Torwart-Krise beim FC Bayern: 16-Jähriger Prescott vor historischem Champions-League-Debüt
Die Verletzungsserie bei den Torhütern des FC Bayern München könnte zu einem außergewöhnlichen Szenario führen: Im Champions-League-Achtelfinalrückspiel gegen Atalanta Bergamo am Mittwochabend könnte der erst 16-jährige Leonard Prescott aus der U19-Mannschaft sein Profidebüt für den deutschen Rekordmeister geben. Diese Entwicklung wirft nicht nur sportliche Fragen auf, sondern bringt auch das Jugendarbeitsschutzgesetz ins Spiel.
Ausfälle bei allen etablierten Torhütern
Die Situation ist für den FC Bayern außergewöhnlich angespannt. Manuel Neuer fällt nach einem erneuten Muskelfaserriss in der Wade bis mindestens April aus und wird damit erst nach der Länderspielpause und seinem 40. Geburtstag am 27. März wieder verfügbar sein. Auch Ersatztorwart Sven Ulreich, der beim 1:1 gegen Bayer Leverkusen am Samstag eine starke Vorstellung nach anderthalb Jahren ohne Pflichtspieleinsatz gezeigt hatte, muss wegen eines Muskelbündelrisses pausieren.
Einzig bei Jonas Urbig besteht noch Hoffnung auf eine Rückkehr für das wichtige Rückspiel. Der 22-Jährige hatte beim 6:1 im Hinspiel vor einer Woche eine Gehirnerschütterung erlitten und muss ein spezielles mehrstufiges Programm durchlaufen, bei dem die Belastung schrittweise gesteigert wird. „Ich glaube, Jonas ist auf einem guten Weg, vielleicht kann Jonas am Mittwoch wieder spielen“, sagte Ulreich noch vor der Diagnose seiner eigenen Verletzung.
Prescott und Bärtl als Notlösungen
Sollte Urbig nicht rechtzeitig fit werden, stünden dem FC Bayern nur noch junge Talente zur Verfügung. Neben dem 16-jährigen Leonard Prescott aus der U19 wäre auch Jannis Bärtl (19) von den Bayern-Amateuren eine Option. Die eigentliche Nummer 4 der Profis, Leon Klanac (19), ist aktuell ebenfalls verletzt.
Prescott, der mit 1,96 Metern über beeindruckende physische Voraussetzungen verfügt, gilt als Riesentalent und war bereits im Hinspiel gegen Bergamo sowie beim Bundesligaspiel gegen Leverkusen im Kader. Sein möglicher Einsatz vor 75.000 Zuschauern in der Allianz Arena wäre ein historischer Moment für den in den USA geborenen Torhüter.
Jugendarbeitsschutzgesetz im Fokus
Ein Einsatz des 16-Jährigen wirft jedoch rechtliche Fragen auf. Das Jugendarbeitsschutzgesetz sieht grundsätzlich vor, dass Jugendliche unter 18 Jahren nur zwischen 6.00 und 20.00 Uhr beschäftigt werden dürfen. Seit 2021 gibt es allerdings eine Ausnahmeregelung für den Profifußball, die es 16-Jährigen erlaubt, bei Abendspielen ihre Tätigkeit bis 23.00 Uhr auszuüben.
Diese Regelung war bereits während der EM 2024 in Deutschland im Zusammenhang mit Spaniens Topstar Lamine Yamal (damals 16) diskutiert worden. Sollte das Spiel deutlich über 23.00 Uhr hinausgehen, könnte dies arbeitsrechtlich problematisch werden. Bei einem klaren Vorsprung aus dem Hinspiel wird eine Verlängerung jedoch nicht erwartet, was die Situation entschärfen würde.
Sportliche und rechtliche Konsequenzen
Sportliche Folgen drohen dem FC Bayern bei einem möglichen Regelverstoß nicht. Theoretisch denkbar wäre lediglich eine Geldstrafe wegen einer Ordnungswidrigkeit. Die Aufmerksamkeit liegt jedoch vor allem auf der sportlichen Leistung: Kann ein 16-Jähriger auf dieser großen Bühne bestehen?
Die Situation erinnert an historische Debüts junger Talente im Profifußball und zeigt gleichzeitig, wie Verletzungspech eine Mannschaft in unerwartete Situationen bringen kann. Für Trainer Vincent Kompany bedeutet dies eine weitere Herausforderung in einer bereits von personellen Engpässen geprägten Saison.



