Eine emotionale Zeitreise: Die Premiere der WM-1990-Dokumentation
Am Montagabend erlebte die Dokumentation "Ein Sommer in Italien – WM 1990" in München ihre Premiere. Die persönliche Filmkritik der AZ-Reporter Patrick Strasser und Kilian Kreitmair entführt die Zuschauer in eine vergangene Ära des Fußballs und des Lebens.
Nostalgie pur: Gänsehaut und feuchte Augen
Patrick Strasser beschreibt die Premiere als eine harte Prüfung der Selbstkontrolle. "Schon das erste Riff der Turnier-Hymne 'Notti Magiche' von Gianna Nannini reicht aus, um mich völlig zu packen", gesteht er. Als 1975 Geborener war er während des Titelgewinns der deutschen Fußballnationalmannschaft 15 Jahre alt und erinnert sich lebhaft an die Tore von Matthäus, Klinsmann und Völler.
Die Dokumentation zeigt Originalaufnahmen mit Kommentaren von Heribert Faßbender und anderen Legenden, die zahllose Erinnerungen wecken. Strasser denkt an seinen Onkel Michael, der ähnlich fröhlich-unbeholfen in die Kamera grüßte wie Bundeskanzler Helmut Kohl während der Kabinenparty in Rom, gefilmt von Torwarttrainer Sepp Maier.
Eine Welt ohne digitale Ablenkungen
Kilian Kreitmair, der 1990 noch nicht geboren war, erlebte dennoch intensive Emotionen. "Der Schuss von Andreas Brehme zum dritten Stern löste etwas in mir aus, als wäre ich dabei gewesen", schreibt er. Der Film beamt die Zuschauer in eine Zeit ohne Handys und Internet, in der Spieler wie Lothar Matthäus ungestört mit dem Boot über den Comer See fuhren oder Rudi Völler ohne Skandal Wein in Rom genoss.
Die damalige Unbekümmertheit wird durch Anekdoten unterstrichen:
- Torwart Bodo Ilgner und seine Crew unternahmen Spritztouren mit frisierten Mofas durch Como.
- Pierre Littbarski legte als Team-DJ Schlager-Schallplatten auf.
- Die Frisuren und Outfits, wie Völlers blonde Lockenmähne, sind heute legendär.
Helden einer vergangenen Ära
Für Kreitmair wird klar, warum Spieler wie Franz Beckenbauer und Andreas Brehme die Helden seiner Eltern waren. "Es waren Charaktere, die nicht nur auf dem Platz beeindruckten, sondern auch durch ihre Freundschaften und die damalige Zeit geprägt wurden", resümiert er. Die Dokumentation zeigt, wie aus Mitspielern Freunde wurden, in einer Ära, die weniger von Medienrummel und sozialen Netzwerken dominiert war.
Strasser plant, seinem Sohn den Film im Kino zu zeigen, um ihm eine Welt zu präsentieren, die heute sehr fern erscheint. Beide Reporter sind sich einig: "Grazie mille" für diese emotionale Reise in eine unbekümmerte Vergangenheit.



