Vom Problem zur Stärke: Der BVB dreht bei Standardsituationen plötzlich auf
Seit Beginn des Jahres 2026 hat Borussia Dortmund eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Ausgerechnet nach dem Weggang des Standard-Trainers Alex Clapham sind die Schwarz-Gelben bei ruhenden Bällen auffällig gefährlich geworden. Diese neue Stärke könnte in den kommenden entscheidenden Spielen eine zentrale Rolle spielen.
Die erstaunlichen Zahlen des BVB
Seit dem Restart Anfang Januar erzielte der BVB zehn seiner 23 Pflichtspieltore nach ruhenden Bällen. Das entspricht einem beachtlichen Anteil von 43 Prozent. Vor der Winterpause waren es lediglich 15 von 47 Toren gewesen, was 32 Prozent ausmachte. In der gesamten laufenden Saison kommt Dortmund sogar auf 36 Prozent seiner Pflichtspieltore nach Standardsituationen.
Besonders beeindruckend: In den sieben Bundesliga-Spielen nach der Winterpause erzielte das Team von Trainer Niko Kovac bereits zehn Standardtore – mehr als jeder andere Verein in diesem Zeitraum. Vor der Pause waren es in 15 Ligaauftritten lediglich neun gewesen.
Von der Schwäche zur Rekordmarke
Das Kuriose an dieser Entwicklung: Noch in der Hinrunde hatte es regelmäßig Diskussionen um die Dortmunder Schwäche nach ruhenden Bällen gegeben. Speziell nach dem DFB-Pokal-Aus gegen Bayer Leverkusen, als keine der elf BVB-Ecken für echte Gefahr sorgte, kochte das Thema hoch.
Doch jetzt präsentiert sich ein völlig anderes Bild: Mit zehn Eckballtoren in dieser Spielzeit hält der BVB aktuell den Ligaspitzenwert. Nach 22 Spieltagen bedeuten diese zehn Treffer nach Ecken zudem einen eingestellten Bundesliga-Rekord seit Beginn der detaillierten Datenerfassung 2004/05.
Ryerson als Schlüsselfigur
Besonders deutlich wurde die neue Standardstärke am vergangenen Freitag gegen Mainz, als drei von vier schwarz-gelben Toren aus Ecken oder Freistößen resultierten. Im Mittelpunkt stand Außenverteidiger Julian Ryerson, der alle vier Tore vorbereitete – darunter drei nach ruhendem Ball.
Der Norweger kommt in dieser Bundesliga-Saison auf sechs Vorlagen durch Standards – Bestwert in Europas Top-5-Ligen, zusammen mit Manchester Uniteds Bruno Fernandes. Mit insgesamt elf Assists ist der BVB-Profi zudem der zweitbeste Vorbereiter der Liga nach Bayerns Michael Olise.
Interne Lösung geht perfekt auf
Nach der Trennung von Standard-Trainer Alex Clapham, dessen Vertrag am Saisonende ohnehin ausgelaufen wäre, kündigte Kovac an: „Jetzt sind andere gefragt.“ Gemeint waren der Kroate selbst und seine Assistenten, da die Stelle nicht nachbesetzt wurde.
Sportdirektor Sebastian Kehl erklärte nach dem Spiel gegen Mainz: „Wir haben ein paar Sachen umgestellt und es wäre jetzt unfair, es an einer Person festzumachen.“ Die BVB-Profis führen den Erfolg vor allem auf die Trainingsarbeit zurück.
Gezieltes Training zeigt Wirkung
Innenverteidiger Waldemar Anton betonte, dass die Mannschaft im Wintertrainingslager in Marbella gezielt „Abläufe und Kleinigkeiten“ einstudiert habe. Er hob auch die Qualität der Dortmunder Standardschützen hervor: „Es ist immer sehr wichtig, dass der Ball dahinkommt, wo er hinkommen soll, und das machen unsere Standardschützen sehr, sehr gut.“
Top-Vorbereiter Ryerson erklärte, dass das Team zwar Standards trainiere, aber nicht übermäßig. „Wir haben klare Aufgaben. Wenn jeder die erfüllt, wird es gefährlich“, meinte der 28-Jährige.
Entscheidende Rolle für die Zukunft
In der Bundesliga kommt der BVB aktuell auf die zweitmeisten Standardtore (19), nur der FC Bayern (20) toppt diesen Wert. Ende Februar steht der große Showdown in der Liga an, und auch in der Champions League könnten bald zwei Duelle folgen. Dortmunds neue Stärke bei ruhenden Bällen könnte dabei den entscheidenden Unterschied machen.
Fest steht: Was vor dem Jahreswechsel noch als Problem galt, ist heute eine echte Waffe des BVB. Die ruhenden Bälle sind aktuell ein echter Erfolgsfaktor, der die Mannschaft in der entscheidenden Phase der Saison entscheidend voranbringen könnte.



