Ein Jahrhundert voller Basketball-Magie: Die Harlem Globetrotters werden 100
Die Stimmung in der bescheidenen Sporthalle drohte an jenem Abend im Jahr 1939 tatsächlich zu kippen. Die Harlem Globetrotters dominierten in Woodfibre, British Columbia, ein Spiel gegen eine Mannschaft kanadischer Holzfäller mit einem erdrückenden 112:5. Als die Zuschauer langsam unruhig wurden, probierte Willie Oliver etwas völlig Neues aus, um sie bei Laune zu halten. Er warf den Ball hoch und fing ihn geschickt mit seinem Nacken auf. Sein Teamkollege, der dribbelstarke Al „Runt“ Pullins, gesellte sich dazu und tanzte um seine verdutzten Gegner. In diesem legendären Moment, so heißt es, fanden die Globetrotters ihre wahre Bestimmung.
Vom Sport zum Entertainment: Die Geburt einer Marke
Show, Slapstick und purer Spaß entwickelten sich fortan zum unverkennbaren Markenzeichen der tingelnden Profi-Truppe, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Die Globetrotters verwandelten Basketball in ein unterhaltsames Spektakel. Seit ihrer Gründung im Jahr 1926 haben sie mehr als 27.000 Spiele in 124 verschiedenen Ländern absolviert und zählen auf Instagram stolze 1,2 Millionen Follower. Kein anderes Team hat den Basketball-Sport auf eine so einzigartige und prägende Weise beeinflusst.
Umstrittene Anfänge und ein visionärer Gründer
Die genauen Anfänge sind unter Historikern teilweise umstritten. Unbestritten ist jedoch die zentrale Rolle von Abraham „Abe“ Saperstein. Er stieg 1926 in Chicago beim Basketball-Team der „Savoy Big Five“ ein und verpasste ihm einen neuen, prägnanten Namen. Da die Truppe ausschließlich aus Spielern afroamerikanischer Herkunft bestand und Harlem damals als kulturelles Zentrum der schwarzen Bevölkerung in den USA galt, fiel die Wahl auf diesen New Yorker Stadtteil. Saperstein ließ zudem neue Trikots im unverkennbaren Stars-and-Stripes-Look der amerikanischen Flagge anfertigen. „Mein Großvater ging zu meinem Urgroßvater, der ein Schneider war“, berichtete seine Enkelin Abra später. „Er wollte die Spieler buchstäblich in die amerikanische Flagge wickeln.“ Der Namenszusatz „Globetrotters“ (Weltenbummler) spiegelt wohl vor allem die große Hoffnung auf eine internationale Zukunft wider.
Ein steiniger Weg und historische Siege
Das erste Auswärtsspiel fand am 7. Januar 1927 in Hinckley, Illinois, statt, etwa 80 Kilometer westlich von Chicago. Die Globetrotters reisten in einer klapprigen Schrottkarre an, die Saperstein einem Bestatter abgekauft hatte. Jeder Spieler erhielt pro Partie lediglich 7,50 Dollar. Immer wieder wurden den schwarzen Athleten der Zutritt zu Hotels und Restaurants verwehrt – eine bittere Realität in einer Zeit, in der die erst 1940 gegründete NBA noch weitere zehn Jahre brauchte, um die ersten drei afroamerikanischen Spieler zu verpflichten.
Trotz dieser Hürden gewannen die Globetrotters 1940 das prestigeträchtige „World Professional Basketball Tournament“. In ihren frühen Jahren maßen sie sich wiederholt mit Teams der NBA und besiegten 1948 sogar die Minneapolis Lakers, die später als Los Angeles Lakers berühmt wurden. Nach ihrer Wandlung zur reinen Show-Truppe brachten sie stets ihren eigenen Gegner mit: die Washington Generals. Deren Trainer Red Klotz gestand einmal mit einem Schmunzeln: „Ich habe etwa 14.000 Spiele verloren.“
Pioniere für Gleichberechtigung und globale Botschafter
1985 kam mit Olympiasiegerin Lynette Woodard die erste Frau zum Team. Wegen ihrer Vorreiterrolle im Kampf gegen Rassismus und für Gleichberechtigung ließen sich sogar Päpste und US-Präsidenten gerne mit den charismatischen Globetrotters fotografieren.
Viele große Sportkarrieren begannen bei den „Globies“. Dazu zählt NBA-Legende Wilt Chamberlain, dessen Rekord von 100 Punkten in einem einzelnen Spiel bis heute ungebrochen ist. Sogar in der deutschen Easycredit Basketball Bundesliga traten Ehemalige auf: Clint-Cotis Harrisson wechselte 1999 zum MBC nach Weißenfels und gewann 2004 mit den Köln 99ers den Pokal. Aufgrund dieser positiven Erfahrungen verpflichteten die Kölner 2008 mit Robert Turner einen weiteren Ex-Globetrotter.
Doch jenseits aller sportlichen Erfolge und Rekorde bleibt die wichtigste Mission der berühmtesten Basketballer der Welt bestehen. Wie Ex-Spieler Billy Holley betonte: „Es gibt eine große Nachfrage nach Freude in der Welt. Wir sind hier, um die Menschen zum Lächeln zu bringen.“ Ein Auftrag, den die Harlem Globetrotters seit einem Jahrhundert mit Bravour erfüllen.



