Energie Cottbus steht vor der Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga. Nach zwölf Jahren Abstinenz, davon sieben in der Viertklassigkeit, könnte der Verein ein Fußballmärchen wahr werden lassen. Vor dem Saisonfinale beim SSV Jahn Regensburg am Samstag (13.30 Uhr/rbb und Magenta Sport) ist die Ausgangslage vielversprechend: Mit einem Sieg bleibt Cottbus definitiv vor Duisburg und Essen und steigt sicher auf. Ein Unentschieden reicht, wenn die Verfolger nicht hoch gewinnen. Bei einer Niederlage hofft Energie auf Patzer der Konkurrenz.
„Lausitz-Mourinho“ will Spektakel
Trainer Claus-Dieter Wollitz, der aufgrund seiner kauzigen Art als „Lausitz-Mourinho“ bezeichnet wird, nimmt den Druck von seiner Mannschaft. „Wenn wir es nicht schaffen sollten, gibt es sowieso nur einen Verlierer und der sitzt hier. Das ist sicher wie das Amen in der Kirche, deswegen kann die Mannschaft befreit aufspielen“, sagte der 60-Jährige. Er setzt auf Offensivfußball: „Wir sind keine Mannschaft, die passiv spielen kann. Ich möchte Spektakel. Nur Spektakel kann Möglichkeiten geben, sich frei zu bewegen. Dich überzeugt zu bewegen. Wir haben junge, unbekümmerte Spieler.“
Emotionen und Unterstützung der Fans
Der frühere Bundesliga-Profi Tolga Cigerci lobte seinen Trainer: „Ich habe viele Trainer in meiner Karriere gehabt. Aber dieser Typ, der hat mich richtig berührt. Er ist menschlich top. Diese Emotionen, die er uns im Training vor dem Spiel gibt. Das kriegen nicht viele hin. Ich bin dankbar, dass ich so einen Trainer noch in meiner Karriere haben darf.“ Rund 6.000 Fans werden den Drittligisten nach Regensburg begleiten, viele weitere verfolgen das Spiel beim Public Viewing. Gastronom Frank Kuban von der Strandpromenade berichtete: „Die Leute rennen uns die Bude ein. Man merkt: Die Leute sind euphorisch und stolz auf Energie.“
Wollitz würdigte die besonderen Umstände des Vereins: „Wir haben Standortnachteile, wir haben Infrastruktur-Nachteile, wir sind im Etatranking im hinteren Bereich. Wenn es eine Mannschaft verdient hat, dann diese.“ Als Dank für den Support stellte er den Fans eine besondere Belohnung in Aussicht: „Ich kann auch jedem Fan drei Bier ausgeben. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen hätte ich. Ich gebe denen auch noch eine Bratwurst aus und haue jedem den Senf darauf.“



