Lena Jensen kämpft gegen sexualisierte Gewalt: Warum Täter oft straffrei ausgehen
Lena Jensen: Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Kindern

Lena Jensen: Eine Betroffene erhebt ihre Stimme gegen sexualisierte Gewalt

Lena Jensen, 33 Jahre alt, teilt auf Instagram ihre erschütternde Geschichte: Als Kind im Alter von zwei bis sechs Jahren erlebte sie sexualisierte Gewalt durch nahestehende Personen. Heute demonstriert sie in Hamburg und anderen Städten, um auf das Leid Betroffener aufmerksam zu machen und wirksamere Maßnahmen gegen Täter zu fordern. In ihrem eigenen Fall kam es nie zu einer Verurteilung, ein Umstand, der sie zutiefst empört.

Die Erinnerungen an den Missbrauch und das Versagen der Systeme

Jensens Erinnerungen sind fragmentarisch, vermutlich weil sie während der Übergriffe sediert wurde. Ihre Mutter bemerkte Verhaltensauffälligkeiten wie Bettnässen und Aggressionen, doch Ärzte und Psychologen erkannten die Ursache nicht. "Die Kindergärtnerin kam auf meine Mama zu und sagte, es könnte sexualisierte Gewalt sein, aber von wem?", erzählt Jensen. Der Missbrauch wurde nur zufällig aufgedeckt, als die Mutter sie früher abholte und die Täter in Unterwäsche antraf.

Obwohl die Taten angezeigt und medizinisch untersucht wurden, blieb das Verfahren ohne Konsequenzen. Jensen kritisiert scharf, dass nur etwa 10 bis 15 Prozent der Fälle angezeigt und davon lediglich 10 Prozent verurteilt werden. "Das ist einer von 100 Tätern. Als Täter würde ich mich auch sicher fühlen", sagt sie und unterstreicht die Dringlichkeit von Reformen.

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Politisches Engagement und Forderungen nach Veränderung

Inspiriert durch die Veröffentlichung der Epstein-Akten, organisierte Jensen im Februar eine Demonstration vor dem Kanzleramt. Ihre zentrale Forderung: eine Reform des Strafrechts für sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Die Statistik zeigt das Ausmaß des Problems: 2024 wurden in Deutschland 16.354 Fälle angezeigt, die Dunkelziffer liegt vermutlich weit höher.

Ihr Protest fand politisches Gehör. Abgeordnete der Grünen, SPD und Linken diskutierten in einer Aktuellen Stunde über das Thema. Jensen wurde zu Gesprächen nach Berlin eingeladen, wo sie mit der SPD-Abgeordneten Jasmina Hostert und der Linken-Politikerin Kathrin Gebel zusammentraf. Hostert betont die Notwendigkeit, den Fonds Sexueller Missbrauch wiederzubeleben, der seit März 2025 für Neuanträge gestoppt ist. "Es kann nicht sein, dass wir junge Frauen allein mit ihren Traumata lassen", so Hostert.

Herausforderungen im Umgang mit Betroffenen und Tätern

Jensen weist auf die Schwierigkeiten hin, die Kinder in Verhören haben. "Kinder wird oft weniger geglaubt als Erwachsenen", sagt sie und fordert einen sicheren Rahmen für Aussagen. Gebel ergänzt: "Ein Kind vertraut sich im Durchschnitt sieben Erwachsenen an, bis ihm geglaubt wird." Beide fordern bessere Prävention, Aufklärung und enge Zusammenarbeit zwischen Polizei, Jugendhilfe und anderen Stellen.

Hostert kritisiert zudem, dass Datenschutzregeln Tätern manchmal in die Hände spielen, etwa wenn Trainer ungehindert zwischen Bundesländern wechseln. Überparteilich besteht Einigkeit, dass Schutzkonzepte von Bund bis Kommune umgesetzt werden müssen. Doch Gebel äußert Skepsis: "Am Ende kommt meistens das Totschlagargument: Wie soll das finanziert werden?"

Hoffnung durch Solidarität und anhaltenden Protest

Ende März beteiligte sich Jensen an Großdemonstrationen in Hamburg, wo sie von Passanten erkannt und für ihren Mut gelobt wurde. Sie hofft, dass die gestiegene Aufmerksamkeit nachhaltige Veränderungen bewirkt. "Wir müssen nervig bleiben. Wir müssen laut bleiben", sagt sie. Trotz der Herausforderungen bleibt sie optimistisch, dass der Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Kindern endlich Fahrt aufnimmt.

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