March Madness und die Sorgen der Bundesliga: Wie NIL-Regeln deutsche Talente in die USA locken
March Madness: NIL-Regeln locken deutsche Talente in die USA

March Madness: Wie das College-Turnier die deutsche Basketball-Bundesliga herausfordert

Am Wochenende steigt das Final Four der legendären March Madness, dem prestigeträchtigen College-Basketballturnier in den USA. Während sich die Arizona Wildcats und andere Top-Teams vor rund 70.000 Zuschauern im NFL-Stadion der Indianapolis Colts messen, sind auch zahlreiche deutsche Spieler im Rampenlicht. Für die Basketball-Bundesliga bedeutet dieses Spektakel jedoch nicht nur Stolz, sondern auch erhebliche Sorgen.

Deutsche Talente im Fokus des College-Basketballs

Nationalspieler Ivan Kharchenkov, der erst im vergangenen Sommer vom FC Bayern zu den Arizona Wildcats wechselte, steht exemplarisch für einen Trend. Der 19-Jährige verdient als Student in den USA deutlich mehr Geld als zuvor als Profi beim deutschen Meister. Kharchenkov ist nicht allein: Im Halbfinale treten auch Malick Kordel aus Oberhausen, Eric Reibe aus Hannover und Dwayne Koroma aus Berlin an, während UConn mit weiteren deutschen Talenten ins Finale einzuziehen hofft.

Die Liste deutscher Spieler an US-Universitäten ist lang und wächst stetig, was Managern in der Heimat Kopfzerbrechen bereitet. „Wir erleben einen unaufhaltsamen Exodus“, erklärt Dragan Tarlac, Sport-Geschäftsführer des FC Bayern Basketball. „Die FIBA und die nationalen Verbände können den Teams aus Mangel an Strukturen nicht helfen.“

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NIL-Regeln: Die Revolution, die College-Sportler zu Millionären macht

Hinter diesem Phänomen stehen drei Buchstaben: NIL, was für Name, Image and Likeness steht. Seit einem Gerichtsurteil im Jahr 2021 dürfen Athleten in den USA auch als Studenten Geld durch Marketing- und Werbemaßnahmen verdienen. Aus Amateuren, die lediglich von erlassenen Studiengebühren profitierten, sind de-facto-Profis geworden, die teilweise sechsstellige Beträge einnehmen.

Spieleragent Milan Nikolic verdeutlicht: „Die große Mehrheit der deutschen Jungs verdient unter 100.000 Euro. Trotzdem bekommen viele von ihnen ein Vielfaches dessen, was sie als junge Spieler in Deutschland bekämen.“ Für Bundesliga-Clubs ist dies ein doppeltes Problem: Sie verlieren nicht nur Talente, sondern erhalten auch keine Ablösesummen, da Universitäten keine Transfergebühren zahlen müssen.

Reaktionen aus der Bundesliga: Kreativität und Geduld gefragt

Himar Ojeda, Sportdirektor von Alba Berlin, beschreibt die Lage nüchtern: „Wir versuchen, uns anzupassen. Aber uns fehlen die Kapazitäten, gewisse junge deutsche Talente hierzubehalten. Das Geld am College ist unschlagbar.“ Tarlac sieht die Verantwortung bei internationalen Organisationen wie der FIBA und der NCAA, warnt jedoch vor der Macht einzelner Universitäten, die Reformen blockieren könnten.

Ojeda verfolgt einen pragmatischen Ansatz: „In Verbindung bleiben. Denn wenn sie mit dem College fertig sind, könnten sie wieder für Alba spielen.“ Diese Hoffnung ist nicht unbegründet, da die meisten College-Karrieren nach drei bis vier Jahren enden und nur wenige Spieler den Sprung in die NBA schaffen.

Dennis Schröder: Eine Spielerperspektive voller Zustimmung

Nationalmannschafts-Kapitän Dennis Schröder, selbst NBA-Profi und Teambesitzer der Löwen Braunschweig, betont die Vorteile für die Athleten: „Ich finde es gut, dass viele Europäer einfach so eine geile Plattform bekommen und auch so viel Geld machen, dass sie ihre Familie jetzt schon – also nicht aussorgen können – aber, dass sie wirklich gutes Geld machen, dass sie ihrer Familie helfen können.“

Schröder anerkennt zwar die Herausforderungen für den deutschen Markt, insbesondere durch die 6-plus-6-Regel, die mindestens sechs Spieler mit deutschem Pass pro Bundesligist vorschreibt, sieht aber langfristig Potenzial: „Ich finde es nicht schlimm.“ Mittelfristig könnte die Qualität des deutschen Spielermarkts sogar profitieren, wenn erfahrene College-Spieler zurückkehren.

Das Final Four der March Madness markiert somit nicht nur einen Höhepunkt im College-Basketball, sondern auch einen Wendepunkt für die internationale Talentförderung. Während deutsche Spieler auf der großen Bühne glänzen, müssen heimische Clubs kreative Wege finden, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.

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