Wehrpflicht-Debatte: Bundeswehr verzeichnet mehr Bewerbungen in Sachsen-Anhalt und Nachbarregionen
Junge Erwachsene aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen reisen derzeit nach Berlin, um sich für den freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr mustern zu lassen. Dies geschieht, während die Diskussion über eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland weiter an Fahrt gewinnt.
Musterungszentren in Planung: Bundeswehr baut Kapazitäten aus
Eine Sprecherin der Bundeswehr erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass perspektivisch 24 Musterungszentren und acht große Karrierecenter mit Assessment zur Verfügung stehen sollen. „Unser Ziel ist es, neue, moderne Strukturen aufzubauen“, betonte sie. Bis diese geplanten Zentren realisiert sind, finden die Untersuchungen jedoch weiterhin in Berlin statt. Die erforderlichen Kapazitäten für eine verpflichtende Musterung sollen sukzessive aufgebaut werden und nach aktueller Planung Mitte 2027 in der benötigten Anzahl bereitstehen. Wo genau diese Anlaufpunkte entstehen werden, ist derzeit noch Teil interner Entscheidungs- und Planungsprozesse.
Anstieg der Bewerbungen: Positive Trends durch Fragebögen
Die Bundeswehr verzeichnet zu Beginn dieses Jahres einen positiven Trend bei den Bewerbungen für den freiwilligen Wehrdienst in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Einen endgültigen Überblick über den Effekt des Versendens von Fragebögen hat die Bundeswehr zwar noch nicht, doch die Zahlen werden quartalsweise erhoben und zeigen bereits eine Steigerung. In Sachsen-Anhalt gingen Ende Januar 140 Bewerbungen ein, im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt etwa 100. In Sachsen wurden 80 Bewerbungen mehr registriert, in Thüringen 30 mehr.
Am 1. Januar 2026 ist das Gesetz für den neuen Wehrdienst in Kraft getreten. Alle 18-jährigen Männer und Frauen erhalten einen Fragebogen, mit dem ihre Eignung und Motivation für die Bundeswehr erhoben wird. Männer müssen diesen verpflichtend ausfüllen. Sollte es der Bundeswehr nicht gelingen, genügend Freiwillige zu gewinnen, behält sich die schwarz-rote Koalition die Einführung einer sogenannten Bedarfswehrpflicht vor. Dies hat bereits zu Protesten von Schülerinnen und Schülern in mehreren Städten geführt.
Bundeswehr zeigt sich zufrieden mit Image und Kampagnen
Die Bundeswehr-Sprecherin äußerte sich zufrieden mit dem Auftreten der Bundeswehr gegenüber jungen Menschen. „Die positiven Zahlen zeigen die gute Imagepositionierung der Bundeswehr als Arbeitgeberin und dass wir mit unseren Kampagnen der Nachwuchsgewinnung die Richtigen erreichen“, sagte sie. Es habe sich gelohnt, neue Wege auszuprobieren. Der „Aufwuchs des aktiven militärischen Personalbestands“ bleibe das wichtigste strategische Ziel für die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr.
Die ersten Fragebögen wurden am 15. Januar 2026 versendet, weitere folgten zum 31. Januar. Junge Erwachsene haben für eine freiwillige Antwort einen Monat Zeit. Die Sprecherin bestätigte, dass bereits Rückmeldungen von jungen Männern und Frauen eingegangen sind. Nach dem aktuellen Gesetz unterliegen Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren einer Wehrpflicht, jedoch gibt es derzeit in Deutschland keine verpflichtende Einberufung zum Wehrdienst.



