Von der deutschen U19 zur iranischen Nationalmannschaft: Die ungewöhnliche Karrierewende
Vor mehr als einem Jahrzehnt absolvierte Dennis Eckert Ayensa ein einziges Spiel für die deutsche U19-Nationalmannschaft. Jetzt, im Alter von 29 Jahren, steht der Stürmer vor einem bedeutenden Karriereschritt: Er wurde in den Kader der iranischen Fußballnationalmannschaft berufen und soll bei den kommenden Testspielen gegen Nigeria am 27. März und Costa Rica am 31. März sein Debüt geben. Beide Begegnungen finden in der Türkei statt, wie der iranische Fußballverband FFIRI mitteilte.
Offizielle Einladung und familiäre Verbindungen
In einer offiziellen Erklärung des FFIRI heißt es: „Eckert wurde ins Trainingslager eingeladen und wird nach Erhalt der erforderlichen FIFA‑Genehmigungen die Möglichkeit erhalten, im Trikot der iranischen Nationalmannschaft aufzulaufen.“ Diese Berufung ist besonders bemerkenswert, da Ayensa familiäre Wurzeln im Iran hat. Seine Tante ist die bekannte iranische Schauspielerin Anahita Dargahi, die auf Instagram über 1,1 Millionen Follower zählt.
Der in Bonn geborene Fußballer wurde im Januar 1997 geboren und durchlief die deutsche Nachwuchsförderung. Im November 2015 erhielt er die Berufung in den deutschen U19-Kader. Sein einziges Spiel für die DFB-Jugend absolvierte er unter Trainer Marcus Sorg beim 1:0-Sieg gegen Litauen, nachdem er beim vorherigen Spiel gegen Schweden noch nicht zum Einsatz gekommen war.
Internationale Vereinskarriere und aktuelle Situation
Nach seiner Zeit in den deutschen Jugendnationalteams startete Ayensa eine internationale Vereinskarriere. Er spielte unter anderem für den spanischen Klub Celta Vigo und in Deutschland für den FC Ingolstadt. Seit dem vergangenen Sommer steht der Stürmer beim belgischen Verein Standard Lüttich unter Vertrag, wo er in der aktuellen Saison in 26 Ligaspielen drei Tore erzielte.
Jetzt erhält der Sohn eines Deutsch-Iraners von Nationaltrainer Amir Ghalenoei die Chance, sich in der iranischen Nationalmannschaft zu beweisen. Diese Entwicklung kommt in einer politisch sensiblen Zeit, kurz nach der Eskalation von Konflikten im Iran.
Perspektiven für die Weltmeisterschaft
Eine besondere Herausforderung könnte die anstehende Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA werden. Der Iran hat sich für das Turnier qualifiziert und trifft in Gruppe G auf Neuseeland, Belgien und Ägypten. Alle drei Gruppenspiele sollen eigentlich in den USA stattfinden, doch der iranische Verband hat bereits Co-Gastgeber Mexiko als Ausweichort vorgeschlagen.
Verbandschef Taj wurde von der staatlichen Nachrichtenagentur Irna mit den Worten zitiert: „Wir boykottieren die USA, aber nicht die Weltmeisterschaft. Wir bereiten uns auf die Weltmeisterschaft vor.“ Diese politische Dimension könnte Ayensas mögliche WM-Teilnahme zusätzlich prägen, falls er sich im Nationalteam etabliert.
Die ungewöhnliche Karrierewende des ehemaligen DFB-Talents zeigt, wie international der moderne Fußball geworden ist und wie persönliche Hintergründe sportliche Entscheidungen beeinflussen können. Ayensas Weg von der deutschen U19 über europäische Vereine bis hin zur iranischen Nationalmannschaft ist ein bemerkenswertes Beispiel für die globalen Verflechtungen im Profifußball.



