Simson-Erbe empört über AfD-Werbung mit DDR-Kultmopeds
Die ikonischen Simson-Mopeds aus DDR-Zeiten erleben seit Jahren einen regelrechten Kultstatus. Nun sorgt ihre politische Instrumentalisierung für erheblichen Wirbel. Björn Höcke, umstrittener AfD-Politiker aus Thüringen, nutzt die beliebten Zweitakter gezielt für Wahlkampfauftritte und Werbemaßnahmen seiner Partei.
Familienreaktion: "Alle sind explodiert"
Dennis Baum, direkter Nachfahre der jüdischen Unternehmerfamilie, die einst das Simson-Werk begründete, reagiert mit Entsetzen auf diese Entwicklung. Im exklusiven Interview schildert er die emotionale Reaktion seiner Angehörigen: "Als wir von Höckes Simson-Touren erfuhren, sind praktisch alle aus der Familie explodiert", berichtet Baum. Die Verbindung zwischen den historisch belasteten Symbolen und der rechtspopulistischen Partei empfindet die Familie als zutiefst verstörend.
Die Simson-Mopeds, insbesondere Modelle wie die legendäre S51 B, gelten nicht nur als technische Zeitzeugen der DDR, sondern tragen auch die Erinnerung an ihre jüdischen Gründer in sich. Dieser historische Kontext macht die politische Aneignung durch die AfD besonders brisant.
Rechtliche Gegenwehr in Vorbereitung
Dennis Baum kündigt konkrete Schritte an, um sich gegen die Vereinnahmung des Familienvermächtnisses zu wehren. "Wir prüfen derzeit alle rechtlichen Möglichkeiten", erklärt der Nachfahre. Dabei geht es nicht nur um den Schutz des Markennamens, sondern vor allem um die Wahrung der historischen Integrität und die Abgrenzung von politischen Strömungen, die mit der Familiengeschichte unvereinbar sind.
Die Simson-Mopeds wurden ursprünglich von der jüdischen Unternehmerfamilie Simson gegründet, bevor das Unternehmen in der NS-Zeit arisiert wurde. Nach dem Krieg entwickelten sich die Fahrzeuge in der DDR zu Massenprodukten und erlangten Kultstatus. Heute sind restaurierte Modelle begehrte Sammlerstücke und Symbol ostdeutscher Alltagskultur.
Politische Symbolik und historische Verantwortung
Experten sehen in dem Konflikt ein exemplarisches Beispiel für den Kampf um historische Narrative. Die AfD versuche, durch die Nutzung ostdeutscher Kultobjekte gezielt Identifikationsangebote in den neuen Bundesländern zu schaffen. Für die Nachfahren der Gründerfamilie stellt dies eine unerträgliche Vereinnahmung dar, die der komplexen Geschichte des Unternehmens nicht gerecht wird.
Baum betont die Notwendigkeit, die Erinnerung an die jüdischen Wurzeln des Unternehmens wachzuhalten: "Simson steht nicht nur für DDR-Nostalgie, sondern auch für eine Unternehmerfamilie, die Verfolgung und Enteignung erleiden musste. Diese Geschichte darf nicht instrumentalisiert werden."
Der Fall zeigt, wie politische Kampagnen auf symbolischer Ebene geführt werden und welche ethischen Grenzen dabei zu beachten sind. Die geplanten rechtlichen Schritte der Familie könnten hier Maßstäbe für den Umgang mit historischem Erbe in politischen Auseinandersetzungen setzen.



