Max Eberl über die wachsende Macht der Berater im Fußballgeschäft
Die erfolgreichen Vertragsverlängerungen von Schlüsselspielern wie Joshua Kimmich, Jamal Musiala und Dayot Upamecano beim FC Bayern München tragen deutlich die Handschrift von Sportvorstand Max Eberl. In einem exklusiven Gespräch mit SPORT1 öffnet der 52-Jährige nun das Fenster zu den oft undurchsichtigen Mechanismen des modernen Fußballgeschäfts. Eberl beleuchtet dabei insbesondere die exponentiell gewachsene Rolle von Spielerberatern und den zunehmenden Einfluss, den der Transferjournalismus auf Verhandlungen nimmt.
„Die Rolle der Berater ist vielleicht zu groß geworden“
Das Beraterwesen hat auf dem globalen Fußballmarkt in den letzten Jahren neue Dimensionen erreicht: höhere Geldsummen, mehr Nebenschauplätze und eine Tendenz zu immer längeren und komplexeren Verträgen. Max Eberl, der die sportlichen Geschicke des Rekordmeisters leitet, bringt es im Interview auf den Punkt: „Die Summen, die da heute im Spiel sind, sind teilweise natürlich sehr hoch und man kann schon sagen, dass die Rolle der Berater vielleicht zu groß geworden ist.“
Besonders im Kontext der jüngst abgeschlossenen Gespräche mit Innenverteidiger Dayot Upamecano und dessen Beraterteam gesteht Eberl offen ein: „Die Verhandlungen waren definitiv nicht einfach, das sind sie aber grundsätzlich nur selten.“ Er erklärt weiter, dass auslaufende Verträge die Verhandlungsposition des Vereins erheblich schwächen, da der Spieler ablösefrei wechseln kann. „Damit befindet man sich automatisch in einer Marktsituation, in Konkurrenz zu anderen Klubs. Das beeinflusst die gesamte Sache enorm, schließlich hat sich der Markt deutlich verändert.“
Persönliche Abneigung versus Vereinsinteresse
Was dem erfahrenen Sportmanager im Umgang mit Beratern auffällt, ist eine gewisse Radikalität. „Es gibt einige, die etwas radikaler und rücksichtsloser durch die Welt gehen“, so Eberl. Er erinnert sich an eine prägende Erfahrung aus seiner frühen Zeit als Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach: „Als ich 2008 anfing, hatte ich eine Verhandlung, nach der ich mir vorgenommen hatte, mich mit diesem Berater nicht mehr an einen Tisch zu setzen. Ich wollte mit ihm nie mehr verhandeln.“
Doch das Vereinswohl steht für Eberl stets über persönlichen Befindlichkeiten. „Als der Ärger verraucht war, habe ich mir gedacht: Max, sei ehrlich zu dir! Wenn mir ein Berater einen super Spieler zu guten Konditionen bringt, und ich sage aus persönlicher Abneigung ab, schade ich dem Verein. Es geht immer um den Klub, nicht um mich. Trotz aller Emotionen muss ich immer die rational beste Entscheidung für den Verein treffen.“ Diese professionelle Haltung unterstreicht die Herausforderung, in einem emotional aufgeladenen Geschäft sachlich zu bleiben.
Handgelder und Bonuszahlungen gewinnen an Bedeutung
Dass alle Beteiligten – Spieler, Vereine und Berater – ihre finanziellen Interessen maximal ausloten, ist für Eberl eine gegebene Realität. Besonders auffällig ist die gestiegene Relevanz von vermeintlichen Nischenthemen wie Bildrechten und Vermarktungsoptionen, bei denen Berater eine zentrale Rolle spielen. „Das gibt den Handgeldern eine besondere Bedeutung“, betont der Sportvorstand.
Er führt aus: „Sie sind keine neue Erscheinung und vielleicht haben Spieler vermehrt das Gefühl vermittelt bekommen, sie müssten sich schützen. Verträge haben mittlerweile 30 und noch mehr Seiten. Das Beratergeschäft hat sich also entwickelt, weil neben der Leistung auf dem Platz noch ganz viele Themen außenherum dazugekommen sind.“
Ein massiver Einflussfaktor sind dabei Bonuszahlungen. Während leistungsbezogene Boni schon länger üblich sind, haben Handgelder – einmalige Zahlungen bei Vertragsunterzeichnung – stark an Gewicht gewonnen. Berichten zufolge soll sich Dayot Upamecano auf diesem Weg bis zu 20 Millionen Euro gesichert haben. Eberl kommentiert: „Die Summen haben sich durchaus verändert und in Zeiten des Transferjournalismus wird auch mehr darüber diskutiert, aber Boni haben in solchen Verhandlungen schon immer eine Rolle gespielt.“
Abschließend stellt er eine markante Entwicklung fest: „Mittlerweile gehen viele Spieler einfach das Risiko ein, ins letzte Vertragsjahr zu gehen und schauen dann, was passiert. Das gibt den Handgeldern eine besondere Bedeutung.“ Diese Strategie der Spieler, ihre Verhandlungsposition durch den ablösefreien Status zu maximieren, stellt Vereine wie den FC Bayern vor immer komplexere und kostspieligere Herausforderungen.



