Böller-Attacke bei Drittliga-Spiel: Essens Torwart Wienand mit Knalltrauma außer Gefecht
Im Drittliga-Fußballspiel zwischen Rot-Weiss Essen und dem SV Waldhof Mannheim ist es zu einem schwerwiegenden Zwischenfall gekommen. Essens Torhüter Felix Wienand erlitt nach einer Böller-Explosion ein Knalltrauma und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei hat inzwischen einen Tatverdächtigen identifiziert und ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.
Spielunterbrechung und medizinische Versorgung
In der 53. Spielminute fiel Wienand in seinem Strafraum nach einem lauten Knall zunächst auf die Knie, hielt sich die Ohren und wurde benommen in die Kabine geführt. Schiedsrichter Lennart Kernchen unterbrach die Partie für 45 Minuten. „Ihm geht es wirklich nicht gut“, sagte Essens Trainer Uwe Koschinat nach dem Spiel. Der Torwart wurde noch in der Nacht ins Krankenhaus gebracht und am Donnerstagmorgen von einem Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten untersucht.
Rot-Weiss Essen teilte am Donnerstag mit, Wienand sei vorerst „aufgrund eines Knalltraumas, einhergehend mit einem deutlichen Hörverlust, nicht spielfähig“. Der Torwart bleibe in ärztlicher Betreuung und könne derzeit weder am Spiel- noch am Trainingsbetrieb teilnehmen. Ein Einsatz am Samstag in der Partie bei der TSG Hoffenheim II sei ausgeschlossen.
Polizeiliche Ermittlungen und DFB-Verfahren
Die Essener Polizei hat einen 50 Jahre alten Deutschen aus Ludwigshafen am Rhein als Tatverdächtigen identifiziert und erkennungsdienstlich behandelt. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung und Herbeiführung einer Sprengstoff-Explosion ermittelt. Der Mann wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen.
Parallel dazu hat der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und den SV Waldhof Mannheim zu einer Stellungnahme aufgefordert. Der DFB reagierte damit auf den Sonderbericht des Schiedsrichters und des Sicherheitsbeobachters.
Reaktionen der beteiligten Vereine
Der SV Waldhof Mannheim verurteilte die Aktion deutlich: „Böller-Detonationen haben im Fußballstadion keinen Platz“. Man wünsche Wienand eine „gute und schnelle Genesung“. Die Mannheimer erklärten weiter, es habe sich bei der Szene mit Wienand um eine einzige Böllerzündung in der letzten Reihe der Gästetribüne gehandelt. Unabhängig davon verurteile man aber jede Form von unsachgemäßem Umgang mit Pyrotechnik.
Rot-Weiss Essen entschied sich nach intensiver Abwägung, keinen Protest gegen die Spielwertung einzulegen. Das Spiel war mit 1:0 für Essen geendet, nachdem Marek Janssen in der 31. Minute getroffen hatte. Für den verletzten Wienand war in der zweiten Halbzeit Ersatztorwart Tino Casali ins Spiel gekommen.
Weitere Konsequenzen und Aufarbeitung
Der SV Waldhof kündigte an, die Geschehnisse gemeinsam mit den zuständigen Behörden und dem Veranstalter weiter aufarbeiten und mögliche Konsequenzen prüfen zu wollen. „Solche Aktionen gefährden Menschen, schaden dem Fußball und widersprechen den Werten, für die unser Verein steht“, schrieben die Mannheimer in ihrer Stellungnahme.
Während der gesamten Partie war es im Stadionbereich zu mehreren Vorkommnissen mit Pyrotechnik, Feuerwerk und Detonationen gekommen. Die Spieler beider Mannschaften hätten über die gesamte Spielzeit unter dem ständigen Einfluss dieser Aktionen gestanden.



