DFL stellt sich gegen Politik: Neue Stadionverbots-Richtlinien im Fokus
DFL gegen Politik: Neue Stadionverbots-Richtlinien

Neue Stadionverbots-Richtlinien: DFL stellt sich gegen Politik und Polizei

Das heikle Thema Stadionverbote und die Überarbeitung der entsprechenden Richtlinien des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) standen im Mittelpunkt der Sitzung des DFL-Präsidiums am Dienstag in Düsseldorf. Forderungen der Politik, mit drastischen Maßnahmen wie personalisierten Tickets, KI-Gesichtserkennung an Stadioneingängen und reduzierten Gästekarten härter gegen Störer vorzugehen, konnten zwar abgewehrt werden. Dennoch hat die Innenministerkonferenz (IMK) DFL, DFB und die Klubs verbindlich zu einer Neuregelung des Themas Stadionverbote aufgefordert.

Fokus auf Einzelfälle statt Kollektivstrafen

Statt auf Kollektivstrafen setzen die neuen Richtlinien auf eine bessere Verfolgung einzelner Gewalttäter und Pyrotechnik-Chaoten. Das ursprüngliche Vorhaben der Politik, dass Stadionverbote künftig durch eine unabhängige zentrale Stadionverbots-Kommission verhängt werden sollen, konnte die DFL erfolgreich abwenden. Zuständig bleiben weiterhin die Klubs und die lokalen Stadionverbots-Kommissionen.

Nach Vorstellung von DFL und DFB soll jedoch eine „Fachaufsicht Stadionverbote des DFB“ eingerichtet werden. Diese Kontrollinstanz soll sicherstellen, dass Stadionverbote „standortübergreifend nach einem einheitlichen, effizienten, transparenten und fairen Standard ausgesprochen oder nicht ausgesprochen, aufgehoben, reduziert und/oder ausgesetzt“ werden. Zu den Voraussetzungen für ein Stadionverbot gehört demnach, dass der „Verdacht einer Straftat im Zusammenhang mit dem Fußballspiel“ von der Polizei konkret und nachvollziehbar dargelegt wird.

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Proteste der Fanszenen und Position der DFL

Die organisierten Fanszenen hatten Mitte Februar in mehreren Bundesliga-Stadien mit Spruchbändern und der Aufschrift „Fans & Vereine: Gemeinsam gegen die neuen SV-Richtlinien!“ protestiert. Sie fürchteten, dass der Spielraum, den die lokalen Stadionverbots-Kommissionen bei den Vereinen bislang hatten, abgeschafft werden könnte.

In einem entscheidenden Punkt stellte sich das DFL-Präsidium unter Boss Hans-Joachim Watzke (66) jedoch klar hinter die Fans und gegen Politik und Polizei. Es geht darum, wann die neue DFB-Fachaufsicht als „Ultima Ratio“ berechtigt sein soll, ein Stadionverbot auszusprechen, aufzuheben, auszusetzen oder die Dauer anzupassen. Die DFL möchte die Hürde deutlich höher legen als im aktuellen Entwurf der Stadionverbots-Richtlinien vorgesehen, wo bisher lediglich von einem „begründeten Einzelfall“ als Grundlage für ein Eingreifen die Rede ist.

Die Sorge im DFL-Präsidium ist, dass die Fachaufsicht auf keinen Fall zu einer Art „Video-Schiri“ für Stadionverbote werden und durch ihr Eingreifen die lokalen Stadionverbots-Kommissionen schwächen darf. DFL und DFB haben deshalb einen Vorschlag bei der Politik hinterlegt: Nur bei „klarer und offensichtlicher wesentlicher Nichteinhaltung von Bestimmungen“ soll die Fachaufsicht die Möglichkeit haben dürfen, einzugreifen – und zwar nur, wenn sie durch einen „begründeten Antrag“ durch Klubs, Betroffene oder die Polizei angerufen wird. Ob die Politik diesen Vorschlag akzeptiert, bleibt offen.

Ausblick und Entscheidungsprozess

Über die neuen Stadionverbots-Richtlinien entscheidet am Ende das DFB-Präsidium. Ein Beschluss in der nächsten Sitzung am 10. März wird es nun nicht mehr geben, sodass die Diskussionen voraussichtlich weiter andauern. Die Debatte zeigt, wie komplex die Balance zwischen Sicherheit, Fanrechten und Vereinsautonomie im deutschen Fußball ist.

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