Almuth Schult: Neuer-Debatte ist sportlich unnötig
Almuth Schult: Neuer-Debatte sportlich unnötig

Die ehemalige Nationaltorhüterin Almuth Schult hat in einem Interview mit der AZ zur anstehenden Weltmeisterschaft in den USA, der Debatte um Manuel Neuer und Bundestrainer Julian Nagelsmann Stellung bezogen.

Die USA sind bereit für eine Mega-WM

Auf die Frage, ob die USA für eine solche Mega-WM bereit seien, antwortete Schult: „Dieses Wort ‚mega‘ passt schon ziemlich gut zu den USA. Die können keine kleinen Dinge – alles ist größer, oft sogar überdimensioniert. Das fängt beim Essen an und hört bei Sportveranstaltungen nicht auf. Wenn sie etwas organisieren, dann richtig groß.“ Sie sei vor allem gespannt auf die kulturellen Unterschiede, da ein Turnier in den USA anders sein werde als in Europa oder Südamerika.

Unterschiede in der Fußballkultur

Schult erläuterte, dass Fußball in den USA stärker als Frauensport verankert sei. Während sich der Frauenfußball in Europa erst in den letzten Jahren richtig entwickelt habe, sei er dort schon viel länger nahezu gleichberechtigt angesehen. Bei den Männern dominierten andere Sportarten wie American Football, Baseball oder Basketball. Trotzdem seien die Stadien voll, weil die Menschen generell sportbegeistert seien. Diese Offenheit und Begeisterung werde man auch bei der WM spüren.

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Thomas Müller als Botschafter?

Gefragt, ob Thomas Müller als „Soccer-Botschafter“ in Nordamerika etwas bewegen könne, sagte Schult: „Solche Spieler haben definitiv Einfluss. Müller ist eine Identifikationsfigur, gerade wenn er in einer Stadt wie Vancouver spielt, die auch WM-Standort ist. Aber er ist nicht allein. Es gibt viele internationale Spieler in der MLS, auch deutsche. Und jemand wie Lionel Messi hat natürlich noch einmal eine ganz andere Strahlkraft.“

Neuer-Debatte: Sportlich unnötig

Zum Thema Manuel Neuer meinte Schult: „Ich muss darüber ehrlich gesagt schmunzeln. Es zeigt ja auch, wie sehr die Fans noch an ihm hängen. Mit seinem Namen verbindet man den WM-Titel 2014, und viele wünschen sich vielleicht, dass er so etwas noch einmal wiederholt. Aber sportlich braucht man diese Diskussion nicht. Er hat seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet, das hat er mehrfach klar gesagt. Gleichzeitig haben wir mit Oliver Baumann jemanden, der solide Leistungen zeigt. Da sollte man ihm auch den Respekt entgegenbringen.“

Fairness gegenüber Baumann

Sie ergänzte: „Ständige Nachfragen sind nachvollziehbar, aber irgendwann auch nervig. Und es ist nicht wirklich fair gegenüber Baumann, weil es unterschwellig suggeriert, dass man mit ihm unzufrieden ist – obwohl das gar nicht der Fall sein muss.“ Schult führte aus, dass Deutschland lange als Torhüter- und Stürmerland gegolten habe, aber beides verändere sich. „Wir hängen oft an alten Bildern und Erwartungen. Aber Fußball entwickelt sich weiter, und da muss man sich auch anpassen.“

Nagelsmanns Teamansatz

Zur Philosophie von Julian Nagelsmann, der auf das Funktionieren als Gruppe setzt, sagte Schult: „Absolut. Um jede Entscheidung im Detail zu verstehen, müsste man sehr nah an der Mannschaft dran sein. Aber grundsätzlich ist es logisch, dass nicht nur die individuelle Leistung zählt, sondern auch, wie jemand ins Team passt. Leistung hängt stark vom Umfeld ab. Wenn man sich wohlfühlt, bringt man bessere Leistungen. Gerade bei Turnieren, bei denen man mehrere Wochen zusammen ist, ist das entscheidend.“

Widersprüchliche Entscheidungen?

Auf widersprüchlich wirkende Entscheidungen, etwa bei Nick Woltemade und Deniz Undav, angesprochen, erklärte Schult: „Das stimmt. Manchmal werden ähnliche Argumente unterschiedlich ausgelegt – bei dem einen Spieler so, beim anderen so. Das sorgt natürlich für Diskussionen, aber auch das gehört dazu. Wichtig ist, dass der Trainer gegenüber seinen Spielern authentisch bleibt. Und Nagelsmann hat bei der EM gezeigt, dass er ein funktionierendes Team zusammenstellen kann.“

Abschließend meinte Schult zur Kritik an Nagelsmann: „Der Job des Bundestrainers wird in Deutschland immer extrem kritisch begleitet. Fußball nimmt einfach viel Raum ein, und jeder hat eine Meinung. Damit muss man umgehen können. Die Diskussionen werden nie aufhören.“

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