Neue Gehaltsregel im Fußball: Sportökonom warnt vor Zementierung der Kräfteverhältnisse
Die Deutsche Fußball Liga hat eine neue Gehaltsregel beschlossen, die ab der kommenden Saison die Personalkosten der Proficlubs deckeln wird. Sportökonom Christoph Breuer bewertet diese Entscheidung als grundsätzlich richtigen Schritt, sieht jedoch eine erhebliche Gefahr: Die aktuellen Kräfteverhältnisse in den Ligen könnten dadurch zementiert werden.
Finanzielle Unterschiede als zentrale Herausforderung
„Die finanziellen Unterschiede zwischen den Clubs sind so groß, dass es kleineren und Nicht-Bundesligaclubs kurz- und mittelfristig kaum möglich sein wird, in der Kaderqualität mit den international spielenden Großclubs mithalten zu können“, erklärte Breuer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Ein wesentlicher Faktor seien dabei die stark gewachsenen Prämien aus Wettbewerben wie der Champions League, die zu den relevanten Einnahmen zählen und somit die Diskrepanzen weiter vertiefen.
Die neue Regelung im Detail
Künftig dürfen die 36 Vereine im deutschen Profifußball maximal 70 Prozent ihrer relevanten Einnahmen für Personalausgaben aufwenden. Diese Deckelung der Kaderkosten wird ab der kommenden Saison schrittweise eingeführt und soll mit der Spielzeit 2028/29 vollständig umgesetzt sein. Breuer begrüßt diesen Ansatz grundsätzlich, da er zu mehr finanzieller Nachhaltigkeit führen kann.
Drei Gründe für die Konsequenz der Regel
Der Sportökonom nennt drei Aspekte, warum die Entscheidung konsequent ist:
- Finanzielle Nachhaltigkeit: Gehaltskosten können nicht mehr über Schulden, Immobilienverkäufe oder andere Ausweichmöglichkeiten finanziert werden.
- Einschränkung von Finanzierungsvorteilen: Zumindest in der Theorie werden vorhandene Finanzierungsvorteile der Werksclubs eingeschränkt, was der Bundesliga in dieser wichtigen Debatte hilft.
- Anpassung an UEFA-Regeln: Die Bundesliga passt ihre Lizenzierungsregeln den internationalen Standards an.
Praktische Auswirkungen und rechtliche Herausforderungen
„Für die Clubs, die an europäischen Wettbewerben teilnehmen, ändert sich ohnehin eigentlich nichts. Die anderen haben in den allermeisten Fällen auch ohne diese Regel entsprechend gehandelt“, so Breuer. Die Regel sorge jedoch dafür, dass verbindlich danach gehandelt werden muss. „Man muss nicht mehr auf wirtschaftliche Vernunft vertrauen, ersetzt aber Freiheit durch Pflicht.“
Breuer hat „großes Vertrauen“, dass die Regelung tatsächlich umgesetzt wird, fügt jedoch hinzu: „Wenngleich Anwälte der Clubs zur Höchstform auflaufen dürften.“ Dies deutet auf mögliche rechtliche Auseinandersetzungen hin, die die Implementierung erschweren könnten.
Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung mit Risiken
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neue Gehaltsregel im deutschen Profifußball ein wichtiger Schritt zur finanziellen Stabilisierung ist. Sie fördert Nachhaltigkeit und gleicht gewisse Wettbewerbsvorteile aus. Gleichzeitig birgt sie das Risiko, die Dominanz der Großclubs zu verfestigen und kleineren Vereinen den Aufstieg zu erschweren. Die kommenden Saisons werden zeigen, wie sich diese Maßnahme auf die Dynamik der Ligen auswirkt.



