Champions League: Bayern mit Kane in entscheidender Phase - BVB-Debakel als Mahnung
Für den FC Bayern München beginnt in der Königsklasse nun die wirklich entscheidende Phase. Ohne ihren erfahrenen Kapitän Manuel Neuer, dafür aber mit der Rückkehr des Torjägers Harry Kane, treten die Münchner im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League an. Die Vorsicht ist jedoch geboten: Gegner Atalanta Bergamo hat sich nicht nur gegen Borussia Dortmund als wahrer Albtraum für deutsche Mannschaften erwiesen.
Kane zurück, Neuer fehlt - Personalien vor Bergamo-Duell
Harry Kane kann das erste K.o.-Duell des FC Bayern in dieser Champions League-Saison kaum erwarten. Der lächelnde Stürmerstar schritt bereits beim Abschlusstraining als erster Feldspieler mit Ball auf den Rasen und zeigte sich nach seinen Wadenproblemen bereit für die Kraftprobe in Bergamo. Seine Rückkehr verstärkt die Zuversicht im Team - trotz des schmerzhaften Ausfalls von Torhüter Manuel Neuer, der seinen dritten Muskelfaserriss innerhalb von drei Monaten erlitten hat.
„Harry ist wieder im Training. Sein Ausfall war nicht so lange, man hat sorgsam draufgeschaut“, sagte Sportvorstand Max Eberl vor dem kurzen Flug nach Italien. Dennoch betonte er: „Wir brauchen fitte Spieler, die von der ersten Minute an parat sind.“ Als Vertreter von Neuer freute sich Torwart Jonas Urbig bereits auf die „kommende heiße Phase“ im europäischen Fußball.
Dortmunds Debakel als deutliche Warnung
Am Dienstagabend strebt der deutsche Fußball-Rekordmeister einen erfolgreichen Start in die Alles-oder-Nichts-Spiele an. Und das ausgerechnet an jenem Ort, den Borussia Dortmunds Profis gerade erst nach einer deutlichen 1:4-Niederlage ramponiert verließen. „Atalanta hat gegen Dortmund gezeigt, wo die Gefahren liegen“, mahnte Eberl eindringlich. „Das wird ein sehr hitziges und sehr intensives Spiel werden. Es kommt eine große Aufgabe auf uns zu. Wir sind Favorit, trotzdem sollte man den Underdog nie unterschätzen.“
In der Bundesliga können sich die Bayern angesichts von elf Punkten Vorsprung den Titel praktisch nur noch selbst vermasseln. Im DFB-Pokal fehlt lediglich ein Sieg in Leverkusen zur ersehnten Finalreise nach Berlin. Doch in der Champions League wartet nun die eigentliche Bewährungsprobe: Gegen den Tabellensiebten der Serie A soll eine Woche vor dem Rückspiel in München der Start in die entscheidende Saisonphase glücken.
Kompany mit logischen Personalentscheidungen
„Jetzt kommt die Crunchtime“, frohlockte Mittelfeldstar Jamal Musiala, der nach seiner schweren Verletzung beim Tor-Comeback in der Bundesliga aufsteigende Form dokumentierte. „Egal, wer auf dem Platz ist, muss Vollgas und Energie geben.“
Diese Energie war bei Kane bereits beim Abschlusstraining in München spürbar. Doch nicht nur der Torjäger ist nach seiner Prellung zurück. Auch die beim 4:1 gegen Gladbach geschonten Spieler Michael Olise, Jonathan Tah, Aleksandar Pavlovic und Serge Gnabry können ausgeruht zur Tat schreiten. „Ich denke, ich habe immer logische Entscheidungen getroffen“, sagte Trainer Vincent Kompany zu seinen Personalrochaden vor dem Kräftemessen mit dem Europa-League-Sieger von 2024.
