Thüringer Städte kämpfen mit steigenden Kosten für Frühjahrsbepflanzung
Die farbenfrohe Blütenpracht in Thüringer Städten wird zunehmend teurer. Kommunen in ganz Thüringen berichten von spürbaren Preissteigerungen bei der Frühjahrsbepflanzung, die das traditionelle Stadtbild im Frühjahr prägt.
Preissteigerungen bei Saatgut und Jungpflanzen
Von Saatgut und Jungpflanzen über Dünger bis hin zu Energie und Kraftstoffen – zahlreiche Faktoren treiben die Kosten für die Bepflanzung in die Höhe. In Weimar sind die Preise für Saatgut und Jungpflanzen im Vergleich zu 2023 um 15 Prozent gestiegen, wie ein Stadtsprecher mitteilte. Viele Kommunen reagieren darauf mit pragmatischen Lösungen.
In Suhl findet im Stadtzentrum bereits seit Jahren keine Frühjahrsbepflanzung mehr statt. Stadtsprecher Steffen Hertel erklärt: „Die Verantwortlichen versuchen mit den wenigen verfügbaren Mitteln etwas Farbe in den Suhler Frühling zu bringen.“ Stattdessen setzt die Stadt auf Sommerpflanzen ab Mai.
Historische Technik als Kostensenker
Ein besonderes Beispiel für kreative Lösungen bietet die Klassik Stiftung Weimar. Sprecher Johannes Wiesel berichtet, dass sich die Kosten für den Zukauf von Pflanzen in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt haben, während die verfügbaren Mittel stagnierten. Als Glücksfall erweist sich eine über 200 Jahre alte Holzheizung von 1820, die die Orangerie in Belvedere beheizt und so die Anzucht unabhängiger von aktuellen Energiepreisen macht.
Allerdings gibt es auch hier Herausforderungen: Bei der Instandhaltung von Pflanzkübeln, Parkarchitekturen und Technik hat sich mittlerweile ein Stau gebildet.
Strategien der Kommunen im Überblick
- Gera setzt seit Jahren auf Dauerbepflanzungen statt Wechselbepflanzungen, was die aktuelle Preissteigerung abfedert
- Weimar verzichtet teilweise auf exklusive Züchtungen und greift auf traditionelle Sorten zurück
- Klassik Stiftung Weimar produziert etwa drei Viertel ihrer 30.000 Pflanzen selbst
- Fast alle befragten Städte beziehen Pflanzen von regionalen Gärtnereien
Langfristige Perspektiven und Bürgerwertschätzung
Die Städte sind sich einig über den großen Wert, den die Bepflanzung für das Lebensgefühl in der Stadt bietet. Diese Leistung wird von den Bürgern sehr geschätzt, wie aus den Stadtverwaltungen übereinstimmend berichtet wird.
Als Mittelweg zwischen Kostendruck und Stadtverschönerung sehen die Kommunen vor allem:
- Das Ausweichen auf mehrjährige Pflanzen und Stauden
- Die eigene Herstellung von Kompostsubstrat
- Die Nutzung historischer Infrastruktur
- Die Ausbildung junger Zierpflanzengärtner in eigenen Gewächshäusern
Stefanie Braune für die Stadt Jena fasst zusammen: „Perspektivisch muss die Entwicklung natürlich weiter kritisch betrachtet werden, sollte sich der Trend weiter fortsetzen.“ In Erfurt, Jena und Mühlhausen gab es zwar bisher keine Einsparungen bei der Frühjahrsbepflanzung, doch auch hier wird das Kostenmanagement immer wichtiger.
Die Bepflanzung der Beete beginnt in den meisten Thüringer Kommunen Mitte März und stellt die Städte vor die Herausforderung, trotz steigender Kosten die gewohnte Blütenpracht zu erhalten.



