Sachsens Winzer stemmen sich gegen bundesweiten Negativtrend
Während die deutsche Weinproduktion im vergangenen Jahr bundesweit um 2,6 Prozent auf 7,55 Millionen Hektoliter zurückging, konnten die Winzer in Sachsen einen erfreulichen Gegenpol setzen. Für den Freistaat war 2025 ein sehr zufriedenstellendes Jahr mit guten bis sehr guten Qualitäten und stabilen Mengen.
Erholung nach dem Frostjahr 2024
Die sächsischen Weinberge lieferten 2025 insgesamt 29.500 Hektoliter – eine bemerkenswerte Steigerung gegenüber den frostgeplagten 9.000 Hektolitern des Vorjahres. Damit erreichten die Winzer wieder das Niveau von 2023. „Das war ein Jahrgang mit sehr guten Mengen und guten bis sehr guten Qualitäten“, betonte Felix Hößelbarth, Vorsitzender des Weinbauverbandes Sachsen.
Erfreulich ist insbesondere, dass alle Betriebe die Missernte von 2024 überstanden haben. Dem Verband sind keine Betriebsaufgaben bekannt. Die damaligen Frosthilfen von Bund und Freistaat waren laut Hößelbarth zwar ein positives Signal, konnten die Ausfälle aber nicht kompensieren. Entscheidend waren stattdessen Frostversicherungen und der Verkauf von Vorjahrgängen.
Vegetation erholt sich – mit Einschränkungen
Die Rebstöcke haben größtenteils keine langfristigen Schäden davongetragen. Besonders die älteren Weinberge sorgten 2025 wieder für konstante Erträge. Bei neu angepflanzten Weinbergen gab es hingegen eine ein- bis zweijährige Verzögerung im Wachstum, wie Hößelbarth erläuterte.
Aktuelle Herausforderungen: Trockenheit und Frostgefahr
Der Ausblick für das laufende Jahr ist aus Sicht des Verbandsvorsitzenden gemischt. Nach guten Winterniederschlägen im Januar und Februar folgte eine trockene Phase, die erst durch die Niederschläge der vergangenen Tage etwas gemildert wurde. Diese waren laut Hößelbarth „bitter nötig“.
Besondere Sorgen bereiten mögliche Spätfröste in den kommenden Nächten. „Durch die Erfahrung in 2024 ist man schon nicht ganz tiefenentspannt“, räumte Hößelbarth ein. Allerdings verläuft die Vegetation in diesem Jahr wieder in einem normaleren Rhythmus. Anders als 2024, als die Reben wegen eines besonders warmen März zwei bis drei Wochen zu früh austrieben, ist das Wachstum aktuell langsamer.
„Wenn es jetzt noch eine Frostnacht geben würde, würden wir das wahrscheinlich mit einem blauen Auge überstehen, da ein Großteil der Reben noch nicht ausgetrieben hat“, so die Einschätzung des Verbandsvorsitzenden.
Winzer bleiben wachsam
Ähnlich schätzt der Radebeuler Winzer Friedrich Aust die Situation ein: „Die Vegetation in den Weinbergen ist noch nicht sehr weit vorangeschritten.“ Dennoch müssten die Winzer wachsam bleiben – auch mit Blick auf die Eisheiligen Mitte Mai. „Aufatmen können wir also noch lange nicht.“
Im Staatsweingut Schloss Wackerbarth laufen bereits Vorkehrungen: Für die Nacht auf Mittwoch werden im sächsischen Elbtal Spätfröste vorausgesagt. Das Staatsweingut plant deshalb in acht Weinbergen und Junganlagen in Diesbar-Seußlitz, Laubach, Weinböhla und Radebeul mehrere Hundert kleine kontrollierte Feuer zu entzünden, um mehr als 100.000 Rebstöcke vor Minustemperaturen zu schützen.
Sachsen: Kleine Weinregion mit großer Bedeutung
Von den 13 deutschen Weinregionen ist das Weinanbaugebiet Sachsen mit 531 Hektar Rebfläche eine der kleinsten. Die Weinregion erstreckt sich an der Elbe von Pirna über Dresden, Radebeul und Meißen bis Diesbar-Seußlitz nordwestlich von Meißen.
Hauptsächlich wird Weißwein angebaut. Nur knapp 20 Prozent der Fläche sind Rotweinen vorbehalten. Die Hauptrebsorten sind:
- Müller-Thurgau
- Riesling
- Weißburgunder
- Grauburgunder
- Traminer
- Spätburgunder
- Dornfelder
Nach Angaben des Verbandes gibt es in Sachsen 38 Winzer im Haupt- und 42 im Nebenerwerb.
Bundesweite Herausforderungen durch Wetterextreme
Bundesweit haben die deutschen Winzer im vergangenen Jahr vor allem wegen kräftiger Niederschläge im September weniger Wein produziert. Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024 betrug das Minus 10 Prozent. „Eine ähnlich kleine Erntemenge von 7,5 Millionen Hektolitern hatten wir zuletzt im Jahr 2017“, sagte Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Weininstituts.
Die zunehmenden Wetterkapriolen stellen die Winzer Jahr für Jahr vor große Herausforderungen. Während sich Sachsen 2025 erfolgreich gegen den Bundestrend stemmte, bleibt die Branche weiterhin stark von klimatischen Bedingungen abhängig.



