Land und zeigt eine insgesamt geringe Nutzung dieser Nothilfeangebote.

Begrenztes Angebot mit zwei Standorten

Aktuell gibt es in Sachsen-Anhalt nur zwei Babyklappen in Magdeburg und Halle. In Dessau-Roßlau wurde das Angebot mittlerweile eingestellt. Babyklappen ermöglichen es Müttern, ihren Säugling unerkannt in ein spezielles Wärmebettchen mit Sensor hinter einer Stahlklappe zu legen. Deutschlandweit gibt es geschätzt zwischen 70 und 100 solcher Hilfsangebote, wobei eine zentrale Statistik aufgrund unterschiedlicher Träger nicht existiert.

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Alternative Wege: Anonyme und vertrauliche Geburten

Neben Babyklappen werden in Sachsen-Anhalt seit 2001 auch anonyme Geburten erfasst, bei denen die Schwangere dauerhaft unerkannt bleibt, weil keine personenbezogenen Daten gespeichert werden. Bislang wurden 88 anonyme Geburten registriert, allein im Jahr 2025 waren es vier. Diese finden oft außerhalb medizinischer Einrichtungen statt.

Eine weitere Möglichkeit ist die von einer Beratungsstelle begleitete vertrauliche Geburt. Sie ermöglicht es Schwangeren in Not, ihr Kind medizinisch sicher, aber ohne Offenlegung ihrer Identität zur Welt zu bringen. Seit 2015 wurde dieses Angebot 55 Mal genutzt, mit neun vertraulichen Geburten im Jahr 2025. Meist entbinden Frauen dabei unter einem Pseudonym in einem Kranken- oder Geburtshaus oder mit Hilfe einer Hebamme.

Adoption als Folge für die Kinder

Die vertrauliche Geburt soll anonyme Geburten außerhalb von medizinischen Einrichtungen vermeiden und die Gesundheit von Mutter und Kind schützen. In der Regel werden anonym oder vertraulich geborene Kinder sowie die Neugeborenen aus den Babyklappen in Adoptivfamilien vermittelt. Von den 16 Kindern, die im vergangenen Jahr vertraulich und anonym geboren oder in die Babyklappe gelegt worden sind, leben 15 in Adoptionspflege. Diese beginnt, sobald ein Adoptivkind in seine neue Familie aufgenommen wird, und dauert in der Regel ein Jahr.

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