Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt: Kliniken fordern langfristigen Stabilitätsplan
Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt: Kliniken fordern Stabilitätsplan

Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt: Kliniken fordern langfristigen Stabilitätsplan

Die Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt steht vor erheblichen Herausforderungen. Krankenhäuser kämpfen mit einem akuten Fachkräftemangel, wirtschaftlichem Druck und einer älter werdenden Bevölkerung. Wenige Monate vor der Landtagswahl im September 2026 diskutieren Klinikvertreter und Politiker intensiv über notwendige Reformen, doch die Skepsis bleibt groß.

Verband fordert Zehnjahres-Stabilitätsplan

Der Verband der kommunalen und landeseigenen Krankenhäuser (VKLK) drängt auf einen umfassenden „Zehnjahres-Stabilitätsplan“. „Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass Einzelmaßnahmen nicht mehr genügen“, betonte Geschäftsführer Knut Förster bei einer Tagung in Magdeburg. Die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt werde im Durchschnitt immer älter, viele Gesundheitseinrichtungen stünden wirtschaftlich unter Druck, und teilweise fehle ihnen dringend benötigtes Fachpersonal.

Nach dem Willen des VKLK sollen bis zum Sommer 2026 Vorschläge für Reformen erarbeitet werden – unter Beteiligung von Krankenhäusern, Krankenkassen, Ärzten und den Landkreisen. Der Vorsitzende des Verbands, Lutz Heimann, forderte die künftige Landesregierung auf, „weit über die Legislaturperiode zu schauen“. Man dürfe nicht nur vier oder fünf Jahre planen, denn diese Reform benötige deutlich längere Zeit.

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Politische Initiativen vor der Landtagswahl

Parallel zum Vorstoß des VKLK treibt Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) eine Klinikreform voran. Noch vor der Landtagswahl soll mit einer Änderung des Krankenhausgesetzes die gesetzliche Grundlage geschaffen werden. Zentrale Instrumente sind neu definierte Leistungsgruppen für Behandlungen mit einheitlichen Vorgaben zu Ausstattung und Fachärzten.

Nur Kliniken, die diese Anforderungen erfüllen, können die Leistungsgruppe anbieten und mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Es geht dabei auch um Spezialisierungen bei komplizierten Eingriffen. Vertreter der schwarz-rot-gelben Koalition sind optimistisch, dass diese Änderungen noch vor der Wahl am 6. September 2026 umgesetzt werden können.

Verschiedene politische Positionen

  • CDU: Der gesundheitspolitische Sprecher Tobias Krull betonte, die Kliniken bräuchten dringend Planungssicherheit. „Die Zeit drängt“, sagte er bei der Tagung des VKLK.
  • SPD: Fraktionsvorsitzende Katja Pähle zeigte sich zuversichtlich, dass die Reform bis September gelingt. Man brauche jeden bisherigen Standort, aber das Leistungsspektrum werde sich ändern.
  • FDP: Konstantin Pott forderte einen stärkeren Fokus auf Qualitätsverbesserungen in den Kliniken.
  • Grüne: Landeschefin Susan Sziborra-Seidlitz plädierte für Spezialisierungen, verwies aber auch darauf, dass mehr Leistungen ambulant erbracht werden könnten.
  • AfD: Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sprach sich für eine Rekommunalisierung von Kliniken aus. „Man dürfe Gesundheit nicht als Ware sehen“, sagte er und wünschte sich mehr Standorte für die Grund- und Notfallversorgung.

Kommunikation als Schlüsselfaktor

Der Parlamentarische Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Tino Sorge (CDU), plädierte für mehr Ehrlichkeit bei den Veränderungsprozessen. „Wir müssen besser kommunizieren“, sagte Sorge und betonte, dass man den Menschen die notwendigen Reformen verständlich erklären müsse. An vielen Stellen werde es im ersten Moment nicht schön sein, aber es gehe um strukturelle Systemveränderungen, die mittelfristig dazu führten, dass das System nachhaltig finanzierbar bleibe.

Skepsis und Enttäuschung bei Klinikvertretern

Die Klinikvertreter zeigten sich von den politischen Ausführungen teilweise enttäuscht. VKLK-Vorsitzender Lutz Heimann kritisierte, man rede seit Jahren über die bestehenden Probleme. Er sei erschüttert von Sorges Aussage, dass zunächst nichts besser werde. „Wie lange ist denn erst mal?“, fragte Heimann. „Wann wird es denn besser? Wann gibt es denn endlich die große Reform, die wir alle so herbeisehnen, die wir auch brauchen?“

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Derzeit gibt es in Sachsen-Anhalt 44 Krankenhäuser an 53 Standorten. Die kommunalen und landeseigenen Kliniken versorgen nach eigenen Angaben über die Hälfte der Patientinnen und Patienten im Bundesland. Die Debatte über die Zukunft der Gesundheitsversorgung bleibt damit hochaktuell und wird die politische Agenda in den kommenden Monaten maßgeblich prägen.