Freiwilligendienste in Thüringen: Große Nachfrage trotz finanzieller Unsicherheiten
Freiwilligendienste in Thüringen: Nachfrage hoch, Finanzierung unklar

Freiwilligendienste in Thüringen: Zwischen großer Beliebtheit und finanziellen Herausforderungen

Der Freiwilligendienst im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) erfreut sich in Thüringen nach wie vor großer Beliebtheit. Mittelfristig stehen jedoch insbesondere bei der Finanzierung wichtige Fragen im Raum, die die Zukunft dieser wertvollen Angebote beeinflussen könnten.

Hohe Nachfrage und vielfältige Einsatzmöglichkeiten

„Durchschnittlich kommen bei uns auf jede FSJ-Stelle drei Bewerber“, berichtet Norman Hahn von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ). Die LKJ bietet als Träger aktuell 112 FSJ-Plätze in ganz Thüringen an. Die Teilnehmerzahlen bleiben stabil, und bisher sei kein Einfluss der neuen Wehrdienstregelung feststellbar, teilen sowohl das Sozial- als auch das Umweltministerium mit.

Die Bandbreite der möglichen Tätigkeiten ist enorm: Im FSJ reicht sie von Sozialarbeit und Gesundheitswesen über Sport und Kultur bis hin zur Denkmalpflege. Einsatzorte finden sich in Krankenhäusern, Sozialstationen, Kindertagesstätten oder Sportvereinen. Auch ungewöhnlichere Stellen wie Bürgerradios, Theater, Zirkusprojekte oder sogar der Thüringer Landtag gehören dazu. Selbst Handwerksbetriebe oder Denkmalpflegestellen bieten FSJ-Plätze an.

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Im FÖJ stehen hingegen Dienste im Umwelt- und Naturschutz, der Landschafts- und Tierpflege, der Forstwirtschaft oder der Umweltbildung zur Auswahl. Diese Vielfalt spiegelt das breite Engagement junger Menschen wider.

Gegenseitiger Nutzen und prägende Erfahrungen

Vom freiwilligen Einsatz profitieren beide Seiten gleichermaßen, betonen mehrere Ansprechpartner. „Für uns sind die jungen Menschen eine wertvolle Ergänzung in unserem Team“, erklärt Ulrike Nonn-Pfistner vom Stadtteilzentrum am Herrenberg in Erfurt. Besonders im Bereich Social Media oder Öffentlichkeitsarbeit bringen die Freiwilligen oft viel Expertise mit.

Niklas Metzner, der seit September in einer FSJ-Stelle tätig ist, äußert sich positiv: „Jeder Tag bringt etwas Neues, ich kann diese Erfahrung nur empfehlen.“ Wie vielen anderen habe ihm das Jahr auch bei seiner Studienwahl geholfen. Annegret Schüle, Leiterin des Erinnerungsorts Topf & Söhne, bestätigt: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieses Jahr eine prägende Erfahrung für viele junge Menschen ist.“

Finanzielle Unsicherheiten und europäische Abhängigkeiten

Aktuell sind in Bezug auf die künftige finanzielle Ausstattung von FSJ und FÖJ einige kritische Fragen offen. In Thüringen werden neben Mitteln der Einsatzstellen und des Bundes auch Gelder aus Töpfen der Europäischen Union benötigt. Die aktuelle Förderperiode des Europäischen Sozialfonds läuft in den Jahren 2027/28 aus. Bisher gebe es von der Europäischen Kommission noch keine Aussagen zu den künftigen Rahmenbedingungen, erklärt eine Sprecherin des Sozialministeriums.

„Wir hoffen, dass ein Weg gefunden wird, die Finanzierung auch in Zukunft zu sichern und vielleicht sogar ein wenig zu erhöhen“, so Norman Hahn. Finanzielle Einschnitte könnten sich deutlich negativ auf das Angebot auswirken und ein fatales Signal an alle engagierten jungen Menschen senden. Die gestiegenen Kosten betreffen sowohl Einsatzstellen als auch Freiwillige.

Strukturelle Rahmenbedingungen und aktuelle Zahlen

In Thüringen gibt es der Landesregierung zufolge aktuell 927 Plätze im FSJ und 152 Plätze im FÖJ. Die größten Träger im FSJ sind:

  • Das Landesjugendwerk der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Thüringen mit 190 Plätzen
  • Der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit 140 Plätzen
  • Die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) mit 112 Plätzen

Der größte FÖJ-Träger im Freistaat ist die Naturfreundejugend Thüringen.

Die Einsätze beginnen in der Regel im September und dauern ein Jahr. Die Freiwilligen erhalten ein Taschengeld von maximal 336 Euro monatlich. Im Gegensatz zum Bundesfreiwilligendienst gelten bei FSJ und FÖJ eine Altersgrenze von maximal 27 Jahren, und der Dienst kann nur einmal absolviert werden.

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Trotz der finanziellen Unsicherheiten überwiegt bei den Verantwortlichen die Hoffnung auf eine Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit. Norman Hahn resümiert: „Wenn wir die Dienste in Zukunft noch ein bisschen attraktiver machen und die Einsatzmöglichkeiten noch ein bisschen weiter streuen können, könnten wir aber noch deutlich mehr erreichen.“