Rettungsschwimmer-Mangel in Sachsen-Anhalt: Freibäder kämpfen um Personal für die Saison
Die bevorstehende Freibadsaison in Sachsen-Anhalt steht unter einem schlechten Stern: Ein akuter Mangel an Rettungsschwimmern bedroht den reibungslosen Betrieb vieler Schwimmbäder. Besonders fehlen ausgebildete Bademeister, die hauptberuflich in den Einrichtungen arbeiten könnten, wie ein Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Sachsen-Anhalt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte. Die Folgen sind bereits spürbar: Manche Bäder müssen mit verkürzten Öffnungszeiten planen, insbesondere in ländlichen Regionen.
Suche nach Helfern in Städten und Gemeinden
In Großstädten wie Halle und Magdeburg werden derzeit dringend Rettungsschwimmer gesucht. Ob dies zu früheren Schließungen führen wird, können die Stadtverwaltung Magdeburg und die Bäder Halle GmbH noch nicht abschätzen. Allerdings soll das Nordbad in Halle wie geplant öffnen. Ein positives Beispiel bietet das Erlebnisbad Roßlau in Dessau-Roßlau: Hier gibt es bereits ausreichend Personal, und für die kommende Saison wurde sogar ein neuer Mitarbeiter eingestellt.
Anders sieht es in der Kleinstadt Möckern im Jerichower Land aus. Die beiden Freibäder leiden unter dem Fachkräftemangel. Aktuell arbeiten nur drei Rettungsschwimmer für die Stadt, obwohl acht optimal wären. Sollten sich nicht genügend neue Kräfte finden, springt in diesem Sommer die Wasserwacht ein. Dennoch drohen verkürzte Öffnungszeiten, wie die Stadtverwaltung mitteilte.
Ursachen des Mangels: Arbeitsbedingungen und Bezahlung
Holger Friedrich vom DLRG-Landesverband Sachsen-Anhalt nennt mehrere Gründe für die unbesetzten Stellen. „Arbeiten, wenn andere Urlaub machen, sei für viele nicht ansprechend“, erklärt er. Die Arbeitszeiten und die Bezahlung seien oft unattraktiv. „Man muss diesen Beruf Schwimmmeister wieder attraktiv gestalten, sowohl was die Arbeitsbedingungen als auch die Entlohnung betrifft“, fordert Friedrich. Er sieht die Badbetreiber in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass der Berufszweig interessant bleibt.
Zwar sind knapp 3.000 ehrenamtliche Rettungsschwimmer Mitglied beim DLRG-Landesverband, und pro Jahr bildet der Verband etwa 600 neue Retter aus. Doch allein mit Ehrenamtlichen lasse sich kein Schwimmbad betreiben – professionelle Bademeister sind unverzichtbar. Diese werden für Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg an der Berufsbildenden Schule Wittenberg ausgebildet.
Ausbildungslücken und Zukunftssorgen
Die Zahlen des Landesschulamtes in Sachsen-Anhalt verdeutlichen das Problem: Etwas weniger als die Hälfte der Ausbildungsplätze für Bademeister bleibt unbesetzt. Im aktuellen Schuljahr betrifft dies 85 von 180 Plätzen über alle drei Ausbildungsjahre hinweg. Im Jahr 2022 schlossen nur 22 Bademeister ihre Lehre in Wittenberg ab, während zwölf Auszubildende durchfielen oder abbrachen.
Friedrich sorgt sich um die Zukunft des Berufs. Neben dem Fachkräftemangel sieht er auch die Schließung von Bädern als Bedrohung. „Die Kommunen können selbst entscheiden, ob sie ein Schwimmbad betreiben wollen“, sagt er. Fehlt Geld für Personal oder Renovierungen, führe dies oft zur Schließung. Besonders auf dem Land hätten Menschen dann kaum noch die Möglichkeit, ein Schwimmbad in ihrer Nähe zu besuchen. Dieser Trend könnte die Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen.



