Licht aus im Schacht: FC Erzgebirge Aue vor dem Absturz in die Regionalliga
FC Erzgebirge Aue vor Abstieg nach 23 Jahren Profifußball

Licht aus im Schacht: Aues tiefer Fall nach 23 Jahren Profifußball

Im Erzgebirge geht nach 23 Jahren Profifußball das Licht aus. Der FC Erzgebirge Aue steht unmittelbar vor dem Abstieg in die Regionalliga, ein Szenario, das im Jubiläumsjahr des 80. Vereinsbestehens besonders bitter ist. Der Verein, der einst als Paradebeispiel für nachhaltigen Fußball in einer Kreisstadt galt, hat in der 3. Liga seine Daseinsberechtigung verloren.

Ein Verein im freien Fall

Torjäger Marcel Bär brachte die verzweifelte Stimmung nach einer Heimniederlage gegen Hoffenheims Reserve auf den Punkt: „Ich stehe hier gefühlt Woche für Woche und erzähle den gleichen Scheiß. Es ist peinlich, wenn die gegnerische Mannschaft Tore schießt und die eigenen Fans jubeln.“ Der Stolz des viermaligen DDR-Meisters ist tief erschüttert. Einzig der Einzug ins sächsische Landespokalfinale nach einem 2:0 beim Chemnitzer FC bietet noch eine minimale Titelhoffnung.

Die Ursachen des Niedergangs

Wie konnte es so weit kommen? Die Gründe sind vielfältig und hausgemacht:

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  • Fehlende Kontinuität: 16 Trainerwechsel innerhalb von zehn Jahren haben jede sportliche Entwicklung erstickt.
  • Planlose Personalpolitik: Die Entlassung von Cheftrainer Christoph Dabrowski im April 2026 nach nur elf Niederlagen und zwei Remis war das jüngste Beispiel.
  • Unzureichende Verstärkungen: Sport-Geschäftsführer Michael Tarnat holte im Abstiegskampf mit Vincent Ocansey nur einen Stürmer aus der fünften Liga – ohne Torerfolg.

Der Verein, der in der Saison 2010/2011 als Herbstmeister sogar am Erstligaaufstieg schnupperte und nach den Drittligaabstiegen 2008 und 2015 immer wieder aufstieg, befindet sich seit dem Abstieg 2022 in einer Abwärtsspirale.

Forderungen der Fans und interne Turbulenzen

Die Unzufriedenheit der Anhänger entlädt sich in einer Petition von Janet Rosenau, die eine außerordentliche Mitgliederversammlung fordert. Der Club reagierte mit einem Informationsabend am 19. Mai, drei Tage nach Abschluss der 3. Liga. Sportvorstand Jens Haustein betonte: „Die nun eingeleiteten Maßnahmen sollen die Weichen für eine Trendwende stellen.“ Doch innerhalb eines halben Jahres wurde die Sportführung bereits zweimal ausgetauscht.

Ein Neuanfang mit ungewissem Ausgang

Mit Nachwuchsleiter Chwitscha Schubitidse als neuem Cheftrainer, Chefscout Steffen Ziffert und Sportvorstand Haustein soll die Mission Wiederaufstieg angegangen werden. Rekordspieler Martin Männel gibt Hoffnung: „Wenn man an den richtigen Stellschrauben dreht, bin ich mir sicher, dass wir auch gestärkt daraus hervorgehen.“ Ob jedoch ein tragfähiges Konzept existiert, bleibt die zentrale Frage für einen Verein, der einst für Vernunft und Weitsicht stand.

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