DEL-Playoffs: Kapitän Moritz Müller nach Haie-Aus möglicherweise am Karriereende
Der Blick war leer, der Mund blieb sprachlos. Nach seinem 1.183. und möglicherweise letzten DEL-Spiel wollte Moritz Müller nicht mehr reden. Die Enttäuschung über die erneut verpasste deutsche Meisterschaft mit den Kölner Haien war offensichtlich zu groß. Der 39-jährige Nationalverteidiger drehte nach der 1:4-Niederlage im sechsten Playoff-Halbfinale gegen die Eisbären Berlin noch eine Ehrenrunde vor den vielen weinenden Haie-Fans unter den 18.600 Zuschauern, griff kurz vor dem Verlassen des Spielfeldes noch einmal ins Eis und verschwand dann.
Ungewisse Zukunft des langjährigen Kapitäns
Für immer? Diese Frage bleibt vorerst unbeantwortet. Die Weltmeisterschaft im Mai in der Schweiz könnte der langjährige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft noch bestreiten, dann dürfte aber endgültig Schluss sein. „Ich habe immer gesagt, dass dies wahrscheinlich meine letzte Saison ist“, hatte Müller bis zuletzt zu diesem Thema erklärt. Eine offizielle Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Nach dem Halbfinal-Aus am Montag blieb der sonst so kommunikative Spieler ungewöhnlich stumm.
23 Jahre ohne Meistertitel
Vor 23 Jahren debütierte der frühere Stürmer unter dem legendären Trainer Hans Zach bei den Kölner Haien. Ein Jahr zuvor hatte der Traditionsclub seine achte Meisterschaft errungen. Seit 24 Jahren wartet das Liga-Schwergewicht nun auf den neunten Titel. Dass Müller, 2018 mit Deutschland Olympia-Zweiter und 2023 Vize-Weltmeister, in dieser Zeit nicht einmal einen Titel gewann, wird seiner bemerkenswerten Karriere nicht gerecht.
Wie ein Unvollendeter muss sich Müller fühlen – eine Erfahrung, die er beispielsweise mit der Düsseldorfer Club-Ikone Daniel Kreutzer teilt. Mit dem Unterschied, dass Müller nie als so hoch veranlagt galt wie der frühere DEG-Stürmer. Müller hat sich fast alles hart erarbeitet. Bei den Haien, aber auch im Nationalteam, wo er durch seine Führungsstärke, Geradlinigkeit und Autorität in der Kabine für mehrere Bundestrainer praktisch unverzichtbar wurde.
Entscheidende Rolle im Nationalteam
Als er im Februar noch einmal bei den Olympischen Winterspielen mitwirkte, bekam er zunächst kaum Eiszeit und wurde als Kapitän den NHL-Stars geopfert. Ein Fehler, wie Sportdirektor Christian Künast später einräumte. Bis zur entscheidenden Turnierphase war Müller plötzlich neben NHL-Top-Verteidiger Moritz Seider der beste deutsche Abwehrspieler. Der Routinier war es auch, der die Defizite rund um das Team angesichts des enttäuschenden deutschen Turniers schonungslos ansprach.
Verpasste Chance unter Trainer Jalonen
Sein großer Traum war es, mit den Kölner Haien noch einmal deutscher Meister zu werden. Nach den taktisch konservativen Jahren unter Trainer Uwe Krupp blühte der Veteran unter dem finnischen Star-Coach Kari Jalonen noch einmal auf. Drei verlorene Finalserien hatte er bis dahin bereits erlebt, die vierte kam im vergangenen Jahr unter Jalonen gegen die Eisbären hinzu. Die Gelegenheit auf seinen ersten Meistertitel schien aber nie so groß wie in dieser Saison. Die Dominanz der Kölner in der Hauptrunde war beeindruckend. „Wir haben uns definitiv mehr vorgenommen“, räumte Nationalstürmer Parker Tuomie ein.
Gegen die Eisbären Berlin scheinen die Kölner jedoch einfach nicht gewinnen zu können. „Wir waren ja ebenbürtig und eigentlich auch besser. Aber wir machen unsere Chancen einfach nicht“, sagte der Kölner Top-Scorer Dominik Bokk nach der enttäuschenden Niederlage.
Abschied von Trainer Jalonen
Für Kari Jalonen ist nun ebenfalls Schluss. Anders als Müller hat sich der DEL-Trainer des Jahres bereits klar geäußert, dass er zurück in seine finnische Heimat geht. „Ich habe jede Sekunde hier genossen. Aber jetzt ist es Zeit, nach Hause zu gehen“, erklärte der 66-Jährige. „Ich bin unfassbar stolz auf mein Team. Es ist großartig, was sie geleistet haben.“ Nur deutsche Meister sind sie wieder nicht geworden – eine bittere Enttäuschung für den gesamten Verein und besonders für Kapitän Moritz Müller, dessen Karriere nun möglicherweise ohne diesen ersehnten Titel zu Ende geht.



