Eisschnelllauf-Verband im Sturm: Präsident Große bestreitet Klima der Angst
Eisschnelllauf-Verband: Große bestreitet Klima der Angst

Eisschnelllauf-Verband im Fokus: Präsident wehrt sich gegen Kritik

Seit Wochen befindet sich der Deutsche Eisschnelllauf-Verband (DESG) im Zentrum einer hitzigen Debatte. Präsident Matthias Große hat nun in einem ausführlichen Interview mit der Welt am Sonntag erneut alle Vorwürfe zurückgewiesen, die gegen die Verbandsspitze erhoben wurden. Insbesondere bestritt er die Existenz eines sogenannten Klimas der Angst innerhalb des Verbandes.

Keine Angst, keine Gebühren: Große stellt klar

„Klima der Angst? Damit kann ich nichts anfangen. Was soll das überhaupt heißen? Dass jemand Angst hat, seine Meinung zu sagen?“, fragte Große rhetorisch. Zu den anonymen Behauptungen mehrerer Delegierter, im Vorfeld seiner Wahl an die DESG-Spitze sei massiver Druck ausgeübt worden, sagte der 58-Jährige: „Man kann viel behaupten, wenn niemand mit seinem Namen dafür einsteht. Unsere Versammlungen sind dokumentiert, unsere Abstimmungen transparent.“

Der Wirbel um den Verband war zu Beginn der Olympischen Winterspiele in Italien durch einen Bericht der Sportschau entfacht worden. Dieser thematisierte angebliche Unregelmäßigkeiten bei der DESG, ein belastetes Verhältnis zwischen Athleten und Verbandsspitze, verspätete Prämienauszahlungen, den Vorwurf einer erhobenen Weltcup-Teilnahmegebühr für Sportler sowie Rechnungen für Teamkleidung.

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Große wies alle diese Punkte entschieden zurück. Laut seiner Darstellung sind bei der DESG keine Gebühren zu zahlen, sofern sich ein Athlet sportlich qualifiziert habe und sich an die genehmigten Reisezeiträume und Fördervorgaben halte. Lediglich bei einer freiwilligen früheren Anreise oder zusätzlichen Optionen könnten Zusatzkosten entstehen. „Wer sich an die genehmigten Vorgaben hält, zahlt nichts. Wer etwas anderes behauptet, lügt“, betonte der Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein.

Für die kostenfrei zur Verfügung gestellte Teamkleidung würde nur dann eine Rechnung über 59,50 Euro gestellt, wenn der Sportler diese behalten wolle. Dies geschehe aus steuerrechtlichen Gründen, so Große.

Sanktionen gegen Kritiker Petzold: Verband verteidigt Entscheidung

Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Sanktionierung des Athleten Fridtjof Petzold. Der 28-Jährige hatte bei den Olympischen Spielen von strukturellen Defiziten im Verband sowie einer unzureichenden Betreuung bei den Winterspielen gesprochen. Daraufhin verfügte das DESG-Präsidium, das alle Vorwürfe zurückwies, ein vorläufiges Startverbot für Petzold und setzte dessen Status als Bundeskaderathlet mit sofortiger Wirkung aus. Petzold, der deswegen nicht bei der Weltmeisterschaft starten kann, muss nun um die Fortsetzung seiner Karriere bangen.

Große verteidigte diese Maßnahme: „Intern kann und soll jeder Kritik äußern. Aber wer Teil einer Nationalmannschaft ist, trägt Verantwortung für das gesamte Team. Öffentliche Vorwürfe während der laufenden Saison untergraben diese Geschlossenheit.“

Dass Petzolds Teamkollege Felix Maly aus Protest auf den Start bei der Mehrkampf-WM verzichtet, respektiere er. Auch die Forderung des Vereins Athleten Deutschland, die Suspendierung Petzolds aufzuheben, sei ihr gutes Recht. „Aber Entscheidungen in einem Verband trifft am Ende nicht eine Interessenvertretung und auch kein einzelner Athlet, sondern der Verband selbst – nach Regeln, die für alle gelten“, erklärte Große.

Landesverbände und Politik mischen sich ein

Die Kontroverse hat inzwischen weitere Kreise gezogen. Die Landesverbände hatten in einem Schreiben gefordert, die Sanktionen gegen Petzold mit sofortiger Wirkung zu beenden. Das Strafmaß sei unverhältnismäßig und verstoße gegen die Satzung der DESG, hieß es darin. Zudem haben der Deutsche Olympische Sportbund und Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) angekündigt, die Vorgänge bei der DESG zu prüfen.

Die Debatte zeigt, wie tief die Gräben innerhalb des Eisschnelllauf-Verbandes inzwischen sind. Während Präsident Große auf Transparenz und Regelkonformität pocht, sehen Kritiker in den Sanktionen gegen Petzold einen Versuch, unliebsame Meinungen zu unterdrücken. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob eine Einigung möglich ist oder ob der Konflikt weiter eskalieren wird.

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