Sportfördergesetz: DOSB-Chef Fricke übt deutliche Kritik am überarbeiteten Entwurf
Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Otto Fricke, zeigt sich auch mit dem überarbeiteten Entwurf des neuen Sportfördergesetzes unzufrieden. Trotz einiger Verbesserungen im Vergleich zur vorherigen Fassung ortet der Sportfunktionär weiterhin erhebliches Optimierungspotenzial, das dem Bundeskanzleramt in Kürze detailliert mitgeteilt werden soll.
Formale Hürde genommen, inhaltliche Bedenken bleiben
Am vergangenen Mittwoch hatte der Referentenentwurf des Gesetzes das Bundeskabinett passiert und damit eine wichtige formale Hürde auf dem Weg zur Verabschiedung genommen. Für das endgültige Inkrafttreten fehlt allerdings noch die Zustimmung sowohl des Bundestages als auch des Bundesrates. Fricke betonte in einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, dass trotz der erfolgten Überarbeitungen weiterhin substanzielle Änderungen notwendig seien.
Kritik an Zusammensetzung des Stiftungsrates
Besonders kritisch sieht der DOSB-Chef die geplante Zusammensetzung des Stiftungsrates der neu zu schaffenden Spitzensportagentur. Diese Institution soll laut Gesetzentwurf künftig über die Verteilung der Bundes-Fördermittel im Spitzensport entscheiden. „Wir müssen die Spitzensportförderung auf Augenhöhe gestalten“, forderte Fricke nachdrücklich. „Ich muss schon kritisch anmerken, dass eine Zweidrittel-Mehrheit der Politik keine Augenhöhe ist.“
Der aktuelle Entwurf sieht vor, dass der Stiftungsrat aus sechs Vertretern der Politik und lediglich drei Repräsentanten des organisierten Sports bestehen soll. Diese Ungleichverteilung stößt beim DOSB auf massiven Widerstand, da sie aus Sicht des Sportbundes eine unangemessene Dominanz politischer Interessen bedeuten würde.
Handlungsauftrag für alle Beteiligten
Nachdem Christiane Schenderlein, die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, das enttäuschende Abschneiden des deutschen Teams bei den Olympischen Winterspielen in Italien als klaren Handlungsauftrag für umfassende Reformen bezeichnet hatte, weitet Fricke diese Verantwortung aus. „Dieser Handlungsauftrag richtet sich an den DOSB, die Verbände und auch an die Politik“, stellte der Sportfunktionär klar. „Ich kann nicht immer nur alles von außen beobachten und dann sagen, dass der Staat alles besser weiß.“
Fricke betonte damit, dass nicht nur der organisierte Sport selbst, sondern gleichermaßen auch die politischen Entscheidungsträger in der Pflicht stünden, die Rahmenbedingungen für den deutschen Spitzensport nachhaltig zu verbessern. Die Debatte um das Sportfördergesetz dürfte damit in den kommenden Wochen weiter an Schärfe gewinnen, insbesondere wenn der Gesetzentwurf die parlamentarischen Beratungen erreicht.



