Hundesteuer in Sachsen-Anhalt: Rekordeinnahmen decken Reinigungskosten nicht
Hundesteuer deckt Reinigungskosten in Sachsen-Anhalt nicht

Hundeboom bringt Millionen, aber Kosten bleiben ungedeckt

Ein regelrechter Hundeboom sorgt in Sachsen-Anhalt für steigende Steuereinnahmen in den Kommunen, doch diese reichen bei weitem nicht aus, um die entstehenden Kosten zu decken. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Landesamtes nahmen die Städte und Gemeinden im Jahr 2024 insgesamt 12,8 Millionen Euro an Hundesteuer ein – ein Plus von 400.000 Euro gegenüber dem Vorjahr und mehr als das Doppelte im Vergleich zu 2017.

Steigende Zahlen bei Vierbeinern und Steuersätzen

Grund für die wachsenden Einnahmen sind nicht nur erhöhte Steuersätze in vielen Kommunen, sondern vor allem die enorme Beliebtheit von Hunden. Das Landesverwaltungsamt verzeichnet mittlerweile über 180.000 registrierte Vierbeiner im Land, was einer Verdopplung innerhalb von nur neun Jahren entspricht. Die konkreten Steuerbeträge werden dabei von den lokalen Verwaltungen festgelegt und variieren erheblich.

Bernward Küper, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt, betont jedoch: „Eine lukrative Geldquelle sind die Hunde nicht.“ Die Tiere verursachten erhebliche Kosten, die durch die Steuereinnahmen bei weitem nicht gedeckt würden. „Nicht jeder Halter macht den Kot weg“, so Küper, was insbesondere in städtischen Parks zu Problemen führe.

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Extreme Unterschiede bei Steuerbeträgen

Die Bandbreite der Hundesteuer in Sachsen-Anhalt ist bemerkenswert. Während die Stadt Halle (Saale) den Betrag für den ersten Hund auf 120 Euro angehoben hat und im vergangenen Jahr etwa 1,1 Millionen Euro einnahm, müssen Halter in Bernburg (Salzlandkreis) nur 60 Euro pro Jahr und Hund zahlen. In Weißenfels (Burgenlandkreis) wurden die Sätze von 60 auf 96 Euro erhöht, was der Stadtkasse knapp 200.000 Euro brachte.

Ein besonderes Beispiel ist die 2.300-Einwohner-Stadt Schwanebeck im Harz, wo lediglich 24 Euro fällig werden. Bürgermeister Max Könnecke (parteilos) erklärt: „Mit dem moderaten Steuersatz setzt die Stadt ein klares Signal für eine hundefreundliche Politik.“ Dabei nehme man bewusst in Kauf, dass die Einnahmen die entstehenden Kosten nicht decken.

Hoher Aufwand für Kotbeseitigung und Infrastruktur

Die steigende Zahl der Vierbeiner bedeutet für die Kommunen erheblichen Mehraufwand. „Da will man sich ins Grüne setzen und tritt plötzlich in einen Hundehaufen“, beschreibt Küper das Problem. Regelmäßig müssen Mitarbeiter der Bauhöfe ausrücken, um die Hinterlassenschaften zu entfernen.

Vor allem größere Städte investieren zudem in eingezäunte Spielwiesen für Hunde, um Konflikte zwischen Tieren und spielenden Kindern in Parks und an Spielplätzen zu vermeiden. Diese Maßnahmen verschlingen erhebliche Mittel, die durch die Hundesteuer nicht kompensiert werden können. „Geld können sie damit nicht machen“, stellt Küper klar.

Hundesteuer als „Luxussteuer“ zur Regulierung

Eigentlich ist die Hundesteuer laut Küper als „Luxussteuer“ konzipiert, die es den Städten ermöglichen soll, durch finanziellen Druck die Zahl der Haustiere in Wohngebieten einzudämmen. In Städten wie Halle und Weißenfels, wo relativ hohe Steuersätze gelten, scheint dieses Konzept zu wirken – hier stagnierte die Zahl der gemeldeten Hunde zuletzt entgegen dem Landestrend.

Allerdings bleibt die Frage, ob alle Hundebesitzer ihrer Steuerpflicht tatsächlich nachkommen. Wer einen Hund nicht anmeldet, riskiert zwar ein Bußgeld, doch die Kontrolle der Halter ist aufwendig und erfordert persönliche Ansprachen durch das Ordnungsamt in Parks. Küper geht von einer hohen Dunkelziffer ungemeldeter Vierbeiner aus: „Ob man als Stadt behaupten kann, man kennt seine Hunde, wage ich zu bezweifeln.“

Für das vergangene Jahr werden nochmals höhere Einnahmen aus der Hundesteuer erwartet, doch endgültige Zahlen liegen noch nicht vor. Klar ist jedoch: Trotz der Millionenbeträge in den Stadtkassen bleiben die Kommunen mit den realen Kosten der Hundehaltung allein.

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