Steffen Baumgart und die Coaching-Zone: Eine ungewöhnliche Fernbeziehung im Fußball
Union-Trainer Steffen Baumgart (58) zeigte beim 1:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen einmal mehr seine unverwechselbare Art. Der passionierte Fußballlehrer agierte während der gesamten Partie als zwölfter Mann und peitschte seine Elf von der Seitenlinie aus bis zur letzten Minute an. Dabei hielt er sich häufig deutlich außerhalb der vorgeschriebenen Coaching-Zone auf, was zu mehreren Ermahnungen durch das Schiedsrichterteam führte.
Die ungewöhnliche Dynamik an der Seitenlinie
Die weiße Coaching-Zone beginnt an der Trainerbank und erstreckt sich jeweils einen Meter nach links und rechts. Baumgart jedoch zog es immer wieder deutlich weiter nach vorn, zeitweise tauchte er sogar in der Nähe des Sechzehners auf. Nicht immer zur Freude des vierten Offiziellen Konrad Oldhafer (30), der den Union-Trainer mehrfach zurückbeorderte. Auf eine Gelbe Karte verzichtete das Schiri-Team aber in dieser Partie.
Während Bayer-Trainer Kasper Hjulmand (53) meist wie versteinert vor seiner Bank stehen blieb, spulte Baumgart Meter um Meter ab, ging für einen besseren Blickwinkel in die Hocke und war akustisch nicht zu überhören. Immer wieder formte der engagierte Fußballlehrer Daumen und Zeigefinger der rechten Hand zum Signal und pfiff laut übers Feld. Diese Energie schien auf seine Spieler überzuspringen, die sich in der heißen Schlussphase in jeden Ball warfen.
Baumgarts Erklärung für sein Verhalten
Der Union-Trainer kommentierte sein Verhalten nach dem Spiel: „Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass gerade die Schiedsrichter lernen, mit mir umzugehen und manchmal etwas ruhiger agieren. Dann führt man ein kurzes Gespräch und dann ist es gut. Und dann merke ich auch, dass ich zurückrudern muss.“
Diese Aussage zeigt die besondere Dynamik, die sich zwischen Baumgart und den Unparteiischen entwickelt hat. Der Trainer scheint ein gewisses Verständnis für seine emotionale Art gefunden zu haben, während er gleichzeitig bereit ist, bei Bedarf zurückzustecken.
Was ist die Coaching-Zone eigentlich?
Die sogenannte Coaching-Zone oder auch „technische“ Zone ist der klar markierte Bereich außerhalb des Spielfelds direkt vor den Ersatzbänken. Dort dürfen sich Trainerteam, Betreuer und Auswechselspieler während der Partie aufhalten. Für diesen Bereich gelten feste Vorgaben: Nur eine Person – meist der Cheftrainer – darf Anweisungen geben. Wie viele Personen sich insgesamt dort aufhalten dürfen, ist ebenfalls genau geregelt, in der Regel acht Personen plus Auswechselspieler.
Nur in besonderen Situationen, etwa bei Verletzungen, dürfen Trainer oder Betreuer den Bereich auf Anweisung des Schiedsrichters verlassen. Die Coaching-Zone ist seit 1993 fester Bestandteil des FIFA-Regelwerks und soll für klare Verhältnisse an der Seitenlinie sorgen.
Eine besondere Trainer-Persönlichkeit
Steffen Baumgart hat sich mit seiner emotionalen und engagierten Art längst einen Namen in der Bundesliga gemacht. Sein Umgang mit der Coaching-Zone zeigt, dass er Regeln respektiert, aber gleichzeitig seinen eigenen Weg sucht, um seine Mannschaft zu unterstützen. Die Tatsache, dass Schiedsrichter Harm Osmers (41) und vierter Offizieller Konrad Oldhafer in dieser Partie zwar ermahnten, aber keine Gelbe Karte zeigten, spricht für eine gewisse gegenseitige Akzeptanz.
In einem Moment des Spiels entstand sogar eine vertauschte Rollensituation: Während Oldhafer in der Coaching-Zone stand, befand sich Baumgart klar außerhalb des markierten Bereichs. Solche Szenen unterstreichen die besondere Beziehung zwischen dem Union-Trainer und den Regularien des modernen Fußballs.
Baumgarts Herangehensweise mag unkonventionell sein, aber sie zeigt Wirkung. Seine Spieler reagieren sichtbar auf seine Anfeuerungen, und der Sieg gegen Leverkusen beweist, dass seine Methoden erfolgreich sein können. Die Coaching-Zone bleibt dabei ein interessanter Spannungsbereich zwischen Regelwerk und Trainerpersönlichkeit.