Bittere Erinnerungen und deutsche Warnsignale
Vor zwei Jahren präsentierte sich das Team aus der Lombardei gegen die seinerzeit fast unschlagbaren Leverkusener durch ein 3:0 bereits einmal als wahrer Deutschland-Schreck. Abwehrchef Jonathan Tah erinnert sich nicht gerne an diese Begegnung. „Das ist ein guter Gegner. Sie spielen intensiven Fußball“, sagte der Nationalspieler. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Atalanta gewann seit Anfang 2024 vier von fünf Begegnungen gegen Mannschaften aus Deutschland.
Die Bayern sind also gewarnt. Gleichzeitig sollten sie Bergamo mit ihrer Offensivpower jedoch vor ganz andere Herausforderungen stellen, als es zuletzt dem BVB gelang. In der Bundesliga haben Kane und Co. beste Voraussetzungen, den Uralt-Rekord von 101 Treffern in dieser Saison zu knacken. Auch in der Königsklasse zählt das Trio Kane, Olise und Luis Díaz zu den gefährlichsten Angriffsformationen Europas.
Kein Standby-Modus mehr möglich
„Im Vergleich zur Ligaphase wird es jetzt schwieriger. Denn jetzt sind die besten Mannschaften übriggeblieben“, sagte der kolumbianische Stürmer Luis Díaz. Sein Teamkollege Michael Olise ermahnte die Mannschaft mit deutlichen Worten: „Man kann ab sofort keine Partie mehr im Standby-Modus bestreiten“, äußerte er in einem Vereinsinterview.
Bayerns Königsweg ins Finale am 30. Mai in Budapest ist anspruchsvoll definiert: Erst muss Bergamo überwunden werden, dann im Viertelfinale der Sieger aus dem Gipfeltreffen Real Madrid gegen Manchester City. Und im Falle eines Halbfinaleinzugs warten möglicherweise der FC Liverpool oder Titelverteidiger Paris Saint-Germain. „Wenn wir unsere Energie und Performance auf den Platz bringen, haben wir eine gute Chance auf die nächste Runde“, äußerte Sportdirektor Christoph Freund zuversichtlich.
Urbig vor großer Chance zwischen den Pfosten
Eine entscheidende Rolle könnte Torwart Jonas Urbig einnehmen. Kapitän Neuer fällt mit seinem dritten Muskelfaserriss innerhalb von drei Monaten erneut aus - ähnlich wie im Vorjahr, als Urbig im Achtelfinal-Hinspiel gegen Leverkusen für Neuer eingewechselt worden war. Gegen Bayer sowie beim unglücklichen Viertelfinal-Aus gegen Inter Mailand hatte sich der junge Torhüter damals als sicherer Rückhalt zwischen den Pfosten erwiesen.
„Ich finde, wir haben als Mannschaft im Vergleich zum letzten Jahr noch mal einen Riesenschritt nach vorn gemacht“, sagte der 22-Jährige nun. Er selbst habe dazu gelernt, „aufgrund des guten Torwartteams und der Erfahrung von Manuel“. Für den nahenden Generationenwechsel im Bayern-Tor kann Urbig wohl gleich in beiden Partien gegen Bergamo weitere überzeugende Eigenwerbung betreiben.
Bergamos DNA: Fußball mit Herz auf Hochtouren
Nach dem als episch gefeierten BVB-Abend rechnet sich Atalanta auch gegen Bayern durchaus etwas aus. „Es ist unsere DNA, jedes Spiel mit Herz auf Hochtouren zu genießen“, sagte Trainer Raffaele Palladino. Der frühere deutsche U21-Nationalspieler Lazar Samardzic zählt zu den Führungsfiguren des italienischen Teams. Auch Nikola Krstovic und Italiens Nationalspieler Gianluca Scamacca gelten als äußerst gefährliche Angreifer, die der Bayern-Defensive ernsthafte Probleme bereiten könnten.
Die Münchner stehen somit vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits müssen sie die individuelle Klasse ihrer Stars auf den Platz bringen, andererseits gilt es, den kollektiven Kampfgeist der Italiener zu brechen. Die Champions League hat die wirklich heiße Phase erreicht - und der FC Bayern will dabei nicht nur Zuschauer, sondern bestimmender Akteur sein.



