Angeln wird weiblicher: Immer mehr Frauen entdecken die Leidenschaft am Wasser
Lange Zeit galt das Angeln als klassische Männerdomäne – ein Bild von wortkargen Fischern, die einsam am Ufer sitzen. Doch dieses Klischee bröckelt zusehends, denn immer mehr Frauen finden Gefallen an diesem naturverbundenen Hobby. Verbände, Messen und soziale Medien verzeichnen einen deutlichen Anstieg weiblicher Interessenten.
Vom Kindheitstraum zur Angel-Expertin
Eine prominente Vertreterin dieser Entwicklung ist Barbara Kijewski, die seit fast dreißig Jahren leidenschaftlich angelt. Ihre Kindheit war geprägt von Dokumentationen über Fische, doch der Wunsch, diese selbst zu fangen, ließ sie nicht los. Trotz anfänglicher Widerstände – Schulkameraden erklärten ihr, Angeln sei nichts für Mädchen – ließ sie sich nicht beirren. Heute teilt sie ihre Erfahrungen und Tipps in sozialen Netzwerken mit einer Community von Hunderttausenden Followern.
„Angeln ist eine Passion. Entweder es packt dich oder überhaupt nicht“, sagt Kijewski, die in Lyon lebt. Sie erlebt den Wandel direkt in ihrer Community: Immer mehr Frauen interessieren sich selbstverständlich für Ausrüstung, Techniken und den Einstieg ins Angeln.
Kampf gegen Vorurteile und pinke Angelruten
Früher waren angelnde Frauen eine Seltenheit, und Kijewski musste sich sogar verkleiden, um nicht aufzufallen. Beim Kauf ihrer ersten Ausrüstung bot ihr ein Verkäufer eine pinkfarbene Angelrute an – ein Angebot, das sie dankend ablehnte. Stattdessen wählte sie eine ergonomisch und technisch passende Ausrüstung. „Früher hat man mich auf Messen für einen Marketing-Gag gehalten“, erinnert sie sich. Mittlerweile wird sie in der Szene ernst genommen.
Verbände und Messen spüren den Trend
Beim Deutschen Angelfischerverband (DAFV) beobachtet man seit Jahren, dass immer mehr Frauen das Angeln für sich entdecken. In Vorbereitungskursen zur Fischereiprüfung sitzen zunehmend weibliche Teilnehmerinnen. Regionale Vereine melden vermehrte Anfragen von jungen Frauen, oft Ende 20 oder Anfang 30, die mitten im Berufsleben oder Studium stehen.
Auf Messen wie der Aqua-Fisch in Friedrichshafen am Bodensee wird dieser Trend sichtbar. Dort gibt es mittlerweile eigene Bereiche wie „Catch & Connect – Women’s Circle“, wo sich Anglerinnen vernetzen können. Die Messe lockt jährlich Tausende Besucher und unterstreicht die wachsende Bedeutung weiblicher Angler.
Vernetzung und Ermutigung durch soziale Medien
Plattformen wie Instagram spielen eine zentrale Rolle bei dieser Entwicklung. Sie ermöglichen es Frauen, sich untereinander zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu ermutigen. Online-Gruppen wie „Frauen mit Biss, gehen Angeln“ oder „Girlsfishing Germany“ bieten Raum für Austausch und Gemeinschaft.
„Wenn man online sieht, dass andere Frauen angeln, wirkt der Einstieg weniger wie ein Sprung in fremdes Terrain“, erklärt Kijewski. Die Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken animiert weitere Frauen, das Hobby auszuprobieren.
Angeln als Oase der Ruhe und Abwechslung
Für viele Frauen ist das Angeln eine willkommene Abwechslung zum hektischen Alltag. Es geht nicht primär um den Fang, sondern darum, am Wasser zu sein und ein Gefühl für die Natur zu entwickeln. „Angeln ist eine schöne Ruhe-Oase“, betont Kijewski. Das Geschlecht sollte dabei keine Rolle spielen.
Die Angelbranche hat Frauen längst als wichtige Zielgruppe erkannt. Wer einen Angelschein macht, investiert auch in Ausrüstung, Guidings oder Angelreisen. „Die Angelwelt ist wirklich auf einem richtig guten Weg“, resümiert Kijewski. Der Trend zu mehr weiblichen Anglern ist somit mehr als eine Randnotiz – er prägt die Szene nachhaltig.



