Der große Turnierplatz, der schwerste Parcours der Welt, die elektrisierende Stimmung: Wenn André Thieme (51) an das Deutsche Spring-Derby denkt, gerät der Reiter ins Schwärmen. „Ich liebe dieses Turnier. Ich möchte es so oft wie möglich gewinnen“, sagt der Mecklenburger. Viermal gelang ihm der Husarenritt: 2007, 2008 und 2011 mit Nacorde sowie vor einem Jahr mit Paule (12). Bei der 95. Auflage am Sonntag in Klein Flottbek will Thieme das fünfte „Blaue Band“ nach Plau am See holen und setzt dabei voll auf Paules PS.
Florida-Training als Geheimwaffe
Der Wallach Paule war den ganzen Winter in Florida unterwegs. „Er ist da jedes zweite Wochenende Turnier gelaufen“, erklärt der Europameister von 2021. „Der hat sowas von Kraft und Kondition! Paule hat Kraft und Blut für zwei Pferde!“ Ende März kam das Pferd im Flieger zurück nach Deutschland. „Die Vorbereitung fällt von Jahr zu Jahr geringer aus“, sagt Thieme. „Wenn Dinge gut funktionieren, braucht man keine Geister hervorrufen. Ich war noch mal los und habe Pulvermann gesprungen und die Bahnschranken geübt. Wo verrate ich nicht, das ist geheim.“
Spaziergang statt Stress
Um Paules Power in den Griff zu bekommen, versucht Thieme, sein Paradepferd vor großen Prüfungen zu beruhigen. „Wir nehmen ihn drei-, viermal raus und bewegen ihn leicht. An der Longe oder wir gehen mit ihm spazieren.“ Diese Methode hat sich bereits bewährt: Weil die erste Qualifikation vor einem Jahr für das Duo ebenfalls ein Spaziergang war, verzichtete Thieme damals auf die zweite Quali am Freitag. „Ich liebäugle wieder mit derselben Variante.“
Selbst der ungewöhnliche Preis für den Sieger kann ihn nicht umstimmen. Der Sponsor „Dreame“ stiftet eine Harley Davidson Heritage Softail Classic (Wert: 30.000 Euro). Das Motorrad hat 91 Pferdestärken. Doch Thieme betont: „Ich muss da professionell denken.“
Starke Konkurrenz und neue Dressur-Regeln
Die Konkurrenz im Derby ist groß: 60 Reiter haben für die legendäre Prüfung gemeldet, zehn davon aus der 5-Sterne-Tour. Im Feld für den „Longines Grand Prix“ am Samstag sind mit Titelverteidiger Christian Ahlmann (51) und Cian O‘Connor (46/Irland) dieses Jahr nur zwei Reiter aus den Top 50 der Welt vertreten. Besser ist dagegen das Feld im runderneuerten Dressur-Derby. Turnierchef Matthias Alexander Rath (41) hat den traditionellen Pferdewechsel abgeschafft. Stattdessen gibt es eine Kombi-Wertung aus Grand Prix und Kür. Das lockt Stars wie Isabell Werth (56), Ingrid Klimke (58) und Moritz Treffinger (22) in den Jenischpark.
Raths Neustart nach Kritik
Raths Agentur Schafhof Connects war im vergangenen Jahr durch die Absage des CHI in Donaueschingen in die Schlagzeilen geraten. „Natürlich ist die Geschichte Mist“, sagt der ehemalige Reiter von Wunderpferd Totilas. „Sie hat aber nichts mit dem Derby zu tun. Der NFR und die Stadt kennen unsere Zahlen.“ In seinem zweiten Jahr als Veranstalter plant Rath mit einem Etat von 4,2 Millionen Euro. Davon werden 1,3 Millionen Euro als Preisgeld ausgezahlt.



