WNBA vor historischem Tarifstreit: Saisonstart in Gefahr
In der Women's National Basketball Association (WNBA), der weltweit führenden Frauen-Basketball-Liga, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Heute endet die entscheidende Frist für einen neuen Tarifvertrag zwischen der Liga und der Spielergewerkschaft WNBPA. Kommt bis dahin keine Einigung zustande, droht der für den 8. Mai geplante Saisonstart ernsthaft ins Wanken zu geraten. Hinter den Kulissen wird seit Monaten intensiv verhandelt, doch in zentralen Punkten liegen beide Seiten noch immer weit auseinander.
Auslöser des Konflikts
Der Ausgangspunkt des Konflikts war der 21. Oktober 2024. Kurz nach den Finals kündigte die Spielergewerkschaft den eigentlich bis 2027 laufenden Tarifvertrag vorzeitig. Dadurch endete das Abkommen bereits am 31. Oktober 2025. Seitdem ringen Liga und Spielerinnen um eine neue wirtschaftliche Grundlage – in einer Phase, in der die WNBA so viel Aufmerksamkeit und Wachstum erlebt wie nie zuvor.
Wirtschaftliche Dimension des Streits
Die wirtschaftliche Dimension ist erheblich. Branchenexperten schätzen den Jahresumsatz der WNBA für 2025 inzwischen auf rund 250 bis 300 Millionen US-Dollar – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu früheren Jahren. Gleichzeitig soll die Liga zuletzt noch Verluste von rund 50 Millionen Dollar geschrieben haben. Hohe Investitionen in Marketing, Infrastruktur, Charterreisen und die Expansion mit neuen Teams in Portland und Toronto drücken auf die Bilanz.
Ein neuer TV-Deal in den USA (200 Millionen Dollar pro Saison) und die Einnahmen aus den Lizenzgebühren der neuen Teams (250 Millionen Dollar pro Franchise) sollen helfen, endlich Gewinne schreiben zu können. In dieser Rechnung stören nun aber die höheren Vertragsforderungen der Spielerinnen.
Kernpunkt: Verteilung der Einnahmen
Im Zentrum des Streits steht die Verteilung dieser Einnahmen. Die Gewerkschaft fordert im Schnitt 26 Prozent des Bruttoumsatzes über die Laufzeit des neuen Vertrags, im ersten Jahr mindestens 25 Prozent. Bruttoumsatz bedeutet: Beteiligung an allen Einnahmen, bevor Kosten abgezogen werden. Bei einem angenommenen Umsatz von 275 Millionen Dollar entspräche das rund 70 Millionen Dollar jährlich für die Spielerinnen. Die Liga bezeichnet diese Forderung als unrealistisch.
Stattdessen bietet die WNBA nach eigenen Angaben mehr als 70 Prozent des Nettoumsatzes an – also vom Betrag, der nach Abzug aller Kosten übrig bleibt. Dieser Anteil soll mit weiterem Wachstum sogar steigen. Der Unterschied zwischen Brutto- und Nettomodell macht jedoch schnell zweistellige Millionenbeträge aus. Genau hier verhärten sich die Fronten.
Gehaltsstruktur und Vergleich zur NBA
Auch die Gehaltsstruktur spielt eine zentrale Rolle. Der Salary Cap pro Team liegt derzeit bei etwas über 1,4 Millionen Dollar. Das Maximalgehalt beträgt rund 240.000 Dollar pro Saison. Viele Spielerinnen verdienen weniger als 150.000 Dollar im Jahr. Zum Vergleich: In der NBA werden mehr als 10 Milliarden Dollar pro Saison umgesetzt, einzelne Superstars kassieren bis zu 60 Millionen Dollar jährlich. Diese Diskrepanz ist zwar wirtschaftlich erklärbar, wird aber politisch und symbolisch immer wieder angeführt.
Zeitdruck und mögliche Konsequenzen
Der Zeitdruck ist enorm. Sollte kurzfristig eine Einigung erzielt werden, könnte der Vertrag noch bis Ende des Monats formal unterzeichnet werden. Danach würde der eng getaktete Kalender mit Wechselperiode und Draft starten. Ohne Einigung droht hingegen ein Lockout. Die Liga könnte die Spielerinnen aussperren. Auch ein Streik wäre theoretisch möglich. Jede Verzögerung würde den ohnehin engen Zeitplan weiter komprimieren.
Ob es zum Durchbruch kommt oder zum offenen Machtkampf, entscheidet sich heute. Die WNBA steht damit an einem historischen Scheideweg, der nicht nur die kommende Saison, sondern die Zukunft der gesamten Liga maßgeblich beeinflussen könnte.



