Heidenheim – Tränen der Rührung und Erleichterung: Eren Dinkci konnte seine Emotionen nach dem Schlusspfiff kaum verbergen. Der Profi des 1. FC Heidenheim erlebte im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga einen persönlichen Lichtblick, während sein Team den Druck auf die Konkurrenz vom FC St. Pauli und VfL Wolfsburg erhöhte. Nach der Krebsdiagnose seiner Freundin widmete der 24-Jährige sein Tor im wichtigen 2:0-Sieg gegen den Mitkonkurrenten St. Pauli seiner Partnerin.
Emotionales Tor für die Freundin
„So ein Tor gibt natürlich auch Kraft“, sagte Dinkci nach der Partie, bei der er nach Abpfiff mit Sprechchören gefeiert wurde. „Das Tor ist ihr gewidmet, ganz klar. Und ich hoffe, dass sie sich gefreut hat und ihr das Tor auch ein bisschen Kraft schenkt.“ Ende Januar hatten Ärzte bei seiner Partnerin Blutkrebs diagnostiziert. Der Verein nutzte die öffentliche Aufmerksamkeit für DKMS-Registrierungsaktionen – die Resonanz sei „überwältigend“ gewesen. Für Dinkci war es das erste Tor seit dem Schicksalsschlag.
Neue Hoffnung für den Tabellenletzten
Das 2:0 könnte beim Tabellenletzten den Glauben an die späte Rettung neu entfachen. Hätte der FCH gegen die Hamburger verloren, wäre der Abstieg nach drei Jahren in der Bundesliga besiegelt gewesen. Nun beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz nur noch vier Zähler. Trotz des anspruchsvollen Restprogramms – beginnend mit dem Gastspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim deutschen Meister FC Bayern – ist die Hoffnung zurück. „Wir haben sie schon einmal geschlagen“, erinnerte Trainer Frank Schmidt an das 3:2 vor heimischer Kulisse im April 2024. „Jetzt spielen wir in München, da haben wir oft eine passable Leistung gebracht. Wenn wir das ganz Verrückte schaffen wollen, dann sollten wir nächste Woche schon etwas mitnehmen.“ Er fahre nicht dorthin, um nur mitzuspielen, und bekam Zuspruch von Sky-Experte Dietmar Hamann: „Im Fußball sind schon verrückte Dinge passiert, warum also nicht?“
St. Pauli in der Krise
Beim FC St. Pauli herrscht dagegen Alarmbereitschaft. Der Kiez-Club wartet seit Ende Februar auf einen Sieg und präsentierte sich auch in Heidenheim ideenlos. Kapitän Jackson Irvine mahnte: „Um ehrlich zu sein, wir müssen auf die nächsten drei Spiele schauen. Es gibt noch neun Punkte zu vergeben und wir müssen uns jetzt einfach neu fokussieren.“ Trainer Alexander Blessin kritisierte die Schläfrigkeit seiner Mannschaft in der Anfangsphase und die fehlende Gegenwehr. „In Summe ist es dann einfach zu wenig, um etwas zu holen“, sagte der 52-Jährige und ging hart ins Gericht mit seinen Spielern. Man stehe zu Recht auf dem Relegationsplatz. Für die Partie gegen Mainz 05 am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) gelte es, „die Spieler zu finden, die jetzt aufstehen wollen“.
Wolfsburg: Dreikampf erwartet
VfL-Trainer Dieter Hecking erwartet nach dem torlosen Remis gegen Borussia Mönchengladbach und zwei ungeschlagenen Spielen nur noch einen Dreikampf um den Klassenerhalt. „Ich glaube, dass es nur noch zwischen Heidenheim, St. Pauli und uns geht“, sagte Hecking. „Die anderen werden schon noch ihre Punkte holen.“ Es hätte zwar besser laufen können, gab der Coach zu, aber es habe auch viele positive Aspekte gegeben. Heidenheims Trainer Schmidt freute sich unterdessen über die erste weiße Weste seiner Mannschaft in dieser Saison. Die Tabellensituation spricht weiter für St. Pauli und Wolfsburg, das Momentum und das Wir-Gefühl jedoch für den 1. FC Heidenheim. Nach dem nächsten Zeichen im Abstiegskampf und den emotionalen Wochen rund um Eren Dinkci sagte Schmidt: „Man kann alles erreichen, wenn man zusammenhält.“



