Sophia Flörsch (25) gibt im AZ-Interview Einblicke in ihre Arbeit als Test- und Entwicklungsfahrerin bei Opel in der Formel E, spricht über ihren schweren Unfall in Macau 2018 und erklärt, warum sie die Formel E für spannender hält als die Formel 1.
Opel in der Formel E: Flörsch will Stammfahrerin werden
Opel startet in der kommenden Saison in der Formel E, und Sophia Flörsch ist als Test- und Entwicklungsfahrerin an Bord. Das bedeutet viel Arbeit im Simulator, doch Flörsch hat damit kein Problem: „Ich bin mit Simulatorarbeit aufgewachsen und bin das gewohnt. Es gibt zur neuen Saison zudem ja auch 15 Testtage auf verschiedenen Strecken. Anfang Mai geht es bereits zum Test nach Spanien. Es ist also nicht nur Simulatorarbeit.“ Ihr klares Ziel ist es, Stammfahrerin zu werden: „Alle Rennfahrer wollen in erster Linie Rennen fahren. Ich auch, sehr gerne im Opel-Cockpit. Dafür muss ich einfach die Chancen nutzen, die ich habe.“
Fahrstil: Lieber Übersteuern und Zweikämpfe
Ihren Fahrstil beschreibt Flörsch als kämpferisch: „An sich mag ich Autos, die übersteuern lieber als die, die untersteuern. Generell liegt mir das Rennen mehr als das Qualifying. Einfach, weil ich den Zweikampf mag und es liebe, den Vordermann zu verwirren oder da irgendwie schneller im Kopf zu sein.“
Der Unfall in Macau: Ein Einschnitt, der sie reifer machte
Der schwere Unfall 2018 in Macau, bei dem sie eine Wirbelsäulenfraktur erlitt, hat sie geprägt: „Durch so einen Einschnitt wird man schneller erwachsen. Der eigene Körper, die eigene Gesundheit wird einem noch bewusster. Bei mir hat der Unfall die Liebe zum Motorsport sogar noch gesteigert. Weil ich plötzlich lange nicht mehr machen konnte, was ich so liebe.“
Vorbilder: Hamilton und Vonn
Ihr Lieblingsmotorsportler ist Lewis Hamilton: „Er ist einfach eine coole Socke. Auch, weil er menschlich für wichtige Dinge einsteht. Selbst wenn er sich aktuell bei Ferrari schwertut, er hat immer performt. Ich habe ihn mal bei einer Laureus-Verleihung kennengelernt. Da war ich richtig aufgeregt.“ Ihre Lieblingssportlerin ist Lindsey Vonn: „Diese Frau ist der absolute Wahnsinn. Sie lebt für ihren Sport. Und ich kann zum Glück sagen, dass wir uns sogar etwas kennen, wir tauschen uns aus und haben auch schon zusammen trainiert.“
Leben in München und Hobbys
Flörsch wohnt in München und ist FC-Bayern-Fan: „Die Bayern. Das kann übrigens ganz lustig werden. Bayern spielt ja das Halbfinale der Champions League gegen Paris. Stellantis, Opels Mutterkonzern, ist ja französisch. Wenn das Spiel stattfindet, sind wir mit unseren französischen Kollegen beim Test. Das schauen wir uns gemeinsam an.“ In ihrer Freizeit liest sie Bücher, ihr Lieblingsautor ist Sebastian Fitzek, und sie trainiert für den Berlin-Marathon im September.
Formel E: Spannender als die Formel 1?
Die Formel E gastiert seit 2014 in Berlin, und es gibt Überlegungen, auch den Norisring in Nürnberg als Austragungsort zu gewinnen. Flörsch wäre begeistert: „Ich fände es toll, wenn wir am Norisring fahren würden. Da habe ich einst meine ersten Punkte in der DTM geholt. Das ist ein toller Stadtkurs.“ Zur Bedeutung der Formel E im deutschen Fernsehen sagt sie: „Das ist sehr wichtig. Das Racing in der Formel E ist über die Jahre immer besser geworden. Ich finde sogar, dass in der Formel E im Moment spannenderer Rennsport geboten wird als in der Formel 1. Zudem steht die Formel E für Nachhaltigkeit. Das ist die Zukunft.“



