Dresdner Gedenktag: Rechtsextreme Aufmärsche und Gegendemonstrationen lähmen Verkehr
Zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 marschieren jedes Jahr Rechtsextremisten durch die Stadt. Doch zahlreiche Bürger stellen sich diesem Missbrauch des historischen Datums entschieden entgegen. Die Polizei erwartet aufgrund der geplanten Aufmärsche und Gegendemonstrationen erhebliche Folgen für den Verkehr in der sächsischen Landeshauptstadt.
Verkehrsbehinderungen im Stadtzentrum erwartet
Die Polizei Dresden warnt vor spürbaren Verkehrsbeeinträchtigungen im gesamten Stadtzentrum. „Aufgrund der zahlreichen Versammlungen ist mit erheblichen Einschränkungen im Straßenverkehr zu rechnen. Davon wird zeitweise auch der Öffentliche Personennahverkehr betroffen sein“, teilte die Polizeidirektion mit. Konkret sind mehrere Parkplätze gesperrt, darunter die Schießgasse, der Pirnaischer Platz, das Terrassenufer und die Reitbahnstraße.
Für die Sicherheitsmaßnahmen stellt sich die Polizei breit auf: Die Dresdner Polizeidirektion wird von der sächsischen Bereitschaftspolizei sowie Kollegen aus Brandenburg, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und der Bundespolizei unterstützt. Dieser massive Aufwand unterstreicht die Bedeutung der Einsätze an diesem emotional aufgeladenen Gedenktag.
Breiter Widerstand gegen rechtsextreme Instrumentalisierung
Gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten regt sich traditionell breiter zivilgesellschaftlicher Widerstand. Das Bündnis „Dresden Wi(e)dersetzen“ hat für den Vormittag Gegendemonstranten zu verschiedenen Sammelpunkten in der Stadt aufgerufen. Ab 11.00 Uhr ist eine zentrale Kundgebung auf dem Postplatz in der Altstadt geplant, bei der sich Hunderte bis Tausende Menschen versammeln werden.
Die historischen Hintergründe sind tiefgreifend: Dresden wurde am 13. Februar 1945 und in den folgenden Tagen durch britische und amerikanische Luftangriffe schwer zerstört. Nach Erkenntnissen einer Historikerkommission kamen dabei bis zu 25.000 Menschen ums Leben. Rechtsextreme Gruppierungen instrumentalisieren diese Tragödie regelmäßig, um die deutsche Kriegsschuld zu relativieren – eine Haltung, die von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung und Politik scharf verurteilt wird.
Politische Mahnungen und geplante „Trauermärsche“
Bereits im Vorfeld des Gedenktages mahnten Politiker aller demokratischen Parteien eine historisch korrekte Bewertung der Ereignisse an. Sie forderten dazu auf, alle Opfer des Krieges und der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft in die Erinnerungskultur einzubeziehen. Der Höhepunkt des offiziellen Dresden-Gedenkens bleibt die jährliche Menschenkette, in die sich regelmäßig Tausende Bürger friedlich einreihen.
Die rechtsextremen Gruppierungen haben für dieses Jahr einen sogenannten „Trauermarsch“ angemeldet, für den sie etwa 1.000 Teilnehmer angekündigt haben. Im vergangenen Jahr 2025 waren jedoch mehr als doppelt so viele Rechtsextremisten zu solchen Aufmärschen erschienen, was die Polizei zu besonderer Wachsamkeit veranlasst. Die genauen Teilnehmerzahlen werden sich erst im Laufe des Tages zeigen, doch die Sicherheitskräfte sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet.
Die Stadt Dresden steht somit an diesem Februartag erneut im Spannungsfeld zwischen würdigem Gedenken, politischer Instrumentalisierung und den praktischen Herausforderungen für den städtischen Verkehr. Während die einen der Opfer gedenken wollen, nutzen andere das Datum für ihre ideologischen Zwecke – und die Bürger müssen sich auf einen Tag mit eingeschränkter Mobilität einstellen.



