Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt kritisieren AfD-Vorhaben scharf
Die Gedenkstätten für die Opfer von Nationalsozialismus und SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt haben deutliche Kritik am historischen Umgang der AfD mit der deutschen Vergangenheit geäußert. Nach Ansicht der Einrichtungen plant die Partei eine problematische Ehrung von Soldaten der Wehrmacht und Waffen-SS, die als Relativierung von NS-Verbrechen gewertet werden muss.
"Rehabilitierung durch die Hintertür" befürchtet
Kai Langer, der Direktor der Gedenkstättenstiftung Sachsen-Anhalt, warnt vor den Plänen der AfD. "Es handelt sich um eine Rehabilitierung durch die Hintertür", erklärt Langer im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung. Die Partei wolle die historische Aufarbeitung instrumentalisieren, um einen ungebrochenen Nationalstolz und Patriotismus zu erzeugen.
Langer betont, dass es der AfD um eine grundlegende "patriotische Wende" in der Kultur- und Bildungspolitik gehe. Diese ziele darauf ab, die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus aufzugeben und durch eine vereinfachende Heldenverehrung zu ersetzen. Besonders bedenklich sei dabei die geplante Ehrung von Angehörigen der Waffen-SS, die als verbrecherische Organisation eingestuft wurde.
Historischer Kontext: Die Feldscheune Isenschnibbe
Die Kritik der Gedenkstätten erhält besonderes Gewicht durch die historischen Orte, die sie betreuen. Ein Beispiel ist die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe bei Gardelegen. An diesem Ort wurden im April 1945 mehr als 1.000 Menschen von SS-Angehörigen und Wehrmachtssoldaten verbrannt und erschossen.
Die heutige Gedenkstätte erinnert an dieses Verbrechen und mahnt zur kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit. Vor diesem Hintergrund erscheinen Pläne zur pauschalen Ehrung von Wehrmachtsangehörigen besonders problematisch.
Reaktionen der AfD
Hans-Thomas Tillschneider, Landesvize der AfD in Sachsen-Anhalt, hat auf die Vorwürfe reagiert. Die Partei verteidigt ihre Pläne zur Soldatenehrung und bestreitet, damit NS-Verbrechen zu relativieren. Tillschneider betont das Recht auf eine differenzierte Betrachtung deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg.
Die Gedenkstättenstiftung hält dieser Position entgegen, dass eine unkritische Ehrung von Wehrmacht und Waffen-SS der historischen Wahrheit nicht gerecht werde. Langer verweist darauf, dass viele Verbrechen des NS-Regimes von Angehörigen dieser Organisationen begangen wurden.
Bedeutung für die Erinnerungskultur
Der Konflikt hat grundsätzliche Bedeutung für die deutsche Erinnerungskultur:
- Die Gedenkstätten befürchten eine Aufweichung der kritischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus
- Die AfD strebt nach eigenen Angaben eine "patriotischere" Geschichtsbetrachtung an
- Experten warnen vor einer Instrumentalisierung der Geschichte für politische Zwecke
Die Diskussion zeigt, wie sensibel der Umgang mit der NS-Vergangenheit in Deutschland bleibt und welche politischen Konflikte sich an der Erinnerungskultur entzünden können. Die Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt positionieren sich dabei klar als Hüter einer kritischen Geschichtsaufarbeitung.



