Konflikt eskaliert: Eislaufverband verweigert ARD-Journalisten Zugang
Ein schwerwiegender Konflikt zwischen dem deutschen Eissportverband und kritischen Journalisten ist am Mittwoch in Berlin eskaliert. Die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) hat zwei ARD-Reporter von einer wichtigen Pressekonferenz ausgeschlossen. Betroffen sind die erfahrenen Journalisten Hajo Seppelt (63) und Jörg Mebus, die zuvor über angebliche Unregelmäßigkeiten im Verband berichtet hatten.
Brisante Vorwürfe und direkte Reaktion
Die Pressekonferenz fand seit 11 Uhr im Berliner Müggelturm statt, einem Gebäude, das dem umstrittenen DESG-Präsidenten Matthias Große (58) gehört. Dort bezog der Verband unter Große Stellung zu den kritischen Berichten, die Seppelt und Mebus zu Beginn der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina veröffentlicht hatten.
In ihrem "Sportschau"-Beitrag hatten die Journalisten schwerwiegende Vorwürfe erhoben: Demnach warten Athleten teilweise jahrelang auf ihnen zustehende Prämien, müssen sich finanziell an Trainingslagern, Wettkampfreisen und der Ausrüstung beteiligen und werden nicht transparent über die finanzielle Situation des Verbandes informiert. Das belastete Verhältnis zwischen einigen Sportlern und der Verbandsspitze stand dabei im Mittelpunkt.
Präsident Große reagierte auf der Pressekonferenz mit deutlichen Worten: "Wer Feuer anzündet, muss damit rechnen, dass das Löschen länger dauert", polterte er. Weiter kritisierte er: "Es gab nie einen positiven Ansatz in den Berichten von Hajo Seppelt."
Schriftlicher Ausschluss und scharfe Proteste
Der Ausschluss der beiden Journalisten wurde durch ein Schreiben bestätigt, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Daraufhin protestierte der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) scharf gegen diese Maßnahme.
"Die Nichtzulassung der Kollegen werten wir als klaren Eingriff in die Pressefreiheit", schrieb der VDS in einer Stellungnahme, die ebenfalls der dpa vorliegt. Die Sportjournalisten erinnerten die DESG eindringlich an ihre Verantwortung: "Ihre Gemeinschaft wird mit öffentlichen Geldern gefördert, an die daraus erwachsende Verantwortung möchten wir hier eindringlich erinnern."
Gegen den Versuch, kritischen Sportjournalismus zu reglementieren, trete man "vehement entgegen", betonte der Verband in seinem Schreiben an die DESG.
Hintergrund des Konflikts
Matthias Große steht seit 2020 an der Spitze der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft. Der Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein hat den Verband in eine schwierige Phase geführt, die nun durch den offenen Konflikt mit kritischen Medienvertretern zusätzlich belastet wird.
Die Entscheidung, die beiden ARD-Journalisten von der Pressekonferenz auszuschließen, wirft grundsätzliche Fragen auf:
- Wie verträgt sich dieser Ausschluss mit dem Anspruch auf Transparenz in einem öffentlich geförderten Sportverband?
- Welche Konsequenzen hat diese Maßnahme für das Vertrauensverhältnis zwischen Verband, Athleten und Öffentlichkeit?
- Wie wirkt sich der Konflikt auf die Vorbereitung deutscher Eissportler für zukünftige internationale Wettkämpfe aus?
Der Eklat zeigt, wie angespannt die Situation im deutschen Eissport mittlerweile ist. Während der Verband versucht, kritische Berichterstattung zu kontrollieren, pochen Journalistenverbände auf ihr Recht auf unabhängige Berichterstattung – besonders bei Organisationen, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden.



