Ralf Fährmann blickt zurück: Vom "wahnsinnig Bekloppten" zum Schalke-Urgestein
Fährmann: Vom "Bekloppten" zum Schalke-Urgestein

Ein Torwart-Urgestein verabschiedet sich: Ralf Fährmanns bewegende Schalke-Zeit

Ralf Fährmann hat nach seinem offiziellen Abschied vom Profifußball ein emotionales Resümee seiner bewegten Karriere gezogen, wobei der Fokus besonders auf seiner prägenden Zeit beim FC Schalke 04 liegt. Der langjährige Torhüter, der fast 300 Spiele für die Königsblauen absolvierte, beschreibt sich selbst als "wahnsinnig Bekloppten" - sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

Die unerschütterliche Liebe zu Königsblau

Trotz eines nicht ganz geräuschlosen Abschieds vor einem Jahr betont Fährmann, dass seine Verbundenheit zum Verein ungebrochen ist. "Das wird sich auch nicht ändern, nur weil sich ein paar handelnde Personen im Verein mir gegenüber nicht wirklich fair verhalten haben", erklärt der 37-Jährige im Interview. "Ich trage den Mythos Schalke immer im Herzen." Seine Liebe zum Klub bezeichnet er als "abgöttisch" und zeigt sich den Fans "unendlich dankbar" für die jahrelange Unterstützung.

Vom Teletext zur Torwart-Legende

Fährmanns Weg zum Profi begann in bescheidenen Verhältnissen. "Ich komme aus einer Zeit, da hat man die Fußball-Infos über den Teletext ab Seite 200 bekommen", erinnert er sich. Der entscheidende Moment war ein Treffen mit dem legendären Rudi Assauer, den er als "einen der letzten echten Typen im Profifußball" beschreibt. "Als ich damals das erste Mal in seinem Büro saß, hat mich seine Präsenz schon eingeschüchtert", so Fährmann über den ehemaligen Manager, der während des Gesprächs genüsslich seine Zigarre rauchte.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Der "absolut Getriebene" mit Verletzungspech

Obwohl Fährmann von sich sagt, er sei "nie das große Torwarttalent" gewesen, stieg er bei Schalke durch harte Arbeit zur Nummer eins auf. Seine extreme Einstellung wurde jedoch zum zweischneidigen Schwert: "Ich war ein wahnsinnig Bekloppter im positiven wie auch im negativen Sinn. Im negativen Sinn, weil ich sehr häufig auf die Warnzeichen meines Körpers nicht geachtet habe." Der Torwart spielte mit zahlreichen Verletzungen, darunter einem Kreuzbandriss und einem Handbruch, obwohl Pausen angebracht gewesen wären.

Mentale Herausforderungen und Tabubrüche

Fährmann reflektiert auch über die psychologischen Aspekte seiner Karriere: "Als ich mit Fußball angefangen habe, war es verpönt, über Versagensängste zu sprechen. Ein echter Mann durfte nicht weinen oder gar eine Schwäche zeigen." Zum Glück habe sich diese Einstellung geändert. Heute betont er die Bedeutung mentalen Trainings: "Du kannst nur Leistung abrufen, wenn du im kompletten Einklang mit dir selbst bist."

Die dunkelsten Stunden und die größte Lektion

Zu den schwersten Erfahrungen zählt Fährmann den Abstieg mit Schalke in die 2. Bundesliga: "Das waren die schwersten Wochen für mich. Es war extrem belastend, weil du wusstest, du bist für den Abstieg mitverantwortlich." Doch gerade diese Krise offenbarte ihm die Besonderheit des Vereins: "Als ich zum ersten Training danach gefahren bin, bin ich fast vom Glauben abgefallen: Da standen Tausende und haben uns gepusht." In diesem Moment habe er verstanden, was den Mythos Schalke wirklich ausmache: die unerschütterliche Verbundenheit zwischen Verein und Fans.

Ein Leben für den Mythos Schalke

Fährmann beschreibt den FC Schalke als mehr als nur einen Fußballklub: "Es ist Liebe, Identifikation und Halt. Eher würden die Menschen auf ihr Mittagessen verzichten, als sich keine Karte für den Klub zu holen." Trotz verpasster Nationalmannschafts-Einsätze - "ganz wertneutral hätte ich aufgrund meiner Leistungen über Jahre hinweg eine Nominierung verdient gehabt" - blickt der Torwart auf eine erfüllte Karriere zurück, die von seiner einzigartigen Einstellung geprägt war: "Der Stürmer spürt erst meine Aura, bevor ich seine spüre."

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration